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Nachhaltige Waldwirtschaft durch FSC-Zertifzierung
Nachhaltige Waldwirtschaft durch FSC-Zertifizierung
Interview mit Gregor Beyer über den neuen FSC-Standard
Gregor Beyer war viele Jahre forstpolitscher Sprecher des NABU.
21. September 2010 - Von 2006 bis 2010 wurden die Regeln für das Zertifizierungssystem Forest Stewardship Council (FSC) überarbeitet. Sie stellen sicher, dass die nach FSC zertifizierten Wälder nach wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen und Gesichtspunkten nachhaltig bewirtschaftet werden. Bei der Erarbeitung der Regeln wirken unterschiedliche Gesellschaftsgruppen mit.
Für die Umweltkammer hat Gregor Beyer als Mitglied im Richtlinienausschuss des FSC von 2006 bis kurz vor Abschluss der Revision das Verfahren begleitet. Gregor Beyer war viele Jahre lang forst- und jagdpolitscher Sprecher des NABU, seit Oktober 2009 ist er Abgeordneter im Brandenburgischen Landtag. Mit ihm sprach NABU-Waldexperte Johannes Enssle:
Herr Beyer, Sie haben in den letzten Jahren den NABU im FSC-Richtlinienausschuss vertreten. Um was für ein Gremium handelt es sich dabei und was war Ihre Aufgabe?
Der NABU ist seit vielen Jahren aktives Mitglied bei FSC Deutschland. Als mitgliederstärkster Naturschutzverband, für den Waldnaturschutz traditionsgemäß eine große Rolle spielt, war es selbstverständlich, dass man sich bei der Erarbeitung neuer FSC-Regeln für den Wald beteiligt. Im Richtlinienausschuss sitzen aus jeder Kammer des FSC – also Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftskammer – je zwei Vertreter und erarbeiten die neuen Richtlinien als Beschlussvorlage für die Gremien des FSC. Einen der beiden Posten für die Umweltkammer habe ich die letzten Jahre bis zur Annahme meines Landtagsmandates inne gehabt. Der Richtlinienausschuss ist gewissermaßen das entscheidende Fachgremium in allen Fragen rund um den FSC-Standard, formal hat er vorbereitende Beratungsfunktion für die Mitgliederversammlung und den Vorstand.
Die Interessen sind dort doch sicherlich sehr unterschiedlich. Die Wirtschaftskammer möchte beispielsweise weniger Biotop- und Totholz im Wald als die Vertreter der Umweltkammer das fordern?
Es liegt in der Natur der Sache, dass auf den Wald unterschiedliche Interessen einwirken, das ist beim FSC nicht anders als überall sonst. Der FSC hat für den Interessenausgleich aber den sehr geschickten Mechanismus eines „Dreikammersystems“ installiert, bei dem im Richtlinsenausschuss keine Kammer die anderen überstimmen kann. Alle Entscheidungen müssen bei sechs Stimmen immer mindestens fünf Stimmen erreichen – das diszipliniert! Zudem kommt im Richtlinienausschuss erleichternd hinzu, dass alle Vertreter ausgewiesene Forstpraktiker sind. Da ergibt sich dann das gleiche Phänomen, dass ich auch in den vielen Jahren meiner verbandspolitischen Tätigkeit immer wieder erleben durfte – draußen am konkreten Bestand werden sich die Praktiker recht schnell einig, ob der gefundene Kompromiss dann auch in den politischen Gremien hält die unterschreiben müssen, ist die andere Seite der Medaille (lacht!). Im FSC ist uns das gelungen; der neue Standard ist auch von der Vollversammlung bestätigt worden.
Wie entsteht denn dann schlussendlich eine konkrete Regelung? Bleiben wir beim Thema Biotop- und Totholz. Wie kam diese zustande?
