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Gletscherschmelze und Lebensraumschwund
Gletscherschmelze und Lebensraumschwund
Gebirge sind vom Klimawandel besonders stark betroffen
Alpine Lebensräume sind schwindende Rückzugsgebiete.
Beobachtungen und Modellrechnungen deuten gleichermaßen darauf hin, dass Gebirge zu den Lebensräumen gehören, in denen der Klimawandel sich am stärksten auswirken wird. So muss nicht nur in den Alpen mit einem Temperaturanstieg gerechnet werden, der weit über dem globalen Durchschnitt liegt.
In den Alpen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, wird dies auch drastische Auswirkungen für die Biologische Vielfalt der Region haben. Im 20. Jahrhundert ist die Durchschnittstemperatur in den Alpen bereits um 1,8 Grad Celsius angestiegen und damit mehr als doppelt so stark wie die Nordhalbkugel insgesamt. Im Laufe des kommenden Jahrhunderts ist ein weiterer Anstieg um zwei bis drei Grad Celsius schon jetzt kaum mehr zu vermeiden.
Für die alpine Natur, die auf kalte Lebensräume angewiesen ist, bedeutet dies eine große Gefahr, denn immer mehr Arten sind auf immer kleinere Rückzugsgebiete angewiesen. Die Vegetationszonen, so lässt die Studie erwarten, werden sich um 400 bis 700 Meter nach oben verschieben. Doch die Gipfel sind auch in den Alpen endlich. Für Schneefink oder Alpenschneehuhn sind die Aussichten daher nicht gut. Die Vorkommen werden immer weiter isoliert, so dass besonders solche Arten vom Aussterben bedroht sind, die nur in den Alpen vorkommen.
Aber auch die häufigsten Arten sind deutlich betroffen: Die Fichte wird als wichtigste Baumart Österreichs gleichzeitig dem Temperaturanstieg, zunehmender Trockenheit und der Ausbreitung von Schädlingen ausgesetzt sein wird. Bis in Mittelgebirgslagen hinein wird sie daher deutlich zurückgehen. Für andere Arten, die das Klima im Alpenraum bislang nicht tolerieren konnten, werden sich die Verbreitungsgebiete dagegen ausweiten. So findet sich am Südfuß der Alpen mittlerweile die nördlichste freiwachsende Palmenpopulation der Welt.
Weltweite Gletscherschmelze mit weitreichenden Folgen
In den Hochebenen Tibets und im Himalaya entspringen viele der großen Flüsse Asiens.
Ob in den Alpen, im Himalaya, in Afrika oder in den Anden, weltweit schreitet die Erwärmung in den Höhenlagen besonders schnell voran. Die Anstiegsrate auf dem Tibetischen Plateau beträgt derzeit 0,3 Grad Celius pro Jahrzehnt. Das ist mehr als doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Seit den Siebziger Jahren stieg die Durchschnittstemperatur in der Tibetischen Hauptstadt Lhasa von 7,7 auf 8,9 Grad Celius im Jahr 2000. Die Folgen für die Natur sind hier ganz ähnlich. Hinzu kommen aber auch dramatische Auswirkungen auf große Teile Chinas und Südostasiens, denn im Himalaya und dem Tibetischen Hochland entspringen große Flüsse wie der Jangtse, Ganges, Brahmaputra oder der Indus: Allein die 36.000 Gletscher auf dem Qinghai-Tibet Plateau sind in den vergangenen hundert Jahren um 30 Prozent geschrumpft. Stärkere Verdunstung und schwindende Niederschläge lassen zusätzlich das Grundwasser sinken, so dass bereits Feuchtgebiete und Grasländer bedroht sind.
Dass solche Veränderungen nicht gleichmäßig, sondern mitunter äußerst sprunghaft geschehen, belegt ein BBC-Bericht aus dem Süden Chiles. Steigende Temperaturen ließen dort innerhalb kürzester Zeit einen Gletschersee verschwinden, nachdem ein natürlicher Eisdamm gebrochen war. Übrig blieb ein leerer Krater. Gerade solche abrupten Ereignisse machen die Prognosen zu Klimafolgen in der Natur so schwierig.
Schmelzende Gletscher lassen den Meeresspiegel schneller ansteigen
Flache Küstenregionen sind besonders bedroht.
Die Gletscher und Eisschilde spielen allerdings auch eine andere wichtige Rolle, wenn es um die Folgen des Klimawandels geht: Ihr Schmelzen lässt den Meeresspiegel weiter ansteigen. Wie das Magazin Science berichtet, könnte dies sogar der wesentliche Faktor für den Anstieg in diesem Jahrhundert sein. Der UN-Klimabericht hatte sich mit Aussagen über das Verhalten der Eismassen noch sehr zurückgehalten. Doch eine internationale Forschergruppe kommt nun zu dem Ergebnis, dass das schnelle Schmelzen der Gletscher und kleinerer Eiskappen weitere 10 bis 25 Zentimeter zum Anstieg beitragen könnte.
Damit wäre es für 60 Prozent des Anstiegs verantwortlich, der dem Schmelzen von Eis insgesamt zugeschrieben wird. Bislang waren die größten Anteile vor allem den großen Eisschilden Grönlands und der Antarktis zugeschrieben worden. Wenn zusätzlich die Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung berücksichtigt wird, kommen die Forscher auf einen Anstieg von bis zu 97 Zentimetern in diesem Jahrhundert. Das hätte dramatische Folgen, leben doch weltweit über 100 Millionen Menschen unterhalb dieser Schwelle.
Bereits im Januar hatte der Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf in Science darauf hingewiesen, dass der UN-Klimabericht den zu erwartenden Anstieg des Meeresspiegels unterschätzen könnte. Nachdem er die bisher belegten Zusammenhänge zwischen Temperatur und Meeresspiegel betrachtet hatte, befürchtet er bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg um 0,5 bis 1,4 Meter gegenüber dem Niveau von 1990.
Hintergrundinformationen
Glaciers Dominate Eustatic Sea-Level Rise in the 21st Century
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Beitrag erstellt am 26. Juli 2007.

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