NABU.de Themen Landwirtschaft Forderungen für eine naturverträgliche Landwirtschaft

Keine Abschaffung der Flächenstillegung

Mehr Platz für Lerche, Hase und Rebhuhn

NABU kritisiert Beschluss zur Abschaffung der Flächenstilllegung

Feldlerche

Durch weniger Flächenstillegung geht den Feldlerchen wichtiger Lebensraum verloren.

27. September 2007: Der NABU hat den aktuellen Beschluss der EU-Agrarminister scharf kritisiert, die obligatorische Flächenstilllegung ab sofort auszusetzen. "Die Flächenstilllegung schafft in vielen Ackerbauregionen die letzten ökologischen Rückzugsräume und ist für zahlreiche Tierarten wie Feldhasen, Rebhühner und Feldlerchen unverzichtbar", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Eine ersatzlose Abschaffung der Stilllegungspflicht hat einen weiteren Verlust der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft zur Folge und widerspricht damit massiv den EU-Zielen zum Stopp des Artenrückgangs in Europa.

Rebhühner

Auch die gefährdeten Rebhühner profitieren von der Flächenstilllegung.

"Über eine Abschaffung der obligatorischen Flächenstilllegung kann man erst nachdenken, wenn ein funktionierendes System geschaffen worden ist, das den Landwirten ermöglicht, vergleichbare Lebensräume zu schaffen und dauerhaft zu erhalten", so Miller. Die bestehenden Stilllegungsflächen, immerhin fast vier Millionen Hektar Ackerfläche in der EU, sind ein wertvoller Beitrag der Landwirtschaft zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt. Nach Auffassung des NABU sollte das bisherige Instrument der Flächenstilllegung durch eine "Ökologische Flächenstilllegung" ersetzt werden, mit der konkrete Beiträge für Umwelt und Artenvielfalt in Ackerbauregionen geleistet werden können. Der NABU hat in einem Positionspapier Möglichkeiten dazu aufgezeigt. Auch eine Stärkung des Vertragsnaturschutzes kann Abhilfe schaffen.

Der NABU appellierte an Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer und Bundesumweltminister Gabriel, sich dafür einzusetzen, dass ökologische Rückzugsräume auch zukünftig einen wirksamen Beitrag zur Begrenzung des Artenschwundes leisten können. "Praxistaugliche Vorschläge liegen auf dem Tisch, sie müssen jetzt umso dringender umgesetzt werden", so Miller.

Positionspapier Flächenstilllegung (PDF, 160 KB)

Landwirtschaft macht Osterhasen zu schaffen

Stilllegung von Flächen hilft Feldhasenbestände zu sichern - Länder in der Pflicht

Feldhase

6. April 2007: Unser "Osterhase", der Feldhase, hat zunehmend unter den negativen Folgen der intensiven Landwirtschaft zu leiden. Großflächiger Anbau von Monokulturen wie Energiemais und der Mangel an deckungsreichen Fluren zerstört nicht nur seine natürlichen Lebensgrundlagen, sondern bedroht insbesondere bei früher Mahd von Grünland auch das Leben unseres liebsten Ostergastes. Die Verarmung an Landschaftsstruktur wirkt sich dabei gleich mehrfach auf die Feldhasen-Population aus. Durch das Fehlen an Deckung sind Hasen nicht nur den Witterungsbedingungen stärker ausgesetzt, sondern auch für Beutegreifer leichter zu entdecken.

