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NABU-Film zeigt Hotspot der Artenvielfalt
Kenia
Nachhaltige Entwicklung für Naturschutz
Kenia ist bekannt für seine faszinierende Natur und die weitläufigen Nationalparke, die jedes Jahr Besucher aus aller Welt anziehen. Steigende Bevölkerungszahlen und wachsende Armut verstärken jedoch die Anhängigkeit der Menschen von natürlichen Ressourcen und führen zu Übernutzung und Konflikten. Der NABU unterstützt daher mit innovativen Konzepten in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort langfristig den Erhalt der Natur.
Entdecken Sie die Vielfalt der Natur im Film vom Arabuko-Sokoke-Wald:
Armutsbekämpfung im Biodiversitäts-Hotspot
Etwa 100 Kilometer nördlich von Mombasa grenzt der Arabuko-Sokoke-Wald, der „Ort der Elefanten“, mit ausgedehnten Mangrovenwäldern und Flachwasserbereichen am Mida Creek direkt an den Indischen Ozean. Mit einer Fläche von 420 Quadratkilometern stellt er den größten verbliebenen Rest eines tropischen Küstewaldes dar, der sich einst von Somalia bis nach Mosambik erstreckte. Das Gebiet gilt als Hotspot der Biodiversität. Über 40 Säugetier-, 230 Vogel- 250 Schmetterlings- und 650 Pflanzenarten, die zum Teil weltweit nur hier vorkommen, sind durch illegale Rodung, Übernutzung und Wilderei (alte Website) unmittelbar bedroht.
Ein Schmetterling aus dem Zuchtbetrieb - Attaeus atlas.
Der NABU entschied sich angesichts der Dringlichkeit für neue Wege: Der Erhalt des Waldes kann langfristig nur in Verbindung mit Bekämpfung von Armut und nachhaltiger Entwicklung erfolgreich sein. Gemeinsam mit der Kindernothilfe entwarf der NABU ein umfassendes Programm zur Reduzierung der Armut in den Gemeinden um den Arabuko-Sokoke-Wald durch Hilfe zur Selbsthilfe. Alternative Einkommensquellen wie Schmetterlingszucht, Bienenhaltung, Pilzfarmen, Baumschulen und Ökotourismus reduzieren die Armut und senken gleichzeitig den Druck auf natürliche Ressourcen. Für die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort ist die kenianische BirdLife-Partnerorganisation Nature Kenya zuständig.
Die Allianz zwischen NABU und Kindernothilfe stellt ein Novum für die Entwicklungszusammenarbeit und den Naturschutz dar. Die Kompetenzen ergänzen einander: Während die Kindernothilfe über jahrelange Erfahrungen im Bereich nachhaltiger soziale Entwicklung verfügt, bringt der NABU sein umfassendes Know-how durch über 100 Jahre Naturschutzarbeit ein.
Honigproduktion
Mit der Umsetzung des Projekts hat sich die Lage der Bevölkerung deutlich verbessert: Die Lebensqualität und die Gesundheitsversorgung für 4000 Menschen konnten durch den Bau eines Wasserleitungssystems mit öffentlichen und privaten Wasserstellen verbessert werden. Neue Einkommensquellen wie Honig- oder Pilzproduktion, Ökotourismus und Medizinalpflanzenanbau erlauben es den Eltern, die Schulbildung ihrer Kinder zu finanzieren und auf diese Weise in die Zukunft zu investieren.
Umweltbildung in Schulen zum Umgang mit dem Wald und dessen natürlichen Ressourcen sowie die Gründung von eigenverantwortlichen, ehrenamtlichen Gruppen zur Überwachung des Waldes zeigen Erfolg: Die Gemeinden identifizieren sich endlich mit dem Wald und arbeiten zu dessen Schutz enger mit staatlichen Behörden zusammen.
Unterstand zum Beobachten von Vögeln
Für den Projektschwerpunkt Ökotourismus wurden ein Informationszentrum mit entsprechendem Marketing in den Touristenzentren der nahe gelegenen Küste eingerichtet und 26 lokale Naturführer ausgebildet. Für die Anwohner erhöht sich so unmittelbar und sichtbar der Wert des Waldes, wenn Besucher anreisen, um „ihren“ Wald zu besichtigen.
Der Wald bietet für Touristen eine außergewöhnliche Alternative zum Strandleben: Waldlehrpfade mit Aussichtsplattformen in tropischen Baumkronen, vogelkundliche Führungen und Nachtexkursionen mit naturkundlichen Führern zeigen auf spannende Weise die Diversität des Waldes.
Das Land
Die 58.2000 Quadratkilometer große Republik Kenia liegt im Osten Afrikas, angrenzend an die Länder Somalia, Äthiopien, Sudan, Uganda und Tansania sowie im Osten an den Indischen Ozean. Das Rift Valley, ein Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, durchzieht zentrale Kenia. Sowohl tiefe Täler als auch fruchtbare Hochländer, tropische Küste und ewiger Schnee an den Gipfeln des bis zu 5.199 Meter hohen Mount Kenya prägen vielfältige die Landschaft.
