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Klimagipfel endet mit Absichtserklärung

Kopenhagen-Tagebuch

Bericht von der UN-Klimakonferenz aus Kopenhagen


Unsere Experten Carsten Wachholz (Klimaschutz und Energiepolitik) und Nicolai Schaaf (Klimawandel und Biodiversität) sind in Kopenhagen vor Ort und geben zeitnah Bewertungen zu den laufenden Verhandlungen. Wenn Sie eine Frage haben oder einfach etwas mitteilen möchten, haben auch Sie die Möglichkeit, Einträge zu verfassen. Klicken Sie dazu einfach auf "Eintragen" und treten Sie mit den NABU-Experten in Kontakt.

Abstimmung: Glauben Sie, der Klimawandel ist noch aufzuhalten?


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21.12.2009 12:32 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Sehr geehrter Herr Hohmann und alle anderen, die in den letzten beiden Wochen unser Kopenhagen-Tagebuch verfolgt haben!

Ich kann Ihre Fassungslosigkeit über das (Nicht-) Ergebnis der Weltklimakonferenz sehr gut nachvollziehen. Auch das gesamte NABU-Team war am Samstag enttäuscht, wütend und entsetzt über das völlige Versagen an politischer Führung. Allerdings bezweifele ich, ob es nun so etwas wie einen heilsamen Schock im Nachgang zu den Kopenhagener Chaostagen geben wird. Entgegen aller Erwartungen wurden diese nicht von gewalttätigen Ausschreitungen von Demonstranten und Klima-Aktivisten, sondern durch hunderte von Diplomaten, Minister und Regierungschefs verursacht. Fast alle Beobachter und auch die Medien können nur noch ein Scheitern der internationalen Klimaverhandlungen erkennen. Dennoch glauben viele Spitzenpolitiker weiterhin daran, mit der Kopenhagen-Erklärung eine Basis für das weitere Vorgehen gelegt zu haben. Im Nachgang sollen sich möglichst viele Länder dieser unverbindlichen Erklärung anschließen. Gleichzeitig wird eine Drohgebärde aufgebaut, dass die Boykotteure nicht von den darin zugesagten Finanzmitteln für die internationale Klimazusammenarbeit profitieren sollen. Ich glaube nicht, dass ein solches Vorgehen zu einem konstruktiven Ergebnis führt.

Wenn wir eines in Kopenhagen gelernt haben, dann dies: Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr möglich, dass einige wenige Wirtschaftsmächte dem Rest der Welt ihre Entwicklungsbedingungen diktieren können. Europa aber auch die USA haben auf der internationalen Ebene massiv an Einfluss und Macht verloren. Gleichzeitig stößt aber auch das UN-System an seine Grenzen, wenn wie bei den Umweltkonventionen jeder einzelne, mühsam verhandelte Fortschritt beim nächsten Treffen wieder von anderen Ländern blockiert oder sogar rückgängig gemacht werden kann. Deshalb können wir in 2010 nicht einfach das gleiche Procedere wie in diesem Jahr wiederholen: Eine Fülle an technischen Vorverhandlungen, um dann bei der nächsten Weltklimakonferenz in Mexico ein Abkommen zu verabschieden. Wie viele Staats- und Regierungschefs werden sich nach den Erfahrungen in Kopenhagen noch einmal auf ein solches Wagnis mit dem Risiko des totalen Scheiterns einlassen?

Dennoch müssen wir den Blick nach vorne richten. Zunächst geht es vor allem darum, alle Versuche zu bekämpfen, die jetzt einen Stopp für weitere Klimaschutzanstrengungen fordern. Die bekannten Stimmen aus der deutschen Wirtschaft (BDI) haben sich bereits entsprechend zu Wort gemeldet. Stattdessen müssen wir aus NABU-Sicht dafür sorgen, dass die angekündigten Klimaziele tatsächlich auch vollständig auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Hier stehen mit dem neuen Energiekonzept und der Überprüfung, Weiterentwicklung und Ergänzung des Klimaprogramms (IEKP) der Bundesregierung in 2010 wichtige Weichenstellungen in Deutschland auf dem politischen Programm. Auch die kurzfristigen Finanzierungszusagen für Anpassung, Walderhalt und Unterstützung der Entwicklungsländer müssen ohne immer neue Vorbedingungen eingelöst werden. Die notwendige Überprüfung der Verpflichtungen und Anstrengungen muss dann im Nachgang auf internationaler Ebene geregelt werden.

