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Mahnwache für ausgestorbene Tiere
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Mahnwache für ausgestorbene Tiere und Pflanzen
NABU-Traueraktion zum Weltnaturschutzgipfel in Japan
14. Oktober 2010 -
Mit einer Mahnwache vor dem Brandenburger Tor haben NABU-Aktive kurz vor dem Weltnaturschutzgipfel im japanischen Nagoya der bereits zahlreichen ausgestorbenen Pflanzen und Tiere gedacht und vor dem weiter voranschreitenden Artensterben gewarnt. Großformatige Porträts verschwundener Tiere und Pflanzen, darunter Auerochse, Chinesischer Flussdelfin, Elfenbeinspecht und Szaferi-Birke, sollten die Politik daran erinnern, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, einen weltweiten Rettungsplan für die bedrohte Natur auf den Weg zu bringen. Taschentücher mit der Botschaft „Es ist zum Heulen“ und den Bildnissen der vermissten Tiere wurden an Passanten verteilt.
Europa muss vorangehen
Die Forderung „Stoppt das Artensterben“ richteten die NABU-Aktiven auch an Bundesumweltminister Röttgen und die EU-Umweltminister, die sich am heutigen Donnerstag in Luxemburg treffen, um ihre Verhandlungsposition für Nagoya festzulegen.
„Ursprünglich wollten die Staats- und Regierungschefs das Artensterben weltweit bis 2010 verlangsamen, in der EU sogar stoppen. Von diesem Ziel sind wir im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt weit entfernt. Wir erwarten, dass in Nagoya die Gräben zwischen Industrie- und Entwicklungsländern weiter geschlossen werden, wenn es um die Nutzung und Sicherung natürlicher Ressourcen geht. Deutschland muss gemeinsam mit den anderen EU-Staaten als Motor wirken, um die Verhandlungen voranzubringen. Ein Pokern bis zur letzen Minute zahlt sich nicht aus. Das hat das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen gezeigt“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke bei der Mahnwache.
Verbindliche Zusagen zum Schutz der biologischen Vielfalt
Zahlen und Fakten
Von den weltweit bekannten 5.490 Säugetierarten sind 78 ausgestorben oder existieren nur noch in Gefangenschaft, 1130 sind gefährdet.
Die Häufigkeiten von Arten hat weltweit seit 1970 um 40 Prozent abgenommen, die von Arten in Flüssen, Seen und Marschen sogar um 50 Prozent.
Jede achte Vogelart, und jede vierte Nadelbaumart sind weltweit vom Aussterben bedroht.
In Deutschland gelten knapp Zweitdrittel der Lebensräume für Tiere und Pflanzen als gefährdet.
In die Rote Liste der in Deutschland gefährdeten Arten wurden 2009 zahlreiche Wirbeltiere neu aufgenommen oder sind heute deutlich bedrohter als noch Ende der 90er Jahre, darunter ehemals häufige Vögel wie Feldlerche, Feldhamster, Waldschnepfe oder der Schwarzspecht.
Der NABU fordert von den Regierungen der Welt, auf der UN-Konferenz vom 18. bis 29. Oktober in Japan eine Strategie zur Rettung der biologischen Vielfalt und von Ökosystemen zu beschließen. Bis 2020 müsse eine Trendwende erreicht und ein Großteil der Lebensräume und Arten auf dem Weg der Erholung sein. Vor allem müssten die Industrieländer verbindliche Zusagen zum Schutz der biologischen Vielfalt machen. Deutschland und die anderen EU-Staaten müssten sich insbesondere bei der Bekämpfung der Biopiraterie stärker engagieren, um eine Einigung in Nagoya zu ermöglichen.
„Große Konzerne aus dem reichen Norden sichern sich Patente an Pflanzen und dem Anwendungswissen der viel ärmeren Entwicklungsländer, oft ohne um Erlaubnis zu fragen und ohne sie an den Profiten zu beteiligen. Diese Biopiraterie geschieht, obwohl die Biodiversitätskonvention dies seit 1992 im Prinzip verbietet. Deshalb muss in Nagoya ein rechtlich verbindliches Protokoll verabschiedet werden, um einen fairen Interessensausgleich zu schaffen. Auch müssen Klima- und Naturschutz stärker als bislang miteinander verzahnt werden“, so Jörg-Andreas Krüger, NABU-Fachbereichsleiter für Naturschutz und Umweltpolitik.
Der NABU appellierte an die Bundesregierung, glaubwürdig darzulegen, wie die von Bundeskanzlerin Merkel vor zwei Jahren gemachten Finanzzusagen nun eingesetzt werden sollen. Bis 2012 sollen zusätzliche 500 Millionen Euro und ab 2013 dann jährlich 500 Millionen Euro für den weltweiten Naturschutz zur Verfügung stehen. „Diese Gelder müssen vorrangig für Projekte zum Schutz der tropischen Regenwälder und für den Erhalt von Schutzgebieten eingesetzt werden. Die Studie über die ökonomische Bedeutung von Ökosystemdienstleistungen und Biodiversität TEEB hat nachgewiesen, dass für die Erhaltung der überlebenswichtigen Funktionen von Schutzgebieten weltweit jährlich etwa 45 Milliarden US-Dollar benötigt werden, während zur Zeit nur ein Bruchteil dieser Summe zur Verfügung steht“, so NABU-Präsident Tschimpke.
Für Rückfragen
Jörg-Andreas Krüger
Stellvertretender NABU-Bundesgeschäftsführer &
Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik
Tel. 30-284984-1601
Downloads
Liste der ausgestorbenen und gefährdeten Arten in Deutschland und weltweit (PDF)
Plakatmotive zur NABU-Mahnwache am 14. Oktober
Pressebilder zur NABU-Mahnwache am 14. Oktober
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