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Der NABU-Mehrweg-Guide

Der NABU-Mehrweg-Guide

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mehrweg und Pfand

Mineralwasser-Kasten mit PET-Mehrwegflaschen

Ist Mehrweg immer umweltfreundlicher als Einweg?
Mehrwegssysteme sind grundsätzlich umweltfreundlicher als Einwegssysteme, da die vielfachen Umläufe der Mehrwegsysteme ein Beitrag zur Schonung begrenzter Ressourcen sind. Je größer aber die Transportentfernung ist, desto geringer wird der ökologische Vorteil von Mehrwegverpackungen. Die kritische Grenze liegt hier bei etwa 750 Kilometer.

Das Umweltbundesamt hat umfangreiche Ökobilanzen zu den im deutschen Markt vorhandenen Getränkeverpackungen durchgeführt und mit Ausnahme des Getränkekartons deutliche ökologische Vorteile der Mehrwegsysteme gegenüber Einwegsystemen wiederholt festgestellt.[1] In den Ökobilanzen sind der jeweilige gesamte Energie- und Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen Umweltbelastungen (z.B. Treibhauseffekt, Sommersmog, Ressourcenbeanspruchung und Versauerung) von der Gewinnung von Rohstoffen und Produktion über Leerguttransport und Reinigung von Mehrwegflaschen bis zur Entsorgung und Verwertung berücksichtigt.

Die Getränkedistribution trägt zu einem erheblichen Maße zu den Ergebnissen der Ökobilanz bei. Im Hauptszenario wurde bei Mehrwegsystemen eine Transportentfernung von 193 Kilometer gewählt, bei Einwegverpackungen von 249 Kilometer. Die kurzfristig erwarteten Verbesserungen im Verkehrsbereich hinsichtlich Treibstoffverbrauch und Schadstoffausstoß werden bei den untersuchten Mehrwegsystemen zu erheblich geringeren Umweltbelastungen führen, während sie bei den Einwegsystemen praktisch keinen nennenswerten Effekt bewirken.

PET-Bierflaschen

Bierflaschen aus PET

Sind Mehrwegflaschen aus Glas immer besser als Mehrwegflaschen aus PET?
Nein, die Ökobilanzen zeigen, dass die bestehenden PET-Mehrwegsysteme gegenüber den bestehenden Glas-Mehrwegsystemen aus Umweltsicht vorzuziehen sind. Ein wichtiger Grund dafür ist das deutlich geringere Gewicht der PET-Flaschen.

Wenn die Umweltbelastungen hinsichtlich des Transports gewichtsbedingt bei Glasflaschen größer sind als bei PET-Flaschen, warum sind dann nicht auch PET-Einwegflaschen besser als Glas-Mehrwegflaschen?
Mehrweg-Glasflaschen werden bis zu 50 Mal befüllt. So werden gegenüber der Herstellung neuer PET-Einwegflaschen Energie und Ressourcen eingespart, die die höheren Umweltbelastungen beim Transport deutlich aufwiegen.

Wie oft werden die Mehrwegflaschen wiederverwertet?
Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von bis zu sechs Jahren werden Mehrwegflaschen aus Glas bis zu 50 Mal wieder befüllt. Während dieser Lebensdauer ersetzt eine Mineralwasserflasche fast 100 Dosen. PET-Mehrwegflaschen werden bis zu 25 Mal wiederbefüllt.

Sind alle Einwegverpackungen in gleichem Maße umweltbelastend?
Nein, es gibt unter den Einwegverpackungen durchaus große Unterschiede. Zwischen den bestehenden Glas-Mehrwegsystemen und Getränkekarton-Einwegsystemen lässt sich z.B. kein ökologischer Vor- oder Nachteil erkennen. Die Hauptgründe für die positive Bilanz des Getränkekartons sind die hohen Recyclingquoten (nach ihrer Nutzung werden ca. 65 Prozent der Getränkekartons über die gelben Tonnen oder Säcke erfasst und einer Verwertung zugeführt) und das geringe Gewicht der Kartons.

Nach §3(4) der Verpackungsverordnung sind folgende Einweggetränke-verpackungen als ökologisch vorteilhaft eingestuft. Auf diese Einweggetränkeverpackungen muss deshalb auch kein Pfand erhoben werden:
- Getränkekartonverpackungen (Blockpackung, Giebelpackung),
- Getränke-Polyethylen-Schlauchbeutel-Verpackungen und
- Folien-Standbodenbeutel.