Auch wenn der Kilimandscharo in Tansania liegt, gehört er zu den beliebtesten Touristenzielen Kenias. Er ist sagenhafte 5.895 Meter hoch.
Das Klima des Landes ist an den Küsten tropisch, semiarid bis arid im Norden und Nordosten und im Hochland gemäßigt. Nur etwa 20 Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft nutzbar. Vor allem das fruchtbare Hochland und die Ufer des Viktoriasees werden landwirtschaftlich genutzt; die Bevölkerungsdichte in diesen Gebieten ist dementsprechend hoch. In Subsistenzwirtschaft erzeugen die Menschen für den Eigenbedarf Mais, Getreide, Zuckerrohr, Bohnen, Bananen, Reis und Ananas. Dürrezeiten und Überflutungen durch starke Regenfälle wie beispielsweise im Jahre 2006 verursachen besonders in den nördlichen Regionen immer wieder Hungerkrisen.
Kenia ist ein typisches Entwicklungsland im subsaharischen Afrika, rund 56 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Dennoch nimmt das Land eine herausragende Stellung innerhalb der ostafrikanischen Region ein. Kenia ist regional die leistungsfähigste Volkswirtschaft. Seine Vorzüge sind die exponierte Lage in der Region sowie eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Der wichtigste Wirtschaftssektor, in dem rund 70 Prozent der Bevölkerung beschäftigt ist, ist die Landwirtschaft. Hauptdeviseneinnahmequelle ist der Tourismus. Dieser wächst trotz wiederkehrender Einbrüche in Folge politischer Unruhen; deutsche Touristen stellen mit ca. 200.000 Personen den Hauptteil der rund 1,5 Millionen Urlauber jährlich.
Der Elefant ist einer der "Big-Five". Die anderen sind Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.
Die Diversität der Landschaftstypen ermöglicht eine hohe Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Eben diese ist Anziehungspunkt für Touristen: Meeresküste, Savanne mit den „Big Five“ bis hin zu schneebedeckten Gipfeln des Mount Kenya bieten dem Besucher viele Möglichkeiten. Schon mit Beginn der 1930er-Jahre stellte die kenianische Regierung großflächig Teile des Landes unter Schutz. 59 Nationalparks stellen heute ein wichtiges Standbein für den Tourismus dar. Zu den wohl bekanntesten Parks zählen Amboseli, Massai Mara in der Serengeti oder Tsavo.
Kenia ist Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und damit regelmäßiger Gastgeber für wichtige Konferenzen im Umweltbereich, und Unterzeichner aller bedeutenden Umweltkonventionen.
Bedrohung für die Natur
Der Schutz von Natur und Umwelt ist für Kenia auch von wirtschaftlicher Bedeutung: Der Tourismussektor lebt von der höchsten Konzentration geschützter Nationalparks weltweit.
Dennoch kämpft das Land mit Umweltproblemen wie Luft- und Wasserverschmutzung durch Industrie und Städte sowie den zunehmenden Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft. Dem größten See Ostafrikas, dem Viktoriasee, machen Überfischung, Einleitung von Abwässern und die als Zierpflanze eingeführte Wasser-Hyazinthe zu schaffen.
Trophäenjagd und Handel mit Elfenbein und Fellen sind in Kenia verboten. Zunehmende Armut macht Wilderei jedoch, trotz Bestrafung, zu einem viel versprechenden Geschäft und gefährdet so Großkatzen wie Leoparden, Geparden und Löwen sowie Elefanten, Rhinozerosse und andere Tierarten.
Die Sokoke-Zwergeule des Arabuko-Sokoke-Wald gehört zu den bedrohtesten Arten in Kenia.
130 Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht; 43 Säugetier- und 24 Vogelarten gelten als gefährdet. Zu den bedrohten Arten zählen beispielsweise die Sokoke-Zwergeule (Otus ireneae) im Arabuko-Sokoke-Wald, die Haubenmangabe (Cercocebus galeritus galeritus), der Rotkopfstummelaffe (Procolobus rufomitratus), die Suppenschildkröte (Chelonia midas) und die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata).
Das schwerwiegendste Problem des Landes ist jedoch die Entwaldung. Zur Gewinnung von kurzfristig fruchtbarem Ackerland und als Ressource für Bau- und Feuerholz, rodet die ständig wachsende Bevölkerung illegal die verbleibenden Wälder. Mittlerweile ist der Waldbestand auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche ge-schrumpft. Die kenianische Regierung versucht dieser Entwicklung mit Wiederauf-forstungsprogrammen entgegenzuwirken. Korrupte Staatsbeamte und Politiker decken jedoch allzu oft den gewinnträchtigen, illegalen Holzeinschlag. Die zuneh-mende Entwaldung verschärft Probleme wie Bodenerosion, Wüstenbildung und Wasserknappheit. Bereits heute haben nur 42 Prozent der Landbewohner und 88 Prozent der Stadtbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Kontakt
Svane Bender-Kaphengst
Leiterin Afrikaprogramm
E-Mail: Svane.Bender@NABU.de
Werner Schröder
Sprecher der NABU-Bundesarbeitsgemeinschaft Afrika
E-Mail: Werner.Schroeder.calidris@t-online.de
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