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Hessen muss Streuobst besser vermarkten

Hessen muss Streuobst besser vermarkten

NABU-Experten verlangen Förderprogramm der Landesregierung

Apfelsortenschau


18. Juni 2010 – Der NABU-Bundesfachhausschuss (BFA) Streuobst und der NABU Hessen fordern die hessische Landesregierung auf, ein Förderprogramm zur Verbesserung der Streuobst-Vermarktung aufzulegen.

Im Vorfeld der 59. Tagung des BFA vom 18. bis 20. Juni in Niederkaufungen weisen die Streuobst-Experten darauf hin, dass es auf dem deutschen Getränkemarkt einen millionenfachen Missbrauch des ungeschützten Begriffs „Streuobst“ gäbe. „Keltereien, die Hochstamm-Obst getrennt erfassen und den Landwirten bei klaren Umweltstandards wie dem Verzicht auf synthetische Behandlungsmittel, faire Preise bezahlen, benötigen eine offensive und deutlich bessere Unterstützung durch die hessische Landesregierung. Nur so können sie sich mit ihren Streuobstgetränken auf dem Markt behaupten“, so Helene Helm und Dr. Markus Rösler, Sprecher des NABU-BFA Streuobst.

Das Förderprogramm solle dazu beitragen, dass künftig alle hessischen Mostereien faire Preise für Streuobst zahlten. „Genauso wie die Milchbauern zu Recht 40 Cent je Liter Milch fordern, bedarf es im Streuobstbau rund 20 Euro je Doppelzentner, um langfristig rentabel wirtschaften zu können“, so Rösler. Vorbildlich arbeiteten zum Beispiel die hessischen Keltereien Mayer-Schlichterle aus Burgwald, Gerths aus Reinhardshagen, Elm aus Flieden bei Fulda sowie Falter aus dem Odenwald, die für ihre Streuobstprodukte deshalb das NABU-Qualitätszeichen führen dürfen.

Die Streuobst-Experten des NABU begrüßen die Initiative des Landes zur Förderung der Agrobiodiversität im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie für Hessen. Die Projektsäule „Obst- und Gemüsegarten Hessen“ leiste einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Förderung der Obstsortenvielfalt in Hessen.

Im weltweiten Jahr der biologischen Vielfalt komme Streuobstwiesen eine besondere Bedeutung zu. „Mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten und rund 3.000 Obstsorten sind Streuobstwiesen Hot Spots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Sie unterliegen auch in Hessen einer starken Gefährdung durch Siedlungserweiterungen und Verbrachung. Vor diesem Hintergrund besitzen Maßnahmen für den Schutz und die naturverträgliche, möglichst rentable Nutzung dieser Lebensräume höchste Priorität und sind im Vergleich zu bisher deutlich auszubauen“, so Helm und Rösler. Eine Kernforderung des BFA Streuobst sei es, die Streuobstbestände in Hessen endlich flächendeckend zu kartieren, um die Schutzmöglichkeiten zu optimieren.

Die Tagungs-Teilnehmer befassen sich auch mit der EU-Richtlinie 2008/90 zur Obstsortenvermehrung und deren Umsetzung in Deutschland. Ein weiteres Thema sind die „Genbank Obst“ und der „Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt“, zwei Initiativen zum Erhalt der genetischen Vielfalt. „Wir begrüßen es, dass das Land Hessen zurzeit eine Obstsorten-Datenbank erstellt. Der Erhalt der genetischen Vielfalt ist ohne die Erfassung regionaltypischer Sorten nicht möglich“, erklärt Rösler. Der NABU-BFA Streuobst habe in Hessen schon in den 1990er Jahren durch Kartierungen von Lokalsorten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.

Der NABU-Bundesfachausschuss „Streuobst“ ist das einzige Gremium in Deutschland, das sich auf Bundes- und internationaler Ebene systematisch mit Fragen rund um den Streuobstbau beschäftigt. Mit dem Streuobst-Materialversand, Streuobst-Rundbrief, einer Liste der mobilen und stationären Mostereien, dem Streuobst-Qualitätszeichen sowie regelmäßigen international ausgerichteten Tagungen versteht sich der NABU-BFA-Streuobst als „Spinne im Netz“ der Streuobstaktivitäten in Deutschland und verbindet Verbraucher, Keltereien und Baumschulen, Politik und Wissenschaft.

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