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Nationalpark-Wald verliert Öko-Gütezeichen
Nationalpark-Wald verliert Öko-Gütezeichen
Schwerwiegende Verstöße in Mecklenburg-Vorpommern
Bis auf weiteres ohne: Die FSC-Auszeichnung des Landeswaldes Mecklenburg-Vorpommern wurde jetzt supendiert.
Wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Grundsätze ökologischer Waldwirtschaft auf dem Darß im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft darf Mecklenburg-Vorpommern das Holz aus Nationalpark-Wäldern nicht weiter mit dem so genannten FSC-Siegel vermarkten. Damit wird ausgerechnet ein Nationalpark zum Auslöser des ersten derartigen Falls in Deutschland.
Das vom Forest Stewardship Council (FSC) weltweit vergebene Gütezeichen signalisiert Handel und Verbrauchern die Einhaltung bestimmter ökologischer und sozialer Mindeststandards in der Waldbewirtschaftung. Produkte aus FSC-Holz gibt es inzwischen in vielen Baumärkten und Möbelhäusern, selbst die Holzfasern im Postkarten- und Briefumschlagpapier der Deutschen Post stammen aus FSC-Flächen.
Vom Wind geformter Küstenwald auf dem Darß im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.
Unter anderem bei einer vom NABU mit veranlassten Kontrolle im März dieses Jahres wurde festgestellt, dass auf der Halbinsel Darß in erheblichem Umfang Eichen gefällt und zu Brennholz und Pfählen verarbeitet wurden, obwohl dort seit September 2005 kein Laubholz mehr geschlagen werden darf. Außerdem wurden in der besonders geschützten Kernzone amerikanische Roteichen gepflanzt. Mit Küchenabfällen und auf Wildäckern wird Wild zur Jagd angelockt. "Auf dem Darß werden seit Jahren fundamentale Regeln missachtet" kritisiert Stefan Schwill, Landesvorsitzender des NABU Mecklenburg-Vorpommern. "Diese Zustände sind unhaltbar für einen Nationalpark."
Spätestens mit der Vergabe des FSC-Siegels im Jahr 2003 hätte die Nationalpark-Förster ihre Wirtschaftsweise umstellen müssen. Da dies aber offensichtlich nicht geschehen ist, hat das zuständige Prüfunternehmen GFA Consulting Group das Zertifikat des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Mecklenburg Vorpommern zum 11. Mai suspendiert. Von der Suspendierung sind neben der Vorpommerschen Boddenlandschaft auch die Nationalparke Jasmund und Müritz betroffen, da das Land diese Wälder gemeinsam zertifizieren ließ.
Jagdschneise mitten im Nationalpark.
Gleichzeitig mit der Suspendierung erhielt der Landesforst eine Liste mit Korrekturmaßnahmen. Werden diese Korrekturmaßnahmen erfüllt, könnte das Zertifikat wieder eingesetzt werden. In einer ersten Reaktion vereinbarten des Landwirtschafts- und das Umweltministerium jetzt, dass in den betroffenen Wäldern kein Laubholz mehr geschlagen werden darf, dass aus Verkehrssicherungsgründen gefälltes Totholz unaufgearbeitet an Ort und Stelle verbleibt und dass fremde Baumarten nicht gefördert werden dürfen.
All dies schreiben die bestehenden Richtlinien jedoch ohnehin bereits vor. Der NABU Mecklenburg-Vorpommern fordert von Schwerin, nun endlich diese Bestimmungen auch konsequent auf dem Darß durchzusetzen und zudem dort nun mit einer spürbaren Wildbestandsreduzierung zu beginnen.
Presseinfo des NABU Mecklenburg-Vorpommern
NABU-Hintergrundinfos und Fotos von März 2006
FSC-Newsletter zur Landeswald-Suspendierung
Beitrag erstellt am 15. Mai 2006.

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