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Intensiv-Nutzung lässt die Landschaft verarmen
Intensiv-Nutzung lässt die Landschaft verarmen
Laut neuer Roter Liste sind 72 Prozent aller Lebensraumtypen gefährdet
Moderne "Hochleistungswiesen" mit ihrem dichten und hohen Grasbewuchs sind ausgesprochen artenarm.
Rund 72 Prozent der 690 verschiedenen Lebensraumtypen in Deutschland sind im Rückgang begriffen oder sogar akut von der Vernichtung bedroht. So lautet kurgefasst das Ergebnis der neuen "Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen". "Das zeigt, dass die Anstrengungen zum Schutz der Arten- und Lebensraumvielfalt auf allen Ebenen fortgeführt werden müssen", so Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei der Vorstellung der Roten Liste in Berlin. "Der Verlust an Lebensräumen ist in vielen Fällen nicht oder nur mit großem Aufwand rückgängig zu machen. Sterben Tier- und Pflanzenarten aus, ist dies unwiderruflich."
Durch die Nationalparkausweisungen haben sich einige naturnahe Küstenlebensräume stabilisert.
In der ersten Fassung von 1994 wurden noch 68,7 Prozent der Biotoptypen als gefährdet eingestuft. Nun sind es 72,5 Prozent. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass durch die Überarbeitung des Biotopschlüssels die Anzahl der zu beurteilenden Typen bei den natürlichen und gefährdeten stärker zunahm als bei den ungefährdeten Biotoptypen.
Im Detail zeigt sich, dass es durchaus Erfolge gibt, wenn auch oft nur der Rückgang verlangsamt oder aufgehalten werden konnte. Sa haben sich dank der Nationalparke an der Küste naturnahes Salzgrünland, Dünengebüsche und andere Strandbiotopen stabilisiert. Auch bei den Flüssen und Bächen zeigen sich erste Erfolge bei der Stabilisierung von Auwäldern und Weidengebüschen. "Dies geschieht allerdings auf im Vergleich zur historischen Situation sehr niedrigem Niveau", betont das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Hier mache sich vor allem die Umsetzung des EU-Schutzgebietssytems Natura 2000 bemerkbar.
Einige Waldtypen konnten sich ebenfalls erholen. Allerdings droht neue Gefahr durch verschärfte Anforderungen zur Holzproduktion.
Schließlich gibt es auch bei einem Teil der Waldtypen wie naturnäheren Buchenwäldern und naturnäheren Wäldern der montanen und subalpinen Stufe ein Ende des Rückganges - ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau. "Durch die anhaltende Privatisierung staatlicher Wälder und den damit oft verbundenen Druck zur möglichst wirtschaftlichen Holzproduktion könnte hier jedoch Erreichtes wieder in Frage gestellt werden", warnt das BfN.
"Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es nach wie vor eine Vielzahl von Biotopen gibt, die hochgradig gefährdet sind und auch weiter zurückgehen. Es besteht somit weiterhin kein Grund zur Entwarnung", stellt BfN-Vizepräsident Rudolf Ley fest. "Durch den noch immer viel zu hohen Flächenverbrauch und durch ein weiteres Voranschreiten der Nutzungsintensität bei gleichzeitiger Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen in vielen Mittelgebirgsregionen hat sich die Situation insgesamt weiter verschlechtert."
Blumenreiche Magerrasen, Wiesen und Weiden sind besonders gefährdet.
35,2 Prozent, also gut ein Drittel aller Biotoptypen gingen in ihrem Flächenbestand weiter zurück. Dazu zählen vor allem halbnatürliche Kulturlandschafts-Biotope wie Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden sowie die blumenreichen Wiesen und Weiden der so genannten mittleren Standorte. "Durch die großen Meliorationen, den flächendeckenden Einsatz von Handelsdünger auch im Grünland, das umfangreiche Ausbringen von Gülle oder aber durch Umbruch und Neueinsaat sind diese einstmals typischen Grünlandbiotope vor allem im Flachland fast vollständig verloren gegangen", bilanziert das BfN. "Diese Typen genießen zudem nur unzureichenden gesetzlichen Schutz, so dass hier nach wie vor eine starke Gefährdung gegeben ist. In manchen Landstrichen muss ihre vollständige Vernichtung befürchtet werden."
Die artenreichen Streuobstwiesen fallen unverändert in die Kategorie "stark gefährdet". Vor allem mangelnde Pflege und die Ausweitung der Siedlungen bedrohen sie.
In die gleiche Kategorie "stark gefährdet" fallen die einst weit verbreiteten Streuobstwiesen. Nachdem in früheren Jahrzehnten bereits viele der hochstämmigen Obstwiesen zu Gunsten von niedrigstämmigen Intensiv-Obstplantagen gerodet wurden, stehen sie heute oft "der Erweiterung von Siedlungsflächen im Wege oder werden wegen ihrer geringen wirtschaftlichen Bedeutung nicht mehr gepflegt oder erneuert". "Im Ergebnis lösen sich die in vielen Gegenden typischen Streuobstbänder um die Dörfer auf", so das Bundesamt für Naturschutz.
Hintergrundinfo des Bundesamtes für Naturschutz (PDF)
Beitrag erstellt am 29. März 2007.

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