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Eine Allianz für Lieberose

Eine Allianz für Lieberose

Vom Truppenübungsplatz zum Naturparadies

Teerofensee Lieberose

Blick über den Lieberoser Teerofensee.


Über den ehemaligen Truppenübungsplatz der Roten Armee nördlich von Cottbus sind sich die Kenner des Gebietes schnell einig: Lieberose ist ein Naturparadies, eines der letzten in Deutschland.

Wiedehopf

Der Wiedehopf brütet auf Lieberose

Über den ehemaligen Truppenübungsplatz der Roten Armee nördlich von Cottbus sind sich die Kenner des Gebietes schnell einig: Lieberose ist ein Naturparadies, eines der letzten in Deutschland. Seine nationale Bedeutung erhält das Gebiet nicht nur aufgrund seines Reichtums an Wäldern aller Stadien, ausgedehnten Sandheiden, Mooren, Heideweihern und Klarwasserseen, sondern auch wegen seiner enormen Ausdehnung. Mit 27.000 Hektar war Lieberose eine der größten militärischen Liegenschaften in Mitteleuropa.

Sicherung durch Flächenkauf
Um dieses Paradies in Zukunft für die Natur zu sichern, hat der NABU zusammen mit unter anderem der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), dem WWF Deutschland und dem Brandenburgischen Umweltministerium am 16. Mai 2000 die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg gegründet, die die langfristige Unterhaltung und Pflege von Lieberose sowie des ehemaligen Übungsplatzes Jüterbog West gewährleisten soll.

Hochmoor

Hochmoor auf Lieberose

Der NABU hat es dabei übernommen, Teilflächen von Lieberose aufzukaufen und in die Stiftung einzubringen. Dieser Ankauf ist notwendig, weil die Brandenburgische Bodengesellschaft damit beauftragt ist, die vormals staatseigene Fläche zu privatisieren. Dadurch liegt die Gefahr nahe, dass Privatleute Eigentum auf Lieberose erwerben, die ganz andere Interessen als die Sicherung der Natur haben. 1999 wurde Lieberose deshalb zentrales Naturschutzprojekt anlässlich des 100. Geburtstag des NABU. Am Ende hatten die NABU-Mitglieder, die Gruppen und weitere Spender zusammen mehr als 750.000 Euro aufgebracht. Im Dezember 2002 konnte schließlich ein Kaufvertrag über 1.051 Hektar unterzeichnet werden.

Heiden, Moore und Sandwüste
Das reich gestaltete Landschaftsrelief auf Lieberose entstand während der frühen Weichsel-Eiszeit vor rund 150.000 Jahren und ist Teil des südlichsten und zugleich ältesten Jungmoränengebiet Norddeutschlands. Auf engstem Raum haben die Gletscher eine vollständige Serie eisgeformter Landschaftsformen geformt. In den hoch aufgeschütteten Moränen, eiszeitlichen Talrinnen und Sandern finden wir heute fast alle charakteristischen Biotoptypen einer norddeutschen Endmoränenlandschaft.

Trockener Birkenwald

Trockener Birkenwald

In über hundert Toteis-Senken konnten sich außerdem nahezu alle Varianten der mitteleuropäischen Tieflandmoore und Kleinseen ausbilden. Der nährstoffarme Sander beherbergt auf 3.500 Hektar eine der größten Zwergstrauchheiden Deutschlands und eine offene "Sandwüste", deren Ausdehnung auf 700 Hektar in Deutschland einmalig ist.

Entsprechend der Vielzahl an trockenen und feuchten Spezialstandorten ist auch die Tier- und Pflanzenwelt üppig ausgestattet. Auf Lieberose wurden bisher 534 Pflanzenarten nachgewiesen, von denen 142 als gefährdet gelten. Zu den floristischen Seltenheiten der Moore, Seen und Seggenriede gehören sechzehn vom Aussterben bedrohten Arten, darunter Blasenbinse, Braunes Schnabelried, Raue Armleuchterlage, sowie die Orchideenarten Sumpf-Weichwurz und Glanzkraut. Bemerkenswert sind weiterhin die Vorkommen von allen drei heimischen Sonnentauarten, Zwerg-Igelkolben, Faden- und Schlammsegge.

Große Offenflächen

Heide mit Vorwald

Heide mit Vorwald

Das Pflanzenkleid der schütter bewachsenen Sandflächen, Sandtrockenrasen und Zwergstrauchheiden wird bestimmt durch Silbergras, verschiedene Schwingelarten, Glocken- und Besenheide sowie Ginsterarten. Um die zentrale Offenfläche Lieberoses wachsen ausgedehnte Kiefernwälder, in die sich vereinzelt Moor- und Bruchwälder sowie naturnahe Eichen-Kiefern-Mischwälder verteilen. Am Rand der Offenlandbereiche haben sich Vorwaldstadien mit hohem Birkenanteil ausgebildet, die sich nun ungestört zu Naturwäldern entwickeln.

