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Klimafolgen in der Natur
Klimafolgen in der Natur
Wie reagiert unsere Umwelt auf den Klimawandel?
Klimaveränderungen gab es schon immer, und immer konnte die Natur sich darauf einstellen. Was also ist jetzt anders? Was bedroht die Biologische Vielfalt? Ist es wirklich nur der Klimawandel?
In einer ohnehin schon stark belasteten Natur kommt der Klimawandel als weiterer Faktor hinzu.
Die wichtigsten Unterschiede zu früheren klimatischen Veränderungen sind der desolate Zustand, in dem sich die Natur in vielen Regionen bereits befindet und die Geschwindigkeit, mit der sich das Klima ändert. Wichtig bei der Frage, wie bedeutend die Veränderungen sind, ist aber auch die Abhängigkeit des Menschen von der Natur, in der er lebt. Denn auch die Menschheit ist nicht unbegrenzt anpassungsfähig und ist auf die Umwelt angewiesen, in der sie selbst sich seit Jahrtausenden entwickelt hat.
Doch zusätzlich zu der intensiven Landnutzung, der Verschmutzung und der Übernutzung natürlicher Ressourcen kommt nun eine weitere Menschen gemachte Belastung der Natur hinzu: Der rasante Klimawandel.
Die Temperaturen steigen weltweit, Klimazonen verschieben sich zu den Polen, die Verteilung von Niederschlägen ändert sich - und die Natur tut alles, um sich daran anzupassen. Das kann bedeuten, dass Arten ihren Lebensraum den Klimazonen hinterher in Richtung der Pole verschieben oder in größere Höhenlagen. Die steigenden Temperaturen führen aber auch dazu, dass sich die jahreszeitlichen Abläufe verschieben: Die Vegetationsperiode beginnt früher, charakteristische Ereignisse des Frühjahrs wie die Blütenentwicklung oder die Vogelbrut beginnen immer früher.
Farbenfroher Zuwanderer: der Bienenfresser
Verschiedene Arten, wie der Große Feuerfalter, der Bienenfresser oder die Gottesanbeterin erschließen sich erfolgreich neue Lebensräume in Deutschland. Wichtig ist dafür jedoch, dass sie großflächige und vernetzte Lebensräume vorfinden. Denn sonst bleiben auch geeignete Lebensräume unerreichbar. Der NABU hat deshalb im Bundeswildwegeplan die wichtigsten Konfliktpunkte zwischen einer vom Menschen unpassierbar gemachten Landschaft und der notwendigen Vernetzung und Bewegungsfreiheit in der Natur identifiziert. An solchen Punkten können zum Beispiel Grünbrücken Verbindungen zwischen getrennten Lebensräumen schaffen.
Für Arten, die an kühle Lebensräume angepasst sind, wird es dagegen immer enger. Denn viele sind bereits auf isolierte Standorte zurückgewichen und können nicht beliebig nach Norden wandern. Und der Weg in größere Höhen endet spätestens am Berggipfel.
Zusätzlich können solche Verschiebungen zu Problemen führen, wenn die Arten einer Lebensgemeinschaft unterschiedlich auf die Veränderungen reagieren.
Beim Trauerschnäpper, einem Zugvogel, der auch in Deutschland brütet, wurden deutliche Bestandsrückgänge beobachtet, weil er nicht mehr genug Futter für seinen Nachwuchs findet. Denn das wichtigste Futter sind Insektenlarven, die sich durch die steigenden Temperaturen immer früher im Jahr entwickeln. Der Zugvogel hat seinen Brutbeginn nach der Rückkehr aus den afrikanischen Winterquartieren dagegen nur wenig verschoben. So sind kaum noch Larven verfügbar, wenn der Nachwuchs sie braucht.
Auch die räumlichen Verschiebungen können zu ähnlichen Problemen führen: Wenn beispielsweise Insekten und ihre Futterpflanzen ihre Ausbreitungsgebiete unterschiedlich schnell und weit verlagern, dann können die Insekten ihre Nahrung und die Pflanzen ihre Bestäuber verlieren.
Solche Zusammenhänge bestimmen den Lebensraum für Arten genauso wie die Temperatur. Das Zusammenspiel aus der klimatischen Eignung eines Lebensraumes, der Erreichbarkeit dieses Lebensraumes und der Verfügbarkeit sämtlicher anderer Faktoren, die für eine Art überlebenswichtig sind (wie Futter, Bestäubung, Nährstoffe, Wasserverfügbarkeit etc.) kann also dazu führen, dass sich das tatsächliche Ausbreitungsgebiet und der Bestand einer Art schlechter entwickelt, als dies theoretisch denkbar wäre. Das Bundesamt für Naturschutz hält einen Verlust von zu 30% der in Deutschland heimischen Arten innerhalb der kommenden Jahrzehnte für wahrscheinlich - und nennt als Ursachen den Klimawandel gepaart mit dem hohen Zerschneidungsgrad der Landschaft und die ohnehin schon hohe Zahl gefährdeter Arten.
Ob heimische oder neu eingewanderte Arten: ihr Überleben hängt von einer Kombination vieler Faktoren ab, die sie entweder dadurch erreichen, dass sie einen neuen, geeigneten Lebensraum erschließen, der diese Bedingungen vollständig erfüllt oder sie sich selbst an neue Bedingungen anpassen. Doch die Anpassung benötigt Zeit, die der rasante Klimawandel kaum lässt - das Erreichen neuer Lebensräume hängt von einer vielfältigen und vernetzten Natur ab.
Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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