Das war tatsächlich die schwerste Geburt – auch für die Praktiker. In dieser Frage wurde deutlich, was nach meiner Erfahrung das ganze Grunddilemma in den Interessenslagen zwischen Naturschützern und Landnutzern ist. Die Naturschützer wollen immer so exakt und kontrollierbar wie möglich regeln, die Landnutzer wollen so wenig als möglich regeln und die größtmögliche waldbauliche Freiheit erhalten. Zwei aus den jeweiligen Perspektiven berechtigte Anliegen, die sich nur dummerweise schwer vereinbaren lassen. Es ist uns gelungen eine Lösung zu finden, bei der wir in alten Beständen die konkrete Zahl von zehn sogenannten Biotopbäumen (lebende Bäume mit besonderen Strukturen) vorgeben, die Forstbetriebe aber selbst eine Strategie zur Anreicherung von Biotop- und Totholz erarbeiten müssen. Die Zahl zehn hat für viel Furore gesorgt wurde schlussendlich aber akzeptiert, weil es zehn Biotopbäume sind, die unter gewisser waldbaulicher Freiheit ausgewählt werden können. Darin liegt für mich generell der Geist des FSC begründet: versuchen, gemeinsame und realistische Ziele für den Wald zu definieren aber den Bewirtschaftern die Freiheit überlassen, mit welchen waldbaulichen Verfahren diese erreicht werden.
Was waren denn aus Ihrer Sicht neben dem neuen Biotop-Totholz-Konzept die wesentlichen Neuerungen für den Naturschutz?
Aus meiner Sicht ist es vor allem bedeutsam, dass sich der FSC treu geblieben ist bei bestehenden Regelungen. Es gibt auch weiterhin keinen Biozideinsatz, keine Bodenbearbeitung und Kahlschläge sind im Vergleich zu vielen Landeswaldgesetzen mit maximal 0,3 Hektar sehr eng definiert. Auch die Diskussion zum Thema fremdländische Baumarten war recht langwierig. Beimischungen sind jedoch nach wie vor nur in begrenztem Umfang möglich. Spannend aus Naturschutzsicht ist auch, dass die Rückegassenabstände zukünftig grundsätzlich 40 Meter betragen und Ausnahmen davon extra begründet werden müssen.
Gab es denn auch bittere Pillen, die die Umweltkammer allgemein in den Verhandlungen schlucken musste?
Na ja, das ist keine einfache Frage. Fairer Weise müsste ich bekennen, dass es aus der Umweltkammer starke Forderungen gab die Holzvorräte im Wald weiter zu steigern. Man wollte die Vorratsentwicklung innerhalb der von FSC geforderten Stilllegungsflächen als Grundlage für zu entwickelnde Zielvorräte in vergleichbaren bewirtschafteten Beständen nehmen. Dagegen hat sich die Wirtschaftskammer vehement gewehrt. Die gefundene Regelung fordert jetzt, dass man sich langfristig an Dynamik und Struktur natürlicher Waldgesellschaften annähern muss. Dass impliziert auch den Holzvorrat, ist aber im Vergleich zu der ursprünglichen Forderung weniger konkret und schlecht abprüfbar. Man möge es mir jedoch nachsehen, dass ich das ganz persönlich nicht unbedingt als extrem bittere Pille ansehe.
Ist der FSC-Standard denn dann schlussendlich ein Naturschutzstandard?
Eine schon allein deshalb schwierige Frage, weil wir nun zunächst in eine längere Definition zum Terminus Naturschutz einsteigen müssten. Der FSC-Standard ist ein Regelwerk für jene Forstbetriebe, die sich der lohnenswerten Aufgabe stellen wollen die Bewirtschaftung des Waldes unter weitgehender Integration von Naturschutzzielen zu realisieren. Er ist aber vorrangig ein Bewirtschaftungsstandard und das ist auch sehr gut so, denn der Sinn und Zweck der Bewirtschaftung von Wald bleibt die Realisierung einer finanziell messbaren Rendite für den Grundeigentümer. Ich möchte mich erinnern, das ziemlich genau so auch in dem aktuellen NABU-Papier „Waldwirtschaft 2020“ gelesen zu haben – von daher würde ich dann auch schlussfolgern, dass der FSC-Standard damit durchaus auch ein Naturschutzstandard ist.
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Die Waldzertifizierung ist ein Instrument um wichtige Nachhaltigkeitsstandards bei der Waldbewirtschaftung zu garantieren. Der Verbraucher kann so beim Kauf von Holzprodukten erkennen, ob diese umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden.
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