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Weg mit den Rußpartikeln
Weg mit den Rußpartikeln
NABU fordert, Antreiber des Klimawandels sofort zu stoppen
Smog über Wien - nicht nur eine gesundheitliche Gefahr, sondern auch fürs Klima.
Dass Rußpartikel krank machen ist mittlerweile allgemein bekannt. Der Rußpartikelfilter für Dieselmotoren und die Umweltzonen in vielen Städten sind Ergebnis jahrelanger Aufklärungsarbeit auch vom NABU über die gesundheitlichen Gefahren von Feinstaub. Dass
Rußpartikel aber auch das Klima verändern, ist weniger bekannt. Obwohl sie zusätzlicher Treiber der globalen Erderwärmung sind, werden sie bisher weder in der UN-Klimarahmenkonvention erwähnt noch im Kyoto-Protokoll berücksichtigt. Nur das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat die Bedeutung von Rußpartikeln (Black Carbon) als Klimatreiber anerkannt und fordert kurzfristig wirksame Minderungsmaßnahmen.
Rußpartikel als Beschleuniger des Klimawandels
Die Klimawirkung von Black Carbon hängt insbesondere mit der schwarzen Färbung der Partikel zusammen. Sie absorbieren Sonnenstrahlung und heizen damit sich und ihre direkte Umgebung auf. Dadurch dass eine schwarze Oberfläche weniger Sonnenstrahlung reflektiert als eine weiße, verstärkt sich dieser Effekt. Auf Schnee und Eis hat dies schnelleres Abschmilzen zur Folge. Die Eisschmelze in der Arktis und in Hochgebirgen wird durch Black Carbon also beschleunigt.
Schnee und Eis schmelzen schneller, wenn sie von Rußpartikeln bedeckt sind.
Rußpartikel gelangen in Europa vor allem durch ungefilterte Dieselmotoren im Verkehr, durch Hausbrand und durch Industrieanlagen in die Atmosphäre, wo sie sehr mobil sind und auch in entfernte Regionen transportiert werden. In Entwicklungsländern sind insbesondere das Abfackeln von Feldern und Wäldern sowie ineffiziente Heiz- und Kochtechniken für Rußemissionen verantwortlich.
Bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 steht der Einbezug von klimaschädlichen Treibhausgasen aus dem internationalen Flug- und Schiffsverkehr in einen neuen Klimavertrag auf der Tagesordnung der laufenden Verhandlungen. Bisher gibt es aber weder ein globales Reduktionsziel für die CO2-Emissionen aus diesen beiden Bereichen noch besteht Einigkeit unter den Vertragsstaaten, ob sie Flug- und Schiffsverkehre in den Emissionshandel einbeziehen oder zum Beispiel mit einer Klimaschutzabgabe belegen wollen.
Eine Regelung der Emissionen im Seeverkehr hätte einen positiven Nebeneffekt in Bezug auf Black Carbon: Klimaschutzmaßnahmen setzen hier vorwiegend bei kraftstoffärmeren Technologien und Fahrweisen sowie beim Einsatz von schwefelärmeren Treibstoffen an. Durch eine flächendeckende Verwendung von schwefelarmen Treibstoff würde sich automatisch auch der Partikel- und Rußausstoß der Schiffe verringern.
Schnelle Lösung im Kampf gegen den Klimawandel
Die Zeit ist knapp. Die Bekämpfung der Klimawandel-Antreiber soll eine schnelle Wirkung zeigen. Deshalb sollen sogenannte Short-lived Climate Forcing Agents (SLF) – auf Deutsch: kurzlebige Klimawandel-Beschleuniger – in die Beschlüsse der Weltklimakonferenz eingehen. Neben Methan und bodennahem Ozon gehört auch Black Carbon zu diesen Treibern. Mit der Reduktion von SLFs soll kurzfristig ein zusätzlicher, schnell wirksamer Beitrag zum Klimaschutz erzielt werden. So soll Zeit gewonnen werden die erst mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen zur CO2-Minderung.
Mit der konkreten Benennung von Rußpartikeln als SLF in der Abschlusserklärung der Klimaverhandlungen in Kopenhagen würden die dringend notwendigen Maßnahmen zur Verringerung der Rußemissionen in den einzelnen Ländern, vor allem auch in deutschen Verkehrspolitik, eine wichtige politische Unterstützung und zusätzliche Legitimierung bekommen.
Klimapolitik umfasst mehr als CO2-Reduktion
Der NABU fordert, Black Carbon als Klimatreiber stärker in der nationalen und internationalen Klimapolitik zu berücksichtigen. Mit Blick auf Kopenhagen sollten daher
- die Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in Kopenhagen ein Sofortprogramm für zusätzliche und kurzfristig wirksame Klimaschutzmaßnahmen verabschieden, das sich vor allem auf die Reduzierung von Rußpartikeln und anderen SLF konzentriert.
- die Vertragstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in Kopenhagen konkrete Minderungsverpflichtungen für Treibhausgas-Emissionen aus dem internationalen Flug- und Schiffsverkehr für 2020 und 2050 beschließen. Eine Klimaschutzabgabe auf die verbleibenden Emissionen kann zur Finanzierung von zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich und vor allem in Entwicklungsländern eingesetzt werden.
- die Industrieländer zusagen, verstärkt die Entwicklung und Bereitstellung von Technologien zur Vermeidung von (Diesel-) Rußemissionen in Entwicklungsländern zu unterstützen, zum Beispiel moderne und saubere Öfen, die Verwendung von schwefelfreien Kraftstoffen bzw. von Partikelfiltern in Dieselfahrzeugen.
- die EU in Kopenhagen ein verbindliches Minderungsziel für Dieselruß vorschlagen bzw. im Anschluss an die UN-Klimakonferenz beschließen. Der NABU fordert eine hundertprozentige Reduzierung der Dieselrußemissionen bis zum Jahr 2020. Durch die Nachrüstung sämtlicher Dieselmotoren mit einem Partikelfilter ist dies heute schon technisch machbar.
- Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen und ein verbindliches Minderungsziel für Dieselruß in Anlehnung an das geforderte EU-Minderungsziel von 100 Prozent bis 2020 umsetzen.
- die EU ihre Klimaschutzziele nachbessern und die verbindliche Reduzierung europäischen Treibhausgas-Ausstoßes um mindestens 30 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 beschließen. Zur Umsetzung muss das bereits vorhandene Emissionshandelssystem weiter entwickelt werden und spätestens ab 2012 neben dem Flugverkehr auch den europäischen Anteil an den weltweiten Emissionen aus dem Seeverkehr umfassen.
Weitere Informationen
Weltklimakonferenz 2009 in Kopenhagen
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