Da Hasen sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern ernähren, führt die intensive Landwirtschaft auch zu einem Mangel an Nahrungsqualität und -quantität. "Insbesondere im großflächigen Anbau von Mais für die Biogasnutzung liegt für den Feldhasen ein großes Risiko, da die Äcker vor allem im Frühjahr wenig Deckung und Äsung bieten", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Auch wenn aufgrund des milden Winters Meister Lampe in diesem Jahr einen guten Start bekommen habe, bleibe sein Lebensraum gefährdet. Eine naturverträglich ausgestaltete Flächenstilllegung stelle dabei das wichtigste Mittel dar, um der Art ein dauerhaftes Überleben in der deutschen Agrarlandschaft zu sichern. Auf Brachen und Blühstreifen fühlt er sich am wohlsten. Der NABU fordert daher eine konsequente Integration solcher Flächen in die Agrarlandschaft, insbesondere in den Börderegionen, in denen sich der Hase langsam erholt.

Viele Bundesländer scheinen hier auf dem richtigen Weg, wenn sie sich mit der Ausrichtung ihrer Agrarumweltprogramme verpflichten, weitere Gelder zur Sicherung von Brachen und Blühstreifen bereitzustellen. "Jetzt ist jeder Landwirt aufgefordert, bei der Hilfe für den Feldhasen anzupacken und diese Mittel zu nutzen. Auch wenn sich künftig durch wärmere Winter die Bedingungen für den Hasen zu verbessern scheinen, der Lebensraum Acker ist weiterhin oft ein Alptraum für jeden Meister Lampe", so Tschimpke. Hier gilt es zu handeln und den Landwirten zu helfen, ihre Äcker für den österlichen "Eierboten" attraktiver zu machen. Daher appelliert der NABU an die Bundesländer, die sich bislang noch nicht entschieden haben Gelder für Buntbrachen bereitzustellen, dies umgehend nachzuholen.

Keine Abschaffung der Flächenstillegung

NABU fordert die Flächenstilllegung nach ökologischen Kriterien neu auszurichten anstatt sie abzuschaffen.

Feldhase

Stillgelegte Flächen bieten für viele gefährdeten Tierarten wie Rebhühner oder Feldhasen Lebensraum.

30. März 2007 Angesichts der fortlaufenden Debatte um eine Abschaffung der Flächenstilllegung appelliert der NABU an Agrarpolitiker in Brüssel und Berlin, die positiven Auswirkungen der Flächenstilllegung auf die biologische Vielfalt dauerhaft zu erhalten. "Die Flächenstilllegung schafft in vielen Ackerbauregionen die letzten ökologischen Rückzugsräume und ist gerade im Frühjahr für zahlreiche Tierarten wie Feldhasen, Rehe und Rebhühner unersetzlich", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Das Instrument der Flächenstilllegung wurde 1992 zur Mengenregulierung im Ackerbau eingeführt und hat sich seitdem oft zu einem wertvollen "Lebensraum auf Zeit" für die Natur entwickelt. Seit der EU-Agrarreform von 2003 wird die Stilllegung, die derzeit auf rund acht Prozent der Ackerflächen betrieben werden muss, jedoch zunehmend in Frage gestellt. Auch werden die Stilllegungsflächen immer häufiger zum Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wie Raps oder Mais genutzt und verlieren somit ihre ursprüngliche Funktion als Brache.

Nach Auffassung des NABU ist es gerade vor dem Hintergrund der liberalisierten Agrarpolitik und der steigenden Nachfrage nach Energiepflanzen wichtig, auch in Zukunft naturverträglich bewirtschaftete Brachen als Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Daher fordert der NABU, das bisherige Instrument durch eine "Ökologische Flächenstilllegung" zu ersetzen, mit der konkrete Beiträge für Umwelt und Artenvielfalt in Ackerbauregionen geleistet werden können.

Die Ökologische Flächenstilllegung solle als natürlich begrünte oder eingesäte Brache für ein oder mehrere Jahre angelegt werden. Ferner dürfe die derzeitige Nutzung von Stilllegungsflächen für nachwachsende Rohstoffe nicht mehr als 50 Prozent der stillgelegten Fläche eines Landwirts ausmachen. "Eine ökologische Neuausrichtung der Flächenstilllegung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Rückgang der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bis zum Jahr 2010 noch aufzuhalten", so Tschimpke.

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