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Beschämender Rückgang beim Streuobst

Beschämender Rückgang beim Streuobst

Minus 20 Prozent in 20 Jahren - Minister Hauk muss Trend umkehren

Sonnenaufgang Obstwiese


26. November 2009 - „Fast schon eine Bankrotterklärung für die Naturschutzpolitik des Landes der letzten Jahre und Jahrzehnte“– so wertet der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann den Rückgang der Streuobstbestände Baden-Württembergs um rund 20 Prozent seit 1990. Damit bleiben nur noch 130.000 Hektar übrig. Nach Angaben des NABU gab es von 1951 bis 1990 bereits einen Rückgang um rund 65 Prozent. „Damit wurden in Baden-Württemberg als Kernland des Streuobstbaus in Europa bereits weit über 70 Prozent und damit rund 300.000 Hektar Streuobstbestände vernichtet – das ist aus nationaler und internationaler Sicht beschämend“, kommentiert der Sprecher des NABU-Bundesfachausschuss Streuobst, Dr. Markus Rösler, die Entwicklung.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Ökosystemen Europas. Rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden hier ihren Lebensraum. Baden-Württemberg trägt als Kernland der Streuobstwiesen die Hauptverantwortung am Tafelsilber des europäischen Naturerbes. „Streuobstwiesen sind unsere Serengeti oder unsere tropischen Regenwälder“, so Baumann.

Wendehals

Streuobstwiesen sind artenreiche Biotope, auch der Wendehals ist dort zuhause.

Baumann und Rösler sehen dringenden Handlungsbedarf in der Agrar-, Naturschutz-, Verbraucher- und Raumordnungspolitik des Landes: „Seit 30 Jahren betont die Landesregierung die Bedeutung von Streuobstwiesen für Naturschutz, Tourismus und gesunde Lebensmittel wie Apfelsaft – und jedes Jahr gehen die Streuobstwiesen weiter zurück“, moniert Rösler den „Widerspruch zwischen Sonntagsreden und Alltagspolitik.“

Baumann fordert einen grundlegenden Wechsel in der Politik der Landesregierung: „Wir fordern Landwirtschaftsminister Peter Hauk auf, die europaweite Verantwortung Baden-Württembergs ernst zunehmen. Gute Ansätze sind das EU-Life-Projekt im Albvorland, die Aktivitäten zur Obstsortenerhaltung sowie die Unterstützung des Streuobst-Apfelsaftschorle-Projektes. Besonders kritisch ist die seit Jahrzehnten ausufernde Bebauung von Streuobstwiesen. Hier muss die Landesregierung dringend gegensteuern, indem sie Streuobstwiesen unter Schutz stellt.“

Der NABU fordert von der Landesregierung, im Rahmen des geplanten „Aktionsprogramms Streuobst“ umfassende und konkrete Vorschläge vorzulegen: „Wir messen die Landesregierung daran, ob die Anzahl der Hochstamm-Obstbäume weiter abnimmt oder ob es ihr gelingt, das vom Kabinett von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier 2008 verabschiedete Ziel von zehn Prozent mehr Streuobstwiesen zu erreichen“, so Rösler. „Die Landesregierung muss die Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie erfüllen“, erklärt Baumann. „Unterschutzstellung anstelle Bebauung sowie eine bessere Vermarktung von Streuobstprodukten anstelle von Bewerbung von Plantagenobst.“

mehr Streuobstbroschüre des Landes Baden-Württemberg von November 2009 (PDF)

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