Altglas in Container

Altglas in Container

Sind alle bepfandeten Flaschen Mehrweg?
Nein, mit dem Inkrafttreten der Pfandpflicht am 1. Januar 2003 wird auch Pfand auf Einweg-Getränkeverpackungen gehoben. Seit dem 28. Mai 2005 ist das Pfand auf ökologisch nicht vorteilhafte Einwegverpackungen mit einem Füllvolumen von 0,1 Liter bis 3 Liter abgefülltes Bier, Mineralwasser sowie Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure zu erheben. Ab dem 1. Mai 2006 gilt die Pfandpflicht auch für Erfrischungsgetränke ohne Kohlensäure und alkoholische Mischgetränke (sog. Alkopops). Die Tatsache, dass Flaschen im Kasten verkauft werden, ist ebenfalls keine Garantie, dass es sich um ein Mehrweg-System handelt.

Sind alle Glasflaschen Mehrweg?
Nein, es gibt Glasverpackungen, die keine Mehrwegverpackungen sind. Diese Flaschen werden - wie Dosen - nicht wiederbefüllt, sondern einfach zurückgenommen, eingeschmolzen und in der Glasproduktion als sekundärer Rohstoff wieder eingesetzt. Aufgrund der hohen Schmelztemperaturen für Glas, ist der Energieaufwand für die Herstellung einer Glasverpackung groß. Dieser hohe Energieaufwand relativiert sich natürlich deutlich, wenn Glasflaschen nicht nach einmaligem Gebrauch eingeschmolzen, sondern mehrfach genutzt werden. Aus ökologischer Sicht sind Mehrweg-Glasverpackungen deshalb deutlich vorteilhafter als Einweg-Glasverpackungen.

PET-Flasche

Sind alle PET-Flaschen Einwegsflaschen?
Nein, es gibt PET-Flaschen, die Mehrweg-Flaschen sind. Es gibt drei Kategorien von Plastikflaschen, die alle aus PET hergestellt sind und somit als PET-Flaschen bezeichnet werden.

1. PET-Mehrweg mit Pfand
Genau wie bei Glasflaschen haben die PET-Mehrwegflaschen einen Pfand und werden wiederbefüllt. Bei den Mehrwegflaschen ist das Wort "Mehrweg" direkt auf die Flasche geprägt.

2. PET-Einweg mit Pfand
Bepfandete PET-Einwegflaschen werden zurückgenommen, aber nicht noch einmal als Flaschen benutzt und dürfen deshalb nicht mit einem Mehrwegsystem verwechselt werden. Zu den bepfandeten PET-Einwegflaschen gehört auch die sogenannte Rücklaufflasche. Die Rücklaufflaschen werden im Mehrwegkasten distribuiert und die damit verbundene Logistik entspricht der eines Mehrwegsystems. Die leeren PET-Flaschen gelangen sortenrein zum Abfüller zurück wo sie einer hochwertigen Verwertung zuführt werden. Z.B. beim PET-Cycle-System wird ein Teil des PET-Rezyklates wieder zur Flaschenherstellung eingesetzt.

3. PET-Einweg ohne Pfand
Auch unbepfandete PET-Einwegflaschen werden, wie der Name schon sagt, nur einmal als Flasche benutzt bevor sie i.d.R. über die gelbe Tonne/den gelben Sack entsorgt werden.

Mehrweg-Logo

Wie erkenne ich eine Mehrwegflasche?
Folgende Tipps helfen, Mehrwegflaschen zu erkennen:

1. Auf Mehrwegflaschen steht i.d.R. auf der Flasche das Wort "Mehrweg"; das gilt sowohl für Glas- als auch für PET-Flaschen.

2. Auf Mehrwegflaschen ist das Pfand niedriger als für Einwegflaschen; i.d.R. 8 oder 15 Cent statt 25 Cent.

Umweltengel

3. Weitere Hilfestellung bieten die Umweltzeichen "Der Blaue Engel" und "Mehrweg - Für die Umwelt" (siehe rechts). Flaschen, auf deren Etikett eines der Logos (oder beide) zu finden ist, gehören definitiv zu Mehrweg-Systemen. Nicht alle Mehrwegflaschen sind allerdings mit den Logos gekennzeichnet.

Für welche Getränkeverpackungen gilt die Pfandpflicht?
Pfandpflichtig sind ökologisch nicht vorteilhafte Einweg-Getränkeverpackungen (Definition siehe oben) mit einem Füllvolumen von 0,1 bis 3 Liter in folgenden Getränkebereichen:

Bier
Bierhaltige Getränke einschließlich Biermischgetränke. Dazu zählen auch alkoholfreies Bier, Mischungen von Bier mit Cola oder Limonade, Bier mit Sirup (wie Berliner Weiße mit Schuss), Bier mit einem anderen alkoholischen Getränk (zum Beispiel Bier mit Wodka) oder aromatisiertes Bier (z.B. Bier mit Tequila-Aroma). Auf die Einhaltung des Reinheitsgebots kommt es nicht an.

