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Laichgeschäft in vollem Gange

Den Fröschen und Kröten auf der Spur

Infos zu den Laichwanderungen im Frühjahr 2009

Laichgeschäft in vollem Gang

Die Hinwanderung der Amphibien ist weitgehend abgeschlossen

18. April 2009 - Im Flachland sind die Wanderungen der Amphibien zu den Hochzeitsgewässern nun fast überall beendet. Viele Tiere haben bereits abgelaicht und in sich schnell erwärmender Umgebung wie etwa flachen Pfützen und Fahrspuren tummeln sich bereits erste kleine Kaulquappen. Inzwischen sind auch Spätlaicher wie etwa der Laubfrosch aktiv. „Die Frühlaicher sind schon wieder aus den Gewässern verschwunden; jetzt sitzen da stattdessen diese kleinen grünen Kerlchen im Flutrasen der Uferzone“, berichtet Christian Fischer aus dem niedersächsischen Wendland. „Sie machen einen solchen Krach, dass einem hinterher die Ohren klingeln. Aber es ist natürlich ein Glück, in einer Gegend zu wohnen, wo es den Laubfrosch noch gibt und das in großer Zahl.“

Vielerorts sind die Schutzaktionen für dieses Jahr beendet. So wurden im niedersächsischen Elbe-Weser-Dreieck die acht betreuten Zäune nach Ostern abgebaut. Zwar sah Uwe Baumert vom NABU-Kreisverband Bremervörde-Zeven insgesamt eine „normale Amphibienwanderung“ mit insgesamt rund 10.000 Tieren. Doch örtlich kann es auch zu starken Abweichungen kommen. So brach an einer Stelle innerhalb weniger Jahre ein Bestand von einst rund 1800 Erdkröten komplett zusammen.

Bemerkenswerte Einzelergebnisse
Erdkröte

An der Ortsverbindungsstraße Zeutern-Östringen bei Karlsruhe kamen nach Angaben von Silke Weber bereits Ende März 2400 Erdkröten, rund 120 Molche und 56 Springfrösche zusammen. „Das ist insgesamt wesentlich weniger als letztes Jahr, wobei 2009 wohl viele Kröten die zeitweise überschwemmten Tunnel angenommen haben, was sonst kaum der Fall war.“

Mehr als „ordentliche“ Zahlen kann auch Stefan Wagner vom NABU Marburg melden. An der K 59 bei Niederwalgern wurde 2009 zum ersten Mal auf 300 Metern ein Zaun aufgestellt. Dabei wurden auf dem Weg zu den Baggerteichen Niederwalgern 1.100 Erdkröten und erstaunliche 8.000 Teichmolche registriert. „Viele Molche wurden bei den Abendkontrollen direkt am Zaun abgelesen. Sie können nämlich aus den Eimern herausklettern und auch den Zaun überwinden.“

Am Merkener Busch bei Düren wurden insgesamt 15.663 Tiere registriert, davon 11.901 Erdkröten, 840 Grasfrösche, 91 Springfrösche, 393 Wasserfrösche, 4 Seefrösche, 335 Bergmolche und 2099 Teichmolche. Da noch einige Teilergebnisse fehlen, rechnet Achim Schumacher am Ende hier mit „gut 20.000 Tieren“.

Unterschiedliche Entwicklungen nehmen auch die Zäune und die Arten im sächsischen Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. „Dem positiven Trend unter anderem beim Kammmolch stehen anhaltende Rückgänge bei Erdkröte und Moorfrosch entgegen“, erläutert Dirk Weis von der Reservatsverwaltung. „Die Hoffnung ist, dass sich zum Beispiel am Zaun Steinitz vor allem das Wanderverhalten der Amphibien geändert hat. Dort sind beidseits der Straße Reproduktionsgewässer und Sommerlebensraum vorhanden. Durch Verkehrsverluste nach Abbau des Zaunes ist die Selektion der über die Straße wechselnden Tiere sicher höher als die der restlichen Population und so nimmt die Zahl der ‚wanderfaulen’ Erbgutträger zu.“ Während der Zaun in Steinitz möglicherweise künftig nicht mehr weiter betrieben wird, ergeben sich andernorts neue Schwerpunkte, darunter in Kreba, wo mehr als 10.000 Tiere wandern.

