NABU.de Themen Klimaschutz Klima-Wissen Ist die Sonne an allem schuld?
Ist die Sonne an allem schuld?
Ist die Sonne an allem schuld?
Argumente gegen aktuelle Thesen der Klimaskeptiker
Entgegen der These Vahrenholts wird die abnehmende Sonnenaktivität die Erderwärmung kaum beeinflussen.
09. Februar 2012 -
„Die kalte Sonne“ – ein Buch, das den Einfluss von CO2 auf den Klimawandel bezweifelt – ist derzeit prominent in den Medien platziert. Die Bild-Zeitung druckt Auszüge ab und spricht von der „CO2-Lüge“, der „Spiegel“ widmet Fritz Vahrenholt, dem Autor des Buches, ein vierseitiges Interview. RWE-Manager Vahrenholt wird zum neuen Lautsprecher der Klimaskeptiker. Seine Botschaft: Die Klimakatastrophe findet nicht statt – wir werden alle hinters Licht geführt. Doch was ist dran an seinen Einsprüchen gegen den Bericht des Weltklimarats von 2007?
Die Hauptthese von der „kalten Sonne“ besagt, dass die Sonnenaktivität bis 2040 deutlich abnimmt und mit einem abgeschwächten Sonnenmagnetfeld einhergeht. Dieses Sonnenmagnetfeld hält kosmische Strahlung vom Eintreten in die Erdatmosphäre ab. Vahrenholt vertritt die Theorie, dass mehr kosmische Strahlung die verstärkte Bildung von Aerosolen und damit von Wolken in der Erdatmosphäre verursacht. In der Folge würde bis 2035 die globale Mitteltemperatur um bis zu 0,3 Grad Celsius sinken. Vahrenholts Argumentation basiert jedoch auf keinen eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen. Ob kosmische Strahlung für Wolkenbildung auf der Erde überhaupt verantwortlich ist, konnte bisher nicht bestätigt werden.
Keine Entwarnung beim Klimawandel
Die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre beschleunigt die Erderwärmung.
Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Klimaforschung wird die abnehmende Sonnenaktivität die Erderwärmung nur äußerst gering beeinflussen. Zuletzt haben Gareth S. Jones, Michael Lockwood und Peter A. Stott Anfang 2012 in einer Studie belegt, dass ein realistisch zu erwartender Rückgang der solaren Aktivität zu einer Minderung der globalen Erwärmung von gerade einmal 0,06 bis 0,1 Grad Celsius führt. Das bedeutet aber auch, dass insbesondere die parallel ansteigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre die Erderwärmung weiter beschleunigt und eventuell kühlende Faktoren mit Abstand überkompensieren. Im Ergebnis ist weiterhin mit einem dramatischen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mindestens drei bis vier Grad bis Ende dieses Jahrhunderts mit verheerenden Folgen für Menschen und Natur weltweit zu rechnen, wenn die bisherigen Anstrengungen im Klimaschutz nicht deutlich ausgeweitet werden.
Weiterhin kritisiert Vahrenholt, dass sich die Klimaforschung angeblich fast ausschließlich auf Kohlendioxid als Verursacher der Erderwärmung beschränkt. In der Klimaforschung wird darüber hinaus tatsächlich eine Vielzahl weiterer Faktoren berücksichtigt, unter anderem die Sonnenstrahlung, vulkanische Aktivitäten, Wasserdampf und die Auswirkungen von Aerosolen. Neben Methan und Lachgas als besonders schädliche Treibhausgase wird dem Kohlendioxid in der Klimaforschung deshalb eine zentrale Bedeutung beigemessen, weil es mit einer Verweildauer von rund 120 Jahren in der Atmosphäre besonders lange klimawirksam bleibt.
Deshalb haben wir entgegen der Botschaft von Vahrenholt eben keine Zeit beim Klimaschutz zu verlieren, da unser heutiger, viel zu hoher Kohlendioxid-Ausstoß über lange Zeit die Erderwärmung weiter antreiben wird. Alle Emissionen, die jetzt in die Atmosphäre gelangen, können wir nicht mehr zurückholen und damit auch nicht durch spätere Anstrengungen im globalen Klimaschutz ausgleichen.
Temperaturanstieg im Rekordtempo
Ist der Kipp-Punkt erreicht, steigen die Temperaturen zu schnell für Mensch und Natur an, um sich anzupassen.
Ein weiterer Unterschied zu globalen Temperaturschwankungen, wie sie in der Vergangenheit vorgekommen sind, ist die Geschwindigkeit, in der sich die aktuelle Erderwärmung vollzieht. Ein „tipping point“ oder auch Kipp-Punkt ist ein kritischer Schwellenwert, bei dessen Überschreitung sich das Klimasystem in einer extrem kurzen Zeit so drastisch verändert, dass sich Menschen und Natur nicht mehr darauf einstellen können. Solche Kippelemente können in bestimmten Regionen viel schneller erreicht werden, als ursprünglich von der Klimaforschung angenommen: Wenn beispielsweise Dauerfrost-Böden aufschmelzen, werden abrupt riesige Mengen des Klimagases Methan in die Atmosphäre freigesetzt. Dies hätte in Wechselwirkung mit den bereits erwähnten Klimatreibern einen rasanten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zur Folge.
Aus Sicht des NABU bleibt damit nur ein berechtigter Angriffspunkt, der in der Klimaforschung häufig nicht angemessen berücksichtigt und kommuniziert wird: Lokale Temperaturen können stagnieren oder auch vorübergehend zurück gehen, obwohl gleichzeitig die globale Durchschnittstemperatur weiter ansteigt. Dies war der Fall im besonders kalten Winter 2009/2010 in Europa und Nordasien. Gleichzeitig war 2010 zusammen mit den Jahren 2005 und 1998 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Der Weltwetterorganisation WMO zufolge wurden seit 1998 die zehn wärmsten Jahre gemessen.
Weitere Informationen
Klimafakten.de zur These der kalten Sonne
Studie von Jones, Lockwood und Stock (2012)
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WMO-Bericht zum globalen Klima
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