Mineralwasser
Alle Wasser-Getränke, also Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure, Quellwasser, Heilwasser, Tafelwasser und sog. "Near Water-Produkte", d.h. Wasser, das mit Fruchtkonzentraten, Kräuterextrakten, Vitaminen, Mineralien, Koffein, Sauerstoff etc. in Konzentrationen von wenigen Prozent versetzt ist.

Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure
Kohlensäurehaltige Getränke, die keine oder nur sehr geringe Mengen Alkohol enthalten. Hierzu gehören neben Cola und Limonaden auch Mischungen von Fruchtsaft und kohlensäurehaltigem Mineralwasser (wie Apfelschorle) sowie Sportgetränke, sog. Energy-Drinks, Tee- oder Kaffeegetränke, Bittergetränke und andere Getränke mit Kohlensäure

Ab 1. Mai 2006 werden darüber hinaus folgende Getränke pfandpflichtig, sofern sie nicht in ökologisch vorteilhaften Einweg-Getränkeverpackungen abgefüllt sind:

Erfrischungsgetränke ohne Kohlensäure
Einschließlich Mischungen von Fruchtsaft oder Tees und kohlensäurefreiem Mineralwasser sowie Sportgetränke, sog. Energy-Drinks und Tee oder Kaffeegetränke ohne Kohlensäure.

Alkoholhaltige Mischgetränke
Getränke, die unter Verwendung von Branntwein, Fermentationsalkohol aus Bier, Wein oder weinähnlichen Erzeugnissen hergestellt werden und einen Alkoholgehalt von weniger als 15 vol. % aufweisen sowie Getränke, die einen Anteil an Wein oder weinähnlichen Erzeugnissen, auch in verarbeiteter Form, von unter 50% enthalten.

Dosen im Regal

Für Dosen müssen 25 Cent Pfand bezahlt werden.

Warum muss ich 25 Cent Pfand für eine Flasche bezahlen und nur 15 Cent für eine andere?
Das Pfand beträgt einheitlich für alle pfandpflichtigen Einweg-Getränkeverpackungen 25 Cent.
Das Pfand auf Einweg-Verpackungen ist damit höher als das übliche Pfand auf Mehrweg-Verpackungen. So wird eine Dose Bier mit 25 Cent bepfandet, eine Mehrweg-Flasche Bier aber nur mit 8 Cent. Ähnliches gilt für Mineralwasser in 1 Liter Flaschen: das Einweg-Pfand beträgt 25 Cent, das Mehrweg-Pfand nur 15 Cent.

Warum kann ich nicht eine Flasche, die ich bei Lidl gekauft habe, beim Getränkemarkt abgeben?
Grundsätzlich kann man Einweg-Getränkeverpackungen bei allen Händlern zurückgeben, die solche Getränke in gleichartigen Einweg-Verpackungen verkaufen. Vertreibt aber ein Händler exklusiv eine spezifische Verpackung, die sich nach Art, Form oder Größe von anderen Gebinden unterscheidet, muss er bis zum 30. April 2006 auch nur diese Art von Verpackungen zurücknehmen.

Die großen Discounter wie z.B. Aldi, Lidl und Plus vertreiben in der Regel keine Markenprodukte, sondern nur firmeneigene Getränke, für die sie spezielle, an der Form erkennbare Flaschen entwickelt haben. Die Flaschen werden nur vom jeweiligen Discounter verkauft und können bis zum 30. April 2006 auch nur dort zurückgegeben werden. Diese sogenannten "Insellösungen" funktionieren bundesweit. Das heißt: Aldi-Flaschen können bis zum 30. April 2006 bundesweit nur bei Aldi, Lidl-Flaschen bundesweit nur bei Lidl usw. zurückgegeben werden.

Ab 1.5.2006 können leere pfandpflichtige Einwegflaschen und Dosen überall dort zurückgegeben werden, wo pfandpflichtige Einweg-Getränke verkauft werden. Ab diesem Zeitpunkt wird nur noch nach dem Material, also Plastik, Glas oder Metall, unterschieden. Das heißt, der Händler, der pfandpflichtige Plastik- und Glas- Einweggetränkeverpackungen verkauft, ist zur Rücknahme von Plastik- und Glasverpackungen sowie zur Pfanderstattung verpflichtet, ohne Rücksicht darauf, wo diese gekauft wurden. Verkauft er aber keine Getränke in Dosen, ist er auch nicht zur Rücknahme von Dosen verpflichtet.

