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Feuerbrand in Biberach
Feuerbrand in Biberach
Keine Panik und kein Streptomycin - Hochstamm als Modell für die Zukunft
18. Juni 2008 -
"Seit knapp 40 Jahren leben wir in Deutschland mit dem Feuerbrand: Er ist nicht auszurotten und zu dem Antibiotikum Streptomycin gibt es nahezu gleichwertigen Ersatz", so Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschuss Streuobst anlässlich der Meldungen vom Feuerbrandbefall im Kreis Biberach.
Rösler weist darauf hin, dass Streptomycin in der EU seit 2004 nicht mehr zugelassen ist und nur im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung und da wiederum nur im Plantagenobstbau, nicht aber im Streuobstbau oder in Hausgärten eingesetzt werden darf. Imker, konventionelle und ökologische Obstanbauverbände, der NABU sowie die zuständigen Bundesbehörden und Bundesanstalten haben sich erst vor wenigen Monaten erneut auf eine "Nationale Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrandes ohne Antibiotika 2008 - 2012 geeinigt". Ersatzprodukte wie Candida sake und Blossom protect zeigen gegen das Feuerbrand-Bakterium Wirksamkeiten zwischen 62% und 89% und sind damit nahezu gleichwertig wie das hochproblematische Streptomycin. Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium hatte erst 2007 1.197 kg Honig aufkaufen müssen, der aufgrund des Streptomycin-Einsatzes oberhalb des gesetzlichen Richtwertes von 0,02 mg/kg mit Streptomycin belastet war.
Die Erfahrungen mit dem Feuerbrand aus Norddeutschland in den 1970er Jahren, aus der ehemaligen DDR in den 1980er Jahren und aus Süddeutschland in den 1990er Jahren zeigen laut den Streuobst-Experten des NABU, dass keine Panik beim Feuerbrand angesagt ist: Der Streuobstbau ist nicht gefährdet, wenngleich einzelne Sorten insbesondere bei den Birnen stark anfällig sind. Bei Hochstamm-Apfelbäumen hat sich gezeigt, dass diese den Erreger über den Winter "aussitzen" können und im Folgejahr kein Feuerbrandbefall mehr existiert.
Für den Niederstamm-Obstbau ist der Feuerbrand gleich in mehrererlei Hinsicht gefährlicher: Die "Unterlagen" M9 und M 26, die im Plantagenobstbau weit verbreitet sind, sind viel anfälliger als die im Hochstamm-Obstbau üblichen Sämlingsunterlagen. Und ein Rückschnitt ins gesunde Holz um einen halben Meter führt beim Niederstamm fast automatisch zur Rodung, während dies beim Hochstamm im Rahmen üblicher Schnittmaßnahmen sogar wünschenswert ist. "Ein weiterer Grund, in Zukunft wieder mehr auf Hochstamm-Obstbäume zu setzen, die aufgrund ihrer tiefer gehenden Wurzeln auch in künftig trockeneren Sommern besser für den Klimawandel gerüstet sind", so Rösler.

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