Vor allem brauchen wir aber politische und wirtschaftliche Allianzen, die bereits ohne ein internationales Abkommen neue Dynamik in die Klimaverhandlungen bringen. Es ist schlicht naiv zu glauben, dass die bloße Anwesenheit von Staats- und Regierungschefs am letzten Tag eines zweijährigen Prozesses alles retten können, was zuvor versäumt wurde. Wo waren denn im Vorfeld von Kopenhagen die groß angelegten und politisch wirksamen Initiativen, um einen Deal auf der UN-Ebene überhaupt zu ermöglichen? In 2010 müssen wir deshalb zunächst außerhalb der UN-Klimarahmenkonvention bi- und multilaterale Programme z.B. zur Unterstützung Afrikas bei der Bekämpfung des Klimawandels, zum Walderhalt in den tropischen Ländern oder zur technologischen Zusammenarbeit mit China und Indien zustande bringen. Nur wenn wirklich ernst gemeinte Maßnahmen bereits unabhängig vom einem internationalen Abkommen umgesetzt werden, können wir einiger Berechtigung auf die Bereitschaft wesentlicher Verhandlungsparteien setzen, einen wirklich ambitionierten Vertragstext zu beschließen, der den Herausforderungen des Klimawandels für Millionen von Menschen und überlebenswichtigen Ökosystemen gerecht wird.
19.12.2009 12:42 - Klaus Hohmann -
Email
Was sollte diese unsinnige Veranstaltung in Kopenhagen? Unsere Volksvertreter haben es sich vom 7.12.2009 bis zum 19.12.2009 auf Kosten der Steuerzahler dieser Welt richtig gut gehen lassen, aber sie haben sich in der Sache verhalten wie unreife Schulkinder und herausgekommen ist nur eine (freilich netter formulierte) Willenserklärung, unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten nun endgültig aufzugeben. Tatsächlich neige ich dazu, es schärfer zu formulieren - die Menschheit hat gerade ihren eigenen Untergang auf Raten beschlossen. Jeder noch so kleine Hoffnungsschimmer, den man im Verlauf der Debatten hätte bekommen können, erstickte frühzeitig im widerlichen, kleinlichen Geschacher um eigene, nationale Interessen.

Am Schluß haben wir dann gesehen, wie man sich die Zukunft vorstellt. Die erdölexportierenden Länder leugnen die Existenz des Klimawandels, denn sie wollen ja schließlich ihren ´Stoff´ verkaufen. Haben sie vielleicht gerade die aufstrebenden Schwellenländer im Blick, von denen sie sich den meisten Profit versprechen? Und die Schwellenländer selber bangen um ihren wirtschaftlichen Aufstieg, wohlwissend, daß sie diesen Luxus in nur wenigen Jahren mit dem Verlust des eigenen Lebensraums bezahlen werden. Nicht viel besser ist die Situation bei den großen Industrieländern, die sich - so mein persönlicher Eindruck - im Würgegriff der eigenen Öl- und Kohlelobby befinden. Und diejenigen Menschen, die schon heute unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben werden auf dem Altar des großen Geldes geopfert.

Auf welcher Droge sind diese Leute eigentlich?

Sicher haben wir das alle ja auch nicht anders erwartet: "Leben wir heute in Saus und Braus und nach uns die Sintflut" - auch wenn wir uns wohl von unseren Kindern und Enkeln die Frage gefallen lassen müssen "Ihr habt es doch alle gewußt - warum habt ihr nicht gehandelt, als noch Zeit dazu war?".

Nach diesem Freibrief, unseren Planeten nun endgültig zu schrotten, läßt unsere Regierung fröhlich weitere Kohlekraftwerke bauen, in Brasilien, Indonesien und Kongo werden die Wälder weiterhin abgeholzt und abgebrannt und in Asien lassen wir es nochmal richtig krachen. Und in einigen Jahrzehnten dürfen unsere Nachkommen in dem vielen Geld baden, das wir ihnen vererben. Nur werden sie nicht so die rechte Freude daran haben, denn ihr Lebensraum wird völlig zerstört und ausgeplündert sein, und es wird auch nichts mehr geben, was man mit dem vielen Geld noch kaufen könnte.

