NABU.de Tiere & Pflanzen Amphibien & Reptilien News Tödlicher Pilz bedroht Kröten und Frösche
Tödlicher Pilz bedroht Kröten und Frösche
Bringen exotische Terrarientiere das Amphibiensterben nach Europa?
Bisher sind ausschließlich tropische Amphibienarten vom Pilzbefall betroffen.
In den letzten 25 Jahren sind weltweit mehr als 120 Amphibienarten ausgestorben. Hauptursache ist dabei die Zerstörung der Lebensräume, rund ein Drittel der ausgestorbenen Arten jedoch gehen auf das Konto tödlicher Hautinfektionen durch den Chytridpilz - wissenschaftlich Batrachochytrium dendrobatidis und kurz "BD" genannt.
Bisher ist das "neuartige Amphibiensterben" auf die tropischen und subtropischen Regionen vor allem Mittel- und Südamerikas sowie Australiens beschränkt. Inzwischen wurde der Pilz nach Informationen von BBC News jedoch auch in der südenglischen Grafschaft Kent nachgewiesen. Vermutlich gelangte BD durch importierte afrikanische Krallenfrösche in die Natur, die entflohen waren oder von ihren Haltern ausgesetzt wurden.
Doch auch Erdkröte können nachgewiesenermaßen infiziert werden.
Die Krallenfrösche haben in der neuen Umgebung nur kurz überlebt. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird aber sein, wie lange es Chytridpilze ohne Wirtsorganismus in der Natur aushalten können. Unter Laborbedingungen wurden bereits Überlebenszeiten von mehr als sieben Wochen nachgewiesen. Nach mathematischen Modellen, die Biologen des Londoner Imperial College entwickelten, bestünde erst bei längeren Überlebenszeiten des Pilzes eine ernsthafte Gefahr etwa für die Erdkröte, die nachgewiesenermaßen von BD befallen werden kann.
Hielte sich der Pilz zum Beispiel ein Jahr oder mehr am Leben, wäre laut Projektleiter Matthew Fisher mit erheblichen Rückgängen der Erdkröten und dem Erlöschen lokaler Bestände innerhalb von zehn Jahren zu rechnen. "Im allerschlimmsten Fall würde die Erdkröte komplett aussterben", so Fisher zur BBC. Die Forscher fordern deshalb vor allem stärkere Kontrollen bei der Einfuhr tropischer Amphibien. Die Tiere sollten grundsätzlich alle zuvor auf BD-Befall untersucht werden.
Amphibien atmen teilweise über ihre dünne Haut, deshalb könnte ein Pilzbefall leicht tödlich enden.
Am anderen Ende der Welt, in Neuseeland, haben Molekularbiologen unterdessen bei der Suche nach Mitteln gegen BD einen ersten Treffer gelandet. Bei Versuchen an infizierten Baumfröschen und Glockenfröschen gelang es mit dem Antibiotikum Chloramphenicol die Pilzkrankheit erfolgreich zu bekämpfen. Ein Bad in einer entsprechenden Lösung heilte die Frösche komplett. Chloramphenicol wird in der Humanmedizin unter anderem in Augensalben und Augentropfen verwendet. Wegen teilweise schwerer Nebenwirkungen ist der Stoff allerdings problematisch. Völlig offen ist zudem noch, wie eine Behandlung ganzer wildlebender Amphibien-Populationen technisch bewerkstelligt werden könnte. (elg)
BBC: UK's toads 'at risk' from fungus
BBC: Frog killer fungus 'breakthrough'
Global Amphibian Assessment (GAA)
Infos zum Amphibienrückgang bei www.amphibiaweb.org
Stichwort Chytridpilz bei Wikipedia
Chloramphenicol-Info der Giftzentrale Bonn
Beitrag erstellt am 29. November 2007.

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