Was den Wanderverlauf betrifft, steht die Bilanz von Franz Enders vom NABU Ober-Ramstadt im Vorderen Odenwald stellvertretend für viele Aktive: „Am Anfang fanden wir immer nur wenige Tiere in den Eimern. Erst der Temperaturanstieg im April hat die Tiere richtig munter werden lassen, sodass wir am Ende eine kurze aber heftige Saison hatten.“

„Das Märzwetter war zunächst ausgesprochen trügerisch“, erläutert Rainer Pietsch vom NABU Wiesbaden. „Trotz warmer, sonniger Tage war es nachts ausgesprochen kalt, sodass selbst bei Regen keine Tiere unterwegs waren. Jeden Tag erhielten wir von den Helfern die Nachricht: keine Tiere gefunden, es war zu kalt. Erst zum Monatsende setzte dann mit dem Wetterwechsel auch die Hauptwanderung ein. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren zeigt sich insgesamt ein ganz typischer Verlauf: Ein erster Wanderungshöhepunkt zur Mitte des Monats um den 15. März herum, dann ein Kälteeinbruch und schließlich die Hauptwanderung zum 1. April. Dieses Schema ist für unsere Region so typisch, dass wir schon Exkursionen danach planen.“

Deutlich früher, obwohl weiter im Norden gelegen, waren die Kröten am Galgenberg nahe dem Kamer Autobahnkreuz. „Unsere diesjährige Krötenschutzaktion begann am 27. Februar mit der Straßensperre“, berichtet Wolfgang Postler vom NABU Unna, „Die Hauptwanderung fand dann vom 12. bis 17. März mit Höhepunkt am 14. März statt. Danach war so gut wie nichts mehr los. So hatten wir schon am 28. März die ersten Rückwanderer auf der Straße. Die Saison wurde am 9. April beendet und die Straßensperrung aufgehoben.“

Kurze Saison in den Mittelgebirgen
Ganz anders sieht es verständlicherweise in den höheren Lagen aus, denn im März war in den Mittelgebirgen an Krötenwanderungen überhaupt nicht zu denken. Im oberschwäbischen Illertal (550 Meter Höhenlage) drängte es aber immerhin die Grasfrösche trotz Schneeregen selbst bei zwei Plusgraden zu den Laichgewässern. Die Hauptwanderung der Erdkröten fand laut Ulrich Müller vom BUND-Regionalverband Donau-Iller vom 1. bis 6. April statt: „Die Erdkröten haben nur wenige Tage nach Eintreffen am Teich abgelaicht und sind beginnend ab 4. April über mehrere Tage bereits zurückgewandert. Über die Hälfte der Erdkröten ist bereits zurück, während die Grasfrösche auf den nächsten Regen warten.“

Kaulquappen

Während andernorts noch abgelaicht wird, fanden sich zu Ostern in dieser Wagenspur im Gernsheimer Wald (südhessische Oberrheinebene) bereits zahlreiche Kaulquappen.

Im Bayerischen Wald lag bei 650 Metern Höhe noch vereinzelt Schnee, als die Aktiven um Rosmarie Wagenstaller am 4. April ihre Zäune aufstellten. Der allgemeine Wärmeeinbruch brachte dann bis Ostern starke Wanderungen, die aber noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

Dabei sind Frost und Schnee oder uneinsichtige Autofahrer nicht die einzigen Widrigkeiten, mit denen Amphibien und Amphibienschützer zu tun haben. Immer wieder kommt es zum Beispiel zu Vandalismus. „Erstmals haben wir einen Zaun gesetzt, der in Ösen von Metallpfählen eingehängt wird, die man sehr leicht in die Erde stecken, aber auch aus der Erde ziehen kann“, berichtet Heinke Glameyer-Fleischmann aus Geeste im Emsland. „Verantwortungslose Mitmenschen – wahrscheinlich betrunkene Jugendliche – haben mehrfach Pfähle aus der Erde gezogen, so dass der Zaun stellenweise flach lag. Einmal waren sogar Eimer in das angrenzende Waldgebiet geworfen worden.“

Eingriffe in die Lebensräume
Noch gravierender sind Einwirkungen auf die Lebensräume der Amphibien. Die relativ schlechten diesjährigen Ergebnisse im brandenburgischen Müncheberg führt Thorsten Schönbrodt vom örtlichen NABU unter anderem auf massive „ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Maßnahmen“ zurück. Im Winterquartier der Tiere wurden vier Hektar Wald mit einem sogenannten Harvester leergeräumt.

Direkt dem Laichgewässer ging es im nordbadischen Schwarzbachtal an den Kragen. Hier kümmert sich die Naturfreunde-Ortsgruppe schon seit Jahren am die Überquerung einer Kreisstraße, bevor die Amphibien weiter zu einem Angelteich wandern. Überraschend ließ der Angelverein Ende März einen großen Bagger anfahren, um zur Gewässererweiterung große Teile der Uferböschung abzutragen. „Das gesamte Wasser wurde für anderthalb Tage abgelassen“, berichtet Doris Banspach. „Der gesamte schon abgelegte Laich wurde zerstört – entweder abgetragen oder vertrocknet. Die Angler taten unwissend und wir erhielten nur die Antwort, dass der Bagger nun mal zur Verfügung stand und man hätte nicht an den Laich gedacht. Wir fürchten, dass die gesamte Nachwuchspopulation eines Jahres weitgehend zerstört wurde. Diese Saison nimmt für uns ein trauriges Ende. Viele Menschen, die sich immer wieder bereit erklären, täglich Schichten zu übernehmen, hat dies zutiefst schockiert.“

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