Ich würde nun ganz gerne wissen, wie es weitergehen soll. Wie werden wir in 20 Jahren leben? Und wie in 40 oder 60 Jahren? Wie kommen die Nahrungsmittel in den Laden, wenn die Energie zur Herstellung und der Sprit zum Transport nicht mehr zu bezahlen sind? Und wohin mit den vielen Menschen, deren Lebensraum durch Dürre, Verwüstung oder Überflutung zerstört ist?

Fassungslos

Klaus Hohmann
19.12.2009 11:42 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verteidigt Fortschritte in Kopenhagen

Das Plenum der Weltklimakonferenz in Kopenhagen hat am heutigen Samstagvormittag die Noterklärung von 25 Staats- und Regierungschefs zur Kenntnis genommen, aber nicht als gemeinsame Entscheidung verabschiedet. Stattdessen sollen die Mandate für die Verhandlungen unter der UN-Klimarahmenkonvention und unter dem Kyoto-Protokoll um ein Jahr bis zur nächsten Weltklimakonferenz in Mexiko verlängert werden, obwohl die rechtliche Form und Verbindlichkeit der möglichen Ergebnisse weiterhin umstritten ist.

Während wir als NABU die internationalen Klimaverhandlungen hier in Kopenhagen als gescheitert ansehen, hat der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in seiner vermutlich letzten Rede im Plenum der Weltklimakonferenz die erzielten Fortschritte in folgenden Bereichen hervorgehoben: Anpassung, Waldschhutz, kurzfristige Bereitstellung von Geldern für die internationale Klimazusammenarbeit in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar zwischen 2010-2012, die Unterstützung der meisten Staats- und Regierungschefs für weitere Verhandlungen hin zu einem rechtsverbindlichen Weltklimaabkommen.

Der Klimawandel lässt sich aber nicht vertagen. Die besonders bedrohten Entwicklungsländer haben in Kopenhagen zu Recht eine Einigung auf Kosten ihrer Überlebenschancen abgelehnt. Alle großen Wirtschaftsmächte wie USA und China, aber auch Europa und Deutschland, sind nun aufgefordert, ihre angekündigten Klimaschutzanstrengungen deutlich zu verstärken und bereits ohne ein internationales Abkommen umzusetzen. Wir können uns keine weiteren Verzögerungen mehr leisten, weil der globale Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen ab 2015 nicht weiter ansteigen darf sondern massiv sinken muss. Die Rechtsverbindlichkeit und Überprüfung der klimapolitischen Verpflichtungen aller Staaten muss so schnell wie möglich in einem neuen Weltklimaabkommen geregelt werden.
19.12.2009 09:08 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Klimagipfel vor dem Komplettscheitern. Immer noch keine Abstimmung im Plenum über Mini-Kompromiss letzte Nacht

Nach über zwei Jahren internationaler Verhandlungen hat die Weltklimakonferenz in Kopenhagen in der letzten Nacht nicht mehr als eine Noterklärung zustande gebracht, die zudem lediglich von 25 der über 100 angereisten Staats- und Regierungschefs unterstützt wird. Ein fauler Kompromiss in letzter Sekunde, das Plenum wurde heute morgen um 8 Uhr sofort wieder unterbrochen, als sich abzeichnet, dass es keine Zustimmung zu diesem Papier gibt. Weitere Änderungen scheinen inzwischen unwahrscheinlich, weil mehrere Staats- und Regierungschefs bereits abgereist sind, u.a. die Präsidenten von USA und Brasilien, Obama und Lula.

