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Aserbaidschan
Aserbaidschan
NABU-Aktivitäten
Nationalpark Hyrkan
An der Grenze Europas zu Asien stehen für den NABU der Ausbau einer lokalen Umweltschutzorganisation und der Schutz besonders wertvoller Lebensräume und Vogelarten im Vordergrund des Engagements.
Naturschutz durch Stärkung lokaler Partner
Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine Herausforderung, die das Engagement sowohl staatlicher Institutionen als auch der breiten Gesellschaft bedarf. Vielen Bürgern sind die Folgen unangepasster Nutzung natürlicher Ressourcen nicht bewusst, andere sind direkt oder indirekt durch die Auswirkungen von Umweltzerstörung betroffen. Es ist daher wichtig, einerseits Aufklärungsarbeit zu leisten und Alternativen aufzuzeigen. Andererseits werden Strukturen benötigt, die es Betroffenen ermöglichen, sich zu engagieren und ihrer Stimme Gehör zu verleihen.
Nationalpark Hyrkan
Der NABU verfügt auf diesem Gebiet über jahrzehntelange Erfahrung und gibt diese als Teil der Arbeit im internationalen Naturschutzdachverband BirdLife International (www.birdlife.org) an Partner in anderen Ländern weiter. In Aserbaidschan wird so die Stärkung der lokalen Nichtregierungsorganisation, der Azerbaijan Ornithological Society (AOS) (www.aos.az), gefördert. Auf ihrem Weg zu einem mitgliederbasierten Naturschutzverband und starken Partner im globalen BirdLife Netzwerk wird AOS institutionell unterstützt und beraten.
Die NABU-Aktivitäten haben bereits positive Ergebnisse gezeigt: der ehemals aus einer Handvoll Aktiven bestehende Verein hat inzwischen landesweit über 300 Mitglieder und ist in Aserbaidschan zu einer Anlaufstelle in Sachen Naturschutz geworden. Eine weitere Erfolg konnte im Frühjahr 2008 verzeichnet werden, als AOS der Status als BirdLife Partner Designate zuerkannt wurde.
Kaukasus-Birkhuhn
Schutz bedrohter Vogelarten und ihrer Lebensräume
Das Land Aserbaidschan besitzt für den globalen Vogelschutz enorme Bedeutung. In dem relativ kleinen Land konnten bereits über 390 Vogelarten nachgewiesen werden. Zum Vergleich: in Deutschland kommen etwas mehr als 300 vor.
Dieser bemerkenswerte Artenreichtum beruht unter anderem auf der Fülle verschiedener Ökosysteme. Millionen von Brut- und Zugvögeln finden hier einen idealen Lebens- und in einigen Fällen sogar letzten Rückzugsraum. So sind die Küstengewässer und Feuchtgebiete der Niederungen im Landesinneren wichtige Überwinterungs- und Rastgebiete für Hunderttausende Zugvögel aus Sibirien und dem Norden Zentralasiens. Unter ihnen viele weltweit bedrohte Vogelarten wie Weißkopfruderente, Moorente, Zwerggans oder Krauskopfpelikan. In den weitläufigen flachen Feuchtgebieten brüten bedeutende Bestände seltener Arten wie Zwergscharbe oder Marmelente. Die Berglandschaften bieten dem majestätischen Kaiseradler und dem endemischen Kaukasus-Birkhuhn (pdf Artenprofil) Lebensraum.
Diesen Rückzugsraum in seiner Gesamtheit zu bewahren, dafür macht sich AOS stark. In seinen Bemühungen wird der lokale Verein vom NABU unterstützt. Das Engagement konzentriert sich dabei auf den Ausbau eines landesweiten Netzwerks wichtiger Gebiete für den Vogelschutz (Important Bird Areas, IBA). Nachdem die Bestandsaufnahme weitestgehend abgeschlossen ist, gilt es nun die erhobenen Daten für Entscheidungsträger