NABU.de Themen Siedlungsentwicklung, Bauen Darum geht's Positionspapier der Umweltverbände

Landschaftsverbrauch

Deutschland wird zubetoniert

Täglich gehen über 100 Hektar freie Landschaft verloren

Versiegelte Fläche

Täglich wird in Deutschland die Fläche von 200 Fußballfeldern Natur zubetoniert.

18. Mai 2006 Täglich wird in Deutschland die Fläche von 200 Fußballfeldern zubetoniert. Die Konsequenz: Böden werden versiegelt, Grundwasservorkommen beeinträchtigt, Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Jetzt haben sich erstmals 15 führende Naturschutz- und Umweltorganisationen - darunter der NABU - in einem gemeinsamen Positionspapier dazu geäußert und es der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug übergeben.

Noch immer werden mit erheblichen Mengen an Steuergeldern für Wohn- und Gewerbesiedlungen sowie Straßenbau auf der grünen Wiese finanzielle Altlasten von morgen geschaffen, die angesichts des Bevölkerungsrückgangs später niemand mehr unterhalten und bezahlen kann. Täglich verschwinden über 100 Hektar freie Landschaft durch Straßen, Parkplätze oder Neubauten - mit verheerenden Konsequenzen für Umwelt und Natur. Böden werden versiegelt und Grundwasservorkommen beeinträchtigt, während andererseits Hochwassergefahren zunehmen. Darüber hinaus wird die Landschaft immer mehr eingeschnürt, früher häufige Tier- und Pflanzenarten verschwinden immer mehr.

Leitfaden für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung

Leitfaden für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung

In dem Positionspapier werden Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, endlich konkrete Maßnahmen für eine ernsthafte Reduktion des Flächenverbrauchs zu ergreifen. Konkrete Anstöße dazu werden auch in einem im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz erstellten Handlungsleitfaden für Kommunen gegeben. Der 64-seitige kommunale Handlungsleitfaden mit dem Titel "Aktiv für Landschaft und Gemeinde!" richtet sich insbesondere an kommunalpolitisch interessierte Bürger, Ehrenamtliche der Orts- und Kreisverbände der Naturschutzverbände sowie an Bürgermeister, Ortsverwaltungen und Bauämter. Er wird zur Zeit von den Umweltverbänden im ganzen Bundesgebiet an ihre Mitglieder und an Interessierte verteilt.

In dem Leitfaden geben die Verbände zahlreiche Ratschläge, wie man sich vor Ort erfolgreich in die Stadtplanung und Siedlungsentwicklung einschaltet und beschreiben, wie die Kommunen ihre unverbaute Landschaft langfristig erhalten können.

Große Chancen für eine echte Trendwende sehen die Umweltverbände bei der Reform des Gemeindefinanzsystems, dem zentralen Bestandteil einer erfolgreichen Föderalismusreform. Erforderlich seien Anreize für einen sparsamen und effizienten Umgang mit der Fläche für Kommunen, Unternehmen, Bauleute und Eigentümer. Ein nachhaltiges Regierungsprogramm für diese Legislaturperiode sollte daher eine ökologische Reform der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und des kommunalen Einkommenssteueranteils umfassen. Eine solche Reform würde neue finanzpolitische Optionen auf Bundesebene bewirken, die Finanzkraft der Kommunen stärken und eine nachhaltige Siedlungsentwicklung unterstützen. Auch muss es nach Ansicht der Umweltverbände im Kern darum gehen, sich von der Wachstumsphilosophie im Planen und Bauen zu verabschieden. Stattdessen sollte auf Qualität und Effizienz gesetzt werden und vor allem konsequent zugunsten der innerörtlichen Bestandspflege und -entwicklung investiert werden.

Die Umweltverbände fordern in dem Positionspapier Bund, Länder und Kommunen dazu auf, ein in sich stimmiges Maßnahmenkonzept zum Flächensparen zu entwickeln. Von der Bundesregierung erwarten sie, dass der Bund den Anstoß dafür gibt und die koordinierende Rolle übernimmt. Dazu sagte Christian Unselt, NABU-Vizepräsident: "Was wir heute zuviel bauen, kostet uns auf Jahrzehnte hinaus viel Unterhalt. Die Städte müssen wieder lebenswert, und das Umland muss als Kulturlandschaft erhalten werden. Diese leicht einsichtige Erkenntnis verlangt weitsichtige Entscheidungen. Wir appellieren deshalb an die Verantwortung der Politiker".

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Landschaftsverbrauch zurückfahren - Gemeinsames Positionspapier der Umwelt- und Naturschutzverbände (PDF, 477 KB)
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