Um ein totales Scheitern des Gipfels abzuwenden, haben die Staats- und Regierungschefs krampfhaft nach einem Rettungsanker gesucht. Statt eines völkerrechtlich verbindlichen Weltklimaabkommens haben wir nur eine weitere und äußerst schwache Absichtserklärung bekommen. Weder bei den Verpflichtungen zur Verringerung der schädlichen Treibhausgas-Emissionen noch bei der Unterstützung der Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel liefert dieses Ergebnis ausreichende Fortschritte, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Nach den Erkenntnissen der Klimawissenschaftler wäre eine verbindliche Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes in den Industriestaaten um 40 Prozent bis 2020 und um 95 Prozent bis 2050 erforderlich. Da sich wesentliche Verhandlungsparteien wie die USA und die Europäische Union in Kopenhagen nicht ausreichend bewegt haben, riskieren wir nun eine dramatische Erderwärmung um mindestens drei bis vier Grad im globalen Durchschnitt. Aus NABU-Sicht hat die Weltgemeinschaft in Kopenhagen eine historisch einmalige Gelegenheit leichtfertig verspielt, die Existenzgrundlagen von Millionen Menschen und den Erhalt überlebenswichtiger Ökosysteme zu sichern.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt bleibt völlig unklar, ob die Weltklimakonferenz ohne formelle Entscheidung zu Ende geht und der weitere Weg zu einem neuen Abkommen bleibt ungewisser denn je. Die internationale Klimapolitik wird durch die Einzelinteressen der großen Wirtschaftsmächte untergraben. Wir brauchen eine Stärkung der UN-Institutionen. Solange jeder Staat sein Veto einlegen kann, wird kein ernst zu nehmendes Abkommen zustande kommen. Bei Vertragsbrüchen muss es zudem künftig Strafen geben, damit die internationalen Umweltkonventionen mehr Durchschlagskraft bekommen. Die dänische Verhandlungsführung und das UN-Klimasekretariat waren mit der Organisation der größten Klimakonferenz aller Zeiten restlos überfordert. Es ist vollkommen inakzeptabel, dass der Großteil der Zivilgesellschaft, darunter auch das komplette NABU-Team, bei Entscheidungen von dieser Tragweite ausgesperrt wurde.
18.12.2009 16:58 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Der dänische Regierungschef Rasmussen hat die anwesenden Staats- und Regierungschefs gebeten, ihren Aufenthalt in Kopenhagen bis Samstag zu verlängern, um noch eine Einigung zu erzielen. Damit werden wir uns wohl für heute zurückziehen und erwarten morgen gespannt, ob die letzte Nacht der Klimaverhandlungen noch einen Durchbruch für ein neues Weltklimaabkommen bringen wird...
18.12.2009 16:15 - NABU-Team: Nicolai Schaaf -
Da Silva stiehlt Obama die Show

Das mit Spannung erwartete Treffen der vielen Staats- und Regierungschefs heute Mittag schürt die Enttäuschung und senkt die Erwartungen, was hier noch zu erreichen ist, obwohl schwer zu verfolgen ist, was gleichzeitig in den Text-Arbeitsgruppen ausgehandelt wird.

In einem der spontan eingerichteten Treffpunkte für NGOs verfolgten hunderte Beobachter auf Leinwänden die Reden und quittierten Obamas Rede mit lauten und langen Buh-Rufen. Für eine Rede, die mit starken Worten begann, die Zeit zu Reden sei vorbei, jetzt sei die Zeit zum Handeln, war es enttäuschend. Zudem hatte unmittelbar davor der brasilianische Präsident da Silva in einer vielfach engagierteren Rede sogar eigene Beiträge für einen Finanzmechanismus angekündigt. Bezeichnend, dass gerade ein Schwellenland über das permanente Eigenlob aller Redner hinausgeht, wie groß die eigenen Klimaschutzbemühungen seien. Er erhielt dafür im Bella-Center wie unter den Beobachtern in unserer Halle viel Applaus. Ein Seitenhieb auf Obama war auch die Betonung, dass Brasilien sein Klimaschutz-Programm zu Hause bereits auf den Weg gebracht habe und er als Präsident jetzt auch zusätzliche Zusagen machen könne. Lesothos Präsident Mosisili drehte den Zynismus um und dankte Obama, dass er mit seiner Führungsstärke die USA wieder dem Rest der Welt annähere.

Chinas Präsident Wen Jiabao hatte zuvor die EU und andere Industrieländer angegriffen, indem er betonte, China würde seinen Klimaschutz nicht vom Verhalten anderer Länder abhängig machen sondern freiwillig vorangehen. Dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass China sich in den vergangenen Tagen nicht gerade durch Kooperationsbereitschaft ausgezeichnet hat und Wen Jiabao in seiner Rede unter anderem Kernenergie als Klimaschutzbeitrag darstellte.

