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Sancho, der Frosch aus der Bananenkiste

Sancho, der Frosch aus der Bananenkiste

Was tun beim Fund exotischer Tiere?

Junger Laubfrosch aus der Dominikanischen Republik, gefunden in einer Biobananenkiste

Dieser kleine Kerl reiste mit einer Biobananenlieferung aus der Dominikanischen Republik ein.


26. August 2010 - Als Anfang August in der Lebensmittelabteilung der Karstadt-Filiale Dortmund eine Kiste mit Bio-Bananen geöffnet wird, ist die Überraschung groß, denn ein kleiner rund vier Zentimeter großer Frosch hüpft aus der Kiste heraus. Die Mitarbeiter stellen schnell fest, dass es sich um keine heimische Amphibienart handelt. Viele Fragen stellten sich die Mitarbeiter: Ist er giftig? Woher kommt er, wie konnte er die weite Reise überleben?

Was also tun mit dem Frosch? Thomas Mix nimmt den kleinen Einwanderer erst einmal in seine Obhut mit nach Hause nach Marl. Ihm ist klar, dass man ihn nicht einfach in der Natur aussetzen kann, da dies für die heimischen Arten aufgrund verschiedener Krankheiten schlimme Folgen mit sich tragen kann. Auch hat der noch unbestimmte Frosch wohl kaum Überlebenschancen.

Zwischenstation in Marl
Zu Hause angekommen, baut Thomas Mix dem Frosch ein kleines Aquarium mit Erde, Versteckmöglichkeiten und einem Wasserteil um. Um den Frosch nach seiner Reise wieder zu stärken, werden Fliegen gefangen und ihm als Nahrung angeboten, die er auch direkt annimmt. „Tagsüber versteckt er sich und nachts klettert er im Aquarium senkrecht an den Glasscheiben hoch und sucht Nahrung“, so Annette Mix.

Bio-Bananen

Tochter Angela macht sich direkt im Internet auf die Suche, um ein neues zu Hause für den kleinen Einwanderer zu finden. Wichtig hierbei sind ihr vor allem die artgerechte Haltung und natürlich die Bestimmung des Froschs. Auf der vom NABU-Bundesfachausschuss Feldherpetologie und Ichthyofaunistik betriebenen www.amphibienschutz.de wird sie fündig. Sascha Schleich, einer der ehrenamtlichen Betreiber, reagiert sofort und kann aufgrund Beschreibung und zugeschickter Bilder einen exotischen Laubfrosch vermuten und somit eine Gefährlichkeit/Giftigkeit fast ausschließen. Er erklärt sich bereit, den kleinen Frosch aufzunehmen, da die artgerechte Haltung einiges an Erfahrung fordert und auch die Bestimmung solcher Exoten aufgrund der Vielzahl an exotischen Arten nicht so einfach ist. So macht sich der kleine Einwanderer auf eine weitere Reise von Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz, um sein neues Regenwaldterrarium bei Sascha Schleich in Idar-Oberstein zu beziehen.

Experten bestimmen den kleinen Frosch
Einen ersten wichtigen Hinweis zur Eingrenzung liefert die Bananenkiste, denn sie stammt von einer Bio-Plantage aus der Dominikanischen Republik. Für die weitere Artbestimmung werden zwei zusätzliche Experten zu Rate gezogen: Dr. Axel Kwet vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart – außerdem Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) – und der erfahrene Amphibienzüchter Karl-Heinz Jungfer. Merkmale wie die Färbung der Schenkelinnenseite, die Kopfform und die Spannhäute zwischen den Zehen deuten als vorläufigem Bestimmungsstand auf einen noch nicht ausgewachsenen Hispaniola-Laubfrosch, wissenschaftlich Osteopilus dominicensis.

Junger Laubfrosch aus der Dominikanischen Republik, gefunden in einer Biobananenkiste

Der geschilderte Fall ist einer von vielen im Jahr, wo durch Import von Lebensmitteln oder durch das Aussetzen durch überforderte Halter exotische Tiere in Deutschland gefunden werden. Weitere Funde im Jahr 2010 waren beispielsweise ein französischer Laubfrosch in einer importierten Salatkiste oder eine ungiftige Kornnatter, die vermutlich ausgesetzt wurde. Aufgrund der Vielzahl von Arten sowie dem Schutzstatus gibt es verschiedene Auffangstationen in Deutschland. Wer ein exotisches Tier aus dem Bereich der Amphibien, Reptilien oder Spinnen entdeckt, kann sich auch an die Betreiber von www.amphibienschutz.de wenden, diese suchen dann den entsprechenden Kontakt zu den Artspezialisten und versuchen die Tiere, artgerecht in entsprechenden Institutionen unterzubringen.

Giftig oder nicht giftig?
Wichtig bei einem Fund ist auch die Gefahr, dass das gefundene Tier giftig sein könnte. Hier gilt es ein paar Regeln zu beachten. Als erstes sollte ein Bild des gefundenen Tiers aus sicherem Abstand gemacht werden, dieses Bild sollte unverzüglich an info@amphibienschutz.de geschickt werden. Nach der Einschätzung, ob das Tier gefährlich sein könnte, sollte im negativen Fall versucht werden, es einzufangen, und es in einem ausbruchsicheren Behältnis mit genügend Luftzufuhr kurzfristig aufbewahrt werden, bis eine Übergabe mit einem Experten vereinbart wird. Im Falle zum Beispiel einer giftigen Schlange aber sollte man keinen Fangversuch wagen, sondern nur den Aufenthaltsort aus sicherer Entfernung beobachten und auf einen Experten warten, der von www.amphibienschutz.de informiert wird.

Die meisten eingeführten Arten haben kaum eine Chance den Winter zu überleben, jedoch sind sie potenzielle Überträger von Krankheiten, die katastrophale Ausmaße für unsere heimische Flora und Fauna anrichten können, wie beispielsweise die Amphibienhauterkrankung Chytridiomykose. Deshalb ist es besonders wichtig, keine gebietsfremden Arten in der Natur auszusetzen und im Falle eines Fundes, das Tier aus der Natur zu entnehmen.

mehr www.amphibienschutz.de

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