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Biomasse als klimapolitische Zeitbombe
Biomasse als klimapolitische Zeitbombe
BirdLife-Studien: Weltweit verbindliche Standards für Produktion sind unverzichtbar
Rapsacker
29. Juni 2009 - Der NABU hat anlässlich der heute im Europäischen Parlament vorgestellten neuen Studien zu den Klima-Effekten der Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung sowie von Agrartreibstoffen erneut die Einführung verbindlicher Standards für deren Produktion eingefordert.
BirdLife International, der europäische Dachverband des NABU, das Europäische Umweltbüro (EEB) und Transport & Environment (T&E) hatten zwei Studien in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse heute in Brüssel vorgestellt wurden. Die erste Studie, durchgeführt von Joanneum Research (Österreich), brachte erhebliche Defizite in der Methodik zutage, nach der bisher die angeblichen CO2-Einsparungen durch die Nutzung von Biomasse aus Holz bilanziert werden, sowohl in der Europäischen Union als auch im Kontext der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls.
Maisacker
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die energetische Nutzung der Biomasse aus Holz problematisch sein kann. Durch die Verbrennung werde das im Holz über viele Jahre gespeicherte CO2 unmittelbar frei gesetzt wird. Im Ergebnis kann die Klimabilanz der Biomasse-Nutzung aus Holz schlechter sein als die Bilanz der durch sie zu ersetzenden fossilen Energieträger. Der NABU fordert daher eine Überprüfung der EU-Ziele für die Gewinnung von Energie aus Biomasse.
Die zweite Studie von CE Delft (Niederlande) untersuchte die gesamte Kette der Klimaeffekte der in Europa genutzten Agrartreibstoffe. Im Fokus standen dabei vor allem die Auswirkungen der Zunahme der landwirtschaftlichen Anbaufläche von Energie-Rohstoffen in ökologisch sensiblen Gebieten. Dieser Effekt, dass statt Nahrungsmitteln große Mais- oder andere Monokulturen für die Energieerzeugung angebaut werden, ist auch als indirekte Änderung der Landnutzung bekannt.
Die Studie, die die Ergebnisse mehrerer von der Europäischen Kommission beauftragter Forschungsprojekte und weiterer internationaler Studien auswertet, kommt zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung der Landnutzungsänderungen die meisten Agrartreibstoffe genau so schädlich für das Klima sind wie fossile Treibstoffe. So können Landnutzungsänderungen dazu führen, dass die Biomasse, die auf den Flächen angebaut und für energetische Zwecke genutzt wird, erst nach 200 Jahren zu einer positiven Klimabilanz führen.
Als Ergebnis der beiden alarmierenden Studien verlangt der NABU, diese Aspekte in der weiteren Bewertung der Bioenergienutzung zu berücksichtigen. Solange die Europäische Union sich weigert, die vollständigen Klima-Auswirkungen von Agrartreibstoffen zu berücksichtigen, sei ihre Klimastrategie für den Verkehrssektor zum Scheitern verurteilt. Die derzeitige EU-Politik für Biomasse und Agrartreibstoffe könne weltweit erhebliche ökologische Risiken nach sich ziehen. Schnell müssten nun Kriterien für den ökologisch verträglichen Anbau und die Nutzung von Energie aus Biomasse entwickelt werden, damit sich nicht die gleichen massiven Probleme wie bei den Agrotreibstoffen ergeben. Die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, die Mitgliedstaaten und die Industrie sind gefordert, die heute präsentierten Fakten zu berücksichtigen und die entsprechenden Kriterien zu entwickeln, damit die Nutzung von Biomasse und Agrartreibstoffen tatsächlich zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen können.
Für Rückfragen:
Carsten Wachholz
NABU-Klimaexperte
Tel. 030-284984-1617
Carsten.Wachholz@NABU.de
Alessia Pautasso
Communication & Media Officer bei BirdLife International
Tel. +32 (0) 2 541 07 81
mobil +32 494 542844
alessia.pautasso@birdlife.org
BirdLife-Studie “Bioenergy – a carbon accounting time bomb” (PDF)
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Biofuels Report von BirdLife
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