Vorsitzender Rasmussen hatte die Sitzung mit vermeintlichem Optimismus eröffnet, wir seien jetzt nicht am Ende der Verhandlungen, sondern ganz am Anfang. Eine fatale Bilanz für den zweijährigen Weg von Bali nach Kopenhagen. Selbst die große Energie und Dynamik, die die Kopenhagen-Konferenz geprägt haben, haben die fundamentalen inhaltlichen Differenzen bislang nicht überwinden können. Entsprechend deutlich äußerten gerade die Entwicklungsländer ihre Frustration über das bislang erreichte. Es bleiben noch wenige Stunden...
18.12.2009 12:55 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
US-Präsident Barack Obama fordert Einigung in Kopenhagen

Entscheidungen in Kopenhagen zu Reduktionszielen, Transparenz über Einhaltung der Verpflichtungen und eine Lösung zur Finanzierung der Unterstützung der besonders gering entwickelten und vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern dürfen aus Sicht von US-Präsident Barack Obama nicht weiter vertagt werden. Die Zeit zu Reden wäre vorbei, jetzt müssen Entscheidungen getroffen werden. Ohne eine Grundlage für ein verbindliches Weltklimaabkommen würde die internationalen Verhandlungen in Kopenhagen platzen. Ohne die notwendigen Informationen zu teilen, ob alle ihre Verpflichtungen einhalten, würde ein internationales Abkommen aus seiner Sicht keinen Sinn machen.

Inhaltlich wiederholte Obama aber nur seine bekannten Angebote: 17% Emissionsminderung der USA bis 2020, 80% bis 2050 gegenüber 2005 entsprechend der geplanten nationalen Gesetzgebung, Transparenz und verbindliche Überprüfung über Einhaltung der Ziele und Verpflichtungen auf internationaler Ebene und Beteiligung der USA sowohl an kurzfristiger und langfristiger Finanzierung. Als Gesamtsumme der internationalen Unterstützung für Entwicklungsländer nannte er erneut wie am Vortag seine Außenministerin Hillary Clinton die Summe von 10 Milliarden Dollar jährlich in 2012 und 100 Milliarden Dollar jährlich in 2020.

Jetzt wird es spannend, wie die anderen Länder, insbesondere China und Afrika auf die Rede reagieren. Obama sieht weiterhin andere Akteure am Zug, sich bei ihren Positionen zu bewegen, um gemeinsam nach vorne zu gehen. Amerika hat sich bisher nur bei der Finanzierungsfrage bewegt. Der brasilianische Präsident Lula hatte die reichen Industriestaaten schon wegen ihrer Rolle bei den nächtlichen Beratungen wegen mangelnder Flexibilität und Ehrgeiz kritisiert, sie würden einfach nur den anderen Ländern ihre Bedingungen diktieren.
18.12.2009 11:16 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Der letzte Kraftakt - politische Minimaleinigung oder totales Scheitern?

Auch die letzte Nacht hat keinen Durchbruch gebracht. Zwar äußern sich China, USA, EU und verschiedene Entwicklungsländer durchaus flexibler hinsichtlich ihrer Positionen, dennoch hat es weder auf der politischen Ebene noch in den technischen Verhandlungsgruppen bedeutsamen Fortschritt gegeben. US-Präsident Obama ist heute morgen in Kopenhagen angekommen und trifft sich derzeit mit dem chinesischen Premierminister zu bilateralen Gesprächen. Seit einer Stunde sollen sich nach dem ursprünglichen Zeitplan die Staats- und Regierungschefs in einem informellen Plenum der Weltklimakonferenz zusammenfinden, aber das Podium ist weiterhin leer. Die Webübertragung liefert nur aufgeregtes Brummeln tausender Leute im großen Saal.

Gemessen an den inhaltlichen Erwartungen ist die Weltklimakonferenz bereits jetzt gescheitert. Selbst wenn es heute eine gemeinsame Stellungnahme der Staats- und Regierungschefs geben wird, werden sie wie bereits vor 2 Jahren auf der indonesischen Insel Bali nur Eckpunkte und im besten Falle den unbedingten Willen zum Weiterverhandeln verkünden können. Eine klare Ansage, wie wir innerhalb der nächsten 6 Monate eine völkerrechtsverbindliche Vertragslösung erreichen können, wird immer unwahrscheinlicher.