Bomben und Panzer als Landschaftsgestalter
Das heutige Landschaftsmosaik aus offenen Heiden, nackten Quarzsandflächen, Pionierwäldern und Kiefernforsten ist erst durch den militärischen Übungsbetrieb entstanden. Für Schießbahnen und Panzerfahrstrecken wurden Teile der einst lichten Kiefernwälder gerodet, die schüttere Vegetationsdecke über dem nährstoffarmen Quarzsand wurde durch Bombeneinschläge und Panzerketten immer wieder neu aufgerissen. Die Zauberwelt der vielfältigen Entwicklungsstadien auf Lieberose ist also nichts anderes als eine Reaktion der Natur auf unzählige Landschaftswunden.

Wolf

Wolf

Jetzt, ohne den Einfluss des Militärs, werden sich über lange Zeiträume hinweg wieder lichte Wälder aus Birken, Kiefern und Eichen aufbauen. Über den langfristig zu erwartenden Verlust der ausgedehnten Offenlandschaft kann die Erkenntnis hinweg trösten, dass naturbelassene Waldökosysteme mit ungestörten Alterungs- und Auflichtungsprozessen in Deutschland zu den seltensten Lebensräumen überhaupt zählen. Zudem wird sich ein Großteil der Lebensgemeinschaften der Heiden und Sandtrockenrasen auch unter dem lichten Kronendach der Birken- und Kiefernwälder halten können. Eingriffe in die natürliche Entwicklung sollen nicht erfolgen, Lieberose soll komplett als sogenannte Prozessschutzfläche geschützt werden.

Durch den früheren Übungsbetrieb ist Lieberose verständlicherweise stark von Munitionsresten durchsetzt, es führen zwar zahlreiche Wege durch das Gebiet, doch das Betreten der Flächen ist gefährlich. Mittelfristig soll aber Naturfreunden zumindest das Begehen auf Wegen im Rahmen von Führungen ermöglicht werden. Alte militärische Beobachtungsstände sollen renoviert und für Besucher hergerichtet werden.

Heimat von Raubwürger und Brachpieper
Aufgrund seiner Abgeschiedenheit hat das Gebiet für die Tierwelt herausragende Bedeutung als natürlicher Rückzugsraum, von dem aus eine Wiederverbreitung vieler Arten erfolgen kann. Aber auch als Zentrum für die Zuwanderung von Tierarten kann das Gebiet von Bedeutung sein - zum Beispiel für Wölfe, die gelegentlich aus Westpolen einwandern. Zur Säugetierwelt gehören auch Rothirsche, Fischotter und mehrere baumhöhlenbewohnende Fledermausarten.

Raufußkauz in Hand

Raufußkauz

Daneben ist Lieberose Brut- und Aufenthaltsgebiet von insgesamt 126 Vogelarten. Die Brutvogelwelt ist atemberaubend: Fisch- und Seeadler kommen ebenso vor wie der Wiedehopf, ein Dutzend Kranichpaare, Waldwasserläufer, Bekassine, Krickente und Schellente, Eisvogel und Rohrdommel, der Raubwürger in fünf Paaren, 15 bis 20 Brachpieper und nicht zuletzt 70 bis 80 Paare Ziegenmelker. 1999 wurden zudem erstmals mehrere Paare des Raufußkauzes festgestellt, die in den Kiefernwäldern ihren Nachwuchs großziehen.

Lieberose mit seiner Vielfalt an Mooren und trockenwarmen Lebensräumen beherbergt sechzehn Reptilien- und Amphibienarten, darunter eines der letzten Vorkommen der Östlichen Smaragdeidechse in Deutschland sowie eines der größten brandenburgischen Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Laubfroschs. Zu den seltenen Vertretern der Kriechtiere gehören außerdem Wechselkröte, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Kamm-Molch und Schlingnatter.

Biotopverbund mit dem Spreewald
Unter den 52 Libellenarten - das sind rund 80 Prozent des Artenbestandes in Brandenburg - finden sich auch sehr seltene Arten wie die Zierliche und die Östliche Moosjungfer, der Zweifleck und der Südliche Blaupfeil. Sie alle sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Erwähnenswert sind die Vorkommen weiterer gefährdeter Wirbelloser wie Großer Sandtarantel, Röhrenspinne, Moorbläuling, Mulmbock und Steppengrashüpfer.

See und Wald

Einer der zahlreichen kleinen Seen

Lieberose ist umgeben von weiteren wertvollen Naturgebieten. Wenige Kilometer südlich liegt zum Beispiel das 1060 Hektar große Feuchtgebiet Internationaler Bedeutung Peitzer Teiche, nahe im Osten liegt das Schlaubetal. Wichtigster Nachbar aber ist im Westen das Biosphärenreservat Spreewald. So brüten Großvogelarten wie die Fisch- und Seeadler zwar in Lieberose, ihre Nahrung fangen sie aber im Spreewald, weil die nährstoffarmen Kleinseen Lieberoses nicht genug hergeben. Auch die Reviere der Fischotter Lieberoses reichen bis tief in den Spreewald.

mehr Lieberose-Infos der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

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