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Gefährliche Wanderschaft

Gefährliche Wanderschaft

Über Gefährdung und Schutz unserer Amphibien

von Linda Baumann

Erdkrötenpaar am Schutzzaun

Erdkrötenpaar am Schutzzaun


Langsam geht die Sonne hinter den Feuchtwiesen am Rande der kleinen Siedlung unter. Die noch kühle Luft an diesem Frühlingsabend im März ist erfüllt von Vogelgezwitscher und dem Quaken der Erdkröten. Und da ist eine. Ein großes Weibchen bahnt sich ihren Weg durch das hohe Gras am Randstreifen einer Straße. Sie macht einen vorsichtigen Hüpfer. Und dann noch einen. Jetzt hat sie schon den rauen Asphalt der Straße unter ihren kleinen Füßen. Die näher kommenden Motorengeräusche hört sie nicht. Doch ihr Laichgewässer auf der anderen Seite der Straße wird sie nicht wieder sehen.

So wie dieser Erdkröte geht es in jedem Jahr tausenden Amphibien. In Deutschlang gibt es 21 verschiedene Arten. Zu ihnen gehören Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander. Mit wenigen Ausnahmen müssen sie alle in jedem Frühjahr zu ihren Laichgewässern wandern. Die Individuen, die diese gefährliche Reise überleben, legen hier ihre Eier, den Laich, ab. Aus diesen schlüpfen die Kaulquappen, die ihre erste Lebensphase ausschließlich im Wasser verbringen.

Rotbauchunke

Rotbauchunke

Nachdem ihr Körper nach einem Umwandlungsprozess ihre endgültige Form angenommen hat, verlassen sie das Wasser und kehren in der Regel nur zur Fortpflanzungszeit dorthin zurück. Doch Ihre Reise wird immer schwieriger. Straßen und Siedlungen zerschneiden zunehmend ihre Lebensräume und Wanderwege. Viele Amphibienarten stehen bereits auf der Roten Liste und gelten als gefährdet, wie Laubfrosch oder Gelbbauchunke. Seit 1980 stehen alle in Deutschland vorkommenden Amphibienarten gemäß Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz.

Tödliche Gefahr
Umweltorganisationen wie der NABU setzen sich auch praktisch für den Amphibienschutz ein. Vielerorts werden Amphibien bei ihrer Frühjahrswanderung durch Krötenzaunaktionen vor dem Straßentod gerettet. Dabei werden entlang der Straße niedrige Zäune aufgestellt und Fangeimer eingegraben. Die wandernden Amphibien fallen dort hinein, werden von Helfern entnommen und sicher über die Straße getragen.

Feuersalamander

Feuersalamander

„An Stellen, an denen in jedem Jahr Amphibien in großer Zahl wandern, sind festinstallierte Anlagen wie Amphibientunnel und Krötenleitzäune allerdings die sicherere und effektivere Lösung“, erklärt Jens Scharon aus der NABU-Fachgruppe für Feldherpetologie in Berlin, „Die regelmäßige Betreuung der vorübergehend aufgestellten Krötenzäune ist mit hohem Aufwand für die Helfer verbunden. Fallen Tiere nachts in die Auffangeimer und können erst morgens aus ihnen entnommen werden, bedeutet das außerdem einen Eingriff in deren Biologie. Festinstallierte Anlagen dagegen, können die Tiere selbstständig, sicher und zu jeder Zeit durchqueren.“

Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen sind wichtig. Wie Professor Dietrich Hummel vom Institut für Strömungsmechanik der TU Braunschweig herausfand, sterben viele Kröten nicht durch direktes Überfahren, sondern bereits durch den Unterdruck, den die Autos am Boden erzeugen. Ohne Geschwindigkeitsbegrenzung hilft es also nichts, die Tiere zwischen die Räder zu nehmen. Nach Hummel wäre dieser Druck aber bei Tempo 30 bereits so gering, dass viele der Tiere überleben würden.

Amphibienschutztipps
Kleiner Wasserfrosch

1. Schaffen Sie Lebensräume und Laichgewässer für Amphibien, indem Sie naturnahe Gartenteiche ohne Fischbesatz anlegen und gezielt Bereiche des Gartens verwildern lassen.
Verzichten Sie konsequent auf den Einsatz von Pestiziden und Giften.
2. Verschließen Sie Gruben und Schächte auf Ihrem Grundstück oder lassen sie Rohre rund 20 Zentimeter über den Boden hinaus ragen.
3. Achten Sie als Autofahrer auf Schilder zur Krötenwanderung und halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung.
4. Beteiligen Sie sich an Krötenzaunaktionen. Wenden Sie sich dazu an Naturschutzgruppen in Ihrer Region.

Dünnhäutige Gesellen
Der Straßenverkehr ist aber nicht das einzige Problem, mit dem die zahlreichen Lurche auf ihrer Wanderung zu kämpfen haben. „Auch Abwasser-, Licht- und Kellerschächte werden oft zur tödlichen Falle“, berichtet Amphibienexperte Scharon. Der Verlust des Lebensraumes trägt ebenfalls zum Rückgang der Amphibienbestände in Deutschland bei. Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft sind in einigen Regionen bis zu 80 Prozent der Kleingewässer zugeschüttet und trockengelegt worden. „Dieser Entwicklung wird heute durch Schutzmaßnahmen wie der Wiedervernässung oder Neuschaffung von Kleingewässern entgegengewirkt. Viele Kleingewässer sind bereits geschützte Biotope“, so Scharon.

Amphibien haben, anders als Reptilien, keine Schuppen. Sie besitzen eine weiche, wasserdurchlässige Haut, über die auch die Aufnahme von Sauerstoff und Wasser erfolgt. Daher sind sie besonders anfällig für Umweltgifte, denn neben dem Wasser werden auch Giftstoffe wie Spritzmittel und Kunstdünger direkt über die Haut aufgenommen. Die feuchte Amphibienhaut ist außerdem guter Nährboden für Pilze und Bakterien. So hat eine bestimmte Pilzkrankheit in den letzten Jahren ein weltweites massives Amphibiensterben ausgelöst: der Chytridpilz. Ursprünglich stammt der Pilz wahrscheinlich aus Südafrika, wurde aber inzwischen auch in Europa nachgewiesen. In Deutschland kam es bisher noch nicht zu einem Massensterben. Ob der Pilz alleine tödlich wirkt oder ob eine Kombination aus verschiedenen Faktoren letztlich zum Tod führt, gilt es nun herauszufinden, um das weltweite Amphibiensterben erfolgreich zu bekämpfen.

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