Noch gravierender ist vermutlich, dass die Erklärung der Staats- und Regierungschefs auch morgen nicht mehr mit wesentlich verbesserten Abschlussdokumenten aus den technischen Verhandlungen untermauert werden können. Damit bleibt unklar, was die politischen Ankündigungen eigentlich substanziell bedeuten. 25 Prozent Emissionsminderung in den Industrieländer bis 2020 können ggf. weniger als 10 Prozent real in der Atmosphäre bedeuten, wenn die riesigen Schlupflöcher wie überschüssige Zertifikate aus der 1. Kyoto-Protokoll-Phase, Tricksereien bei der Anrechnung von Emissionen aus der Land- und Forstwirtschaft sowie eine fehlende Reform von Marktmechanismen nicht gestopft werden können. Zur Erinnerung: benötigt werden 40 Prozent!

Deshalb beginnt unter den Umweltorganisationen schon die Debatte um die Abschlussbewertung und Forderungen für das weitere Vorgehen nach Kopenhagen. Die einen rufen nach einer alternativen Klimabewegung außerhalb der UN-Klimakonferenzen, deren Proteste auch heute wieder vor dem Bella Center stattfinden werden. Die anderen fordern eine Stärkung der UN-Institutionen wie eine Aufwertung des Umweltprogramms oder vergleichbare Strukturen wie die Welthandelsorganisation WTO, um mehr Durchsetzungs- und Gestaltungs- sowie Sanktionsmöglichkeiten für ein internationales Klimaregime zu schaffen.
17.12.2009 17:45 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Warme Worte und viel Pathos im Plenum

Bis heute Nacht um 2 Uhr reicht die Rednerliste. Jede/r Regierungschef/in oder Minister/in oder Verhandlungsführer/in möchte unbedingt eine 3-Minuten-Rede im Plenum halten. Inhaltlich werden da in Regel kaum was anderes als die bekannten Bekenntnisse und Appelle zu 2 Grad-Ziel und gemeinsamer Verantwortung zur Rettung des Planeten vermittelt. So leider auch bei Bundeskanzlerin Merkel, die heute um 16.30 Uhr vor das Mikrofon trat.

Wichtiger sind allerdings die Gespräche hinter den Kulissen. Noch heute Abend soll es eine Art informellen EU-Gipfel geben. Merkel, Sarkozy, Brown und andere wollen ausloten, wie die Europäer den Verhandlungen noch eine neue Dynamik verleihen können. Dafür wird wohl überlegt, auf das Gala-Dinner bei der dänischen Königin zu verzichten... Bei aller Hoffnung auf eine Einigung in letzter Sekunde werden wir morgen sehr sorgfältig mögliche Fortschritte und Kompromisse prüfen müssen, ob sie überhaupt noch geeignet sind, Lösungen für die globale Klimakrise zu ermöglichen oder eher zusätzliche Anstrengungen nach Kopenhagen blockieren.
17.12.2009 13:28 - NABU-Team: Carsten Wachholz -
Amerika bewegt sich?

Die US-Außenministerin Hillary Clinton hat angekündigt, dass die USA zusammen mit anderen Industriestaaten ein Finanzierungsvolumen in Höhe von 100 Milliarden Dollar (69 Milliarden Euro) aufbringen wollen, die in 2020 jährlich für die Unterstützung von Entwicklungsländern bei Anpassung, Walderhalt und Klimaschutz eingsetzt werden sollen.

Die EU bezifferte den notwendigen Betrag im Jahr 2020 bisher auf 100 Milliarden Euro. Unklar blieb, ob sich Clinton einfach nur auf die 100-Milliarden-Summe bezog. Sie nannte auch noch keinen Anteil, den Washington davon aufbringen wolle. Aber es könnte das lange erwartete Signal sein, dass sich die USA in den Klimaverhandlungen endlich bewegen. Die Außenministerin sprach sich für ein starkes und umfassendes Klimaabkommen beim Gipfel aus. Als eines der Probleme nannte sie mit Blick auf China die Überprüfung der Abkommensziele. Dies sei entscheidend für eine funktionierende und wirksame Vereinbarung. China möchte seine Klimaziele dagegen nicht verbindlich auf internationaler Ebene überprüfen lassen.

Zu dem Hinweis, dass es in Kopenhagen Gerüchte gebe, dass US- Präsident Barack Obama doch nicht nach Kopenhagen kommen werde, sagte Clinton, der Präsident plane zu kommen. Sie hoffen, dass es etwas gibt, für das es sich lohnt zu kommen...
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