Geschäfte mit einer kleinen Verkaufsfläche (unter 200 Quadratmeter) müssen auch nach dem 1. Mai 2006 nur die Einweg-Verpackungen der Marken zurücknehmen, die sie in ihrem Angebot haben. [2]

Wie groß ist der Mehrweganteil im Getränkemarkt?
Die Tendenz der Mehrwegquote für Getränkeverpackungen ist seit Jahren deutlich abnehmend (siehe Tabelle in der Anlage). Dies ist u.a. eine Folge der erheblichen Zunahme des Getränkeverkaufs in Einweg-Verpackungen durch die großen Discounter. Insgesamt wurden in Deutschland im ersten Quartal 2005 rund 44% der alkoholfreien Getränke, 56% des Mineralwassers und 58% der Erfrischungsgetränke mit Kohlendioxid in Glas- und PET-Mehrwegflaschen in Verkehr gebracht. [3]

Die folgenden Abbildungen zeigen die Veränderungen im Wassermarkt. [3]

Tabelle Mehrweganteile

Mehrwegquote Wassermarkt

Veränderungen im Wassermarkt


Worauf soll ich bei der Getränkewahl achten?
Folgende vier Punkte helfen, eine umweltbewusste Getränkewahl zu treffen:

1. Bevorzugen Sie regionale Produkte
Transporte tragen in erheblichem Maße zu den gesamten Umweltbelastungen eines Getränkes über seine gesamte Produktdauer bei. Durch den Konsum von Mineralwasser, Bier oder Saft aus der Region schont man zum einen die Umwelt und fördert zum anderen seine Region wirtschaftlich.

2. Greifen Sie zu Mehrwegflaschen
Mit Mehrweg ist man aus Umweltschutzsicht immer auf der sicheren Seite. Unter den Mehrwegsystemen hat PET gegenüber Glas Umweltvorteile.
Alle befandeten Flaschen gehören nicht automatisch zu Mehrwegsystemen. Das Einwegpfand beträgt einheitlich 25 Cent, das Mehrwegpfand liegt mit 8 oder 15 Cent immer niedriger. Achten Sie auch auf Umweltzeichen auf dem Etikett. Das Logo "Mehrweg - Für die Umwelt" und der "Blaue Engel" helfen Ihnen zu einer umweltbewussten Getränkewahl.

3. Wenn Einwegverpackungen mal doch nicht vermieden werden können - achten Sie auf Verpackungsart und Transportentfernung
Aus Umweltsicht sind Kartonverpackungen ähnlich wie Mehrwegsysteme zu bewerten. Diese Bewertung gilt allerdings nur, wenn die Transportentfernungen in der gleichen Größenordnung sind; die UBA-Ökobilanz für Getränkeverpackungen ist z.B. von Transportentfernungen in der Höhe von 193 Kilometer für Mehrwegsystemen und von 249 Kilometer für Einwegverpackungen ausgegangen.[1]

Auch Polyethylen-Schlauchbeutel-Verpackungen und Folien-Standbodenbeutel zählen nach der Verpackungsverordnung als ökologisch vorteilhafte Einwegverpackungen.

Getränke in Einwegverpackungen werden oft über sehr weite Strecken transportiert, was die ökologischen Vorteile dann ggf. zunichte macht. Schließlich sind die genannten Einwegverpackungen natürlich nur dann ökologisch vorteilhaft, wenn sie nach dem Gebrauch getrennt gesammelt und recycelt werden.

4. Vermeiden Sie auf jeden Fall Einweg-Glasflaschen und Dosen
Die Umweltbelastungen durch Einweg-Glasflaschen und Dosen, gleichgültig ob aus Aluminium oder Weißblech, sind u.a. aufgrund des hohen Energieverbrauchs in der Herstellung erheblich höher als bei Mehrwegsystemen und ökologisch vorteilhaften Einwegverpackungen wie z.B. Getränkekartons. Auch im Vergleich mit anderen Einwegsystemen, wie z.B. PET-Einwegverpackungen, schneiden Einweg-Glasflaschen und Dosen unabhängig vom Transportweg und den Recyclingquoten aus ökologischer Sicht deutlich schlechter ab.

Quellen
[1] Ökobilanz für Getränkeverpackungen Phase 2, UBA. (2002). UBA-Texte 51/02
[2] Fragen und Antworten zum "Dosenpfand", BMU (Stand Juli 2005)
[3] Verpackungsstruktur, GfK Gruppe. (2005).

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Tel. 030. 28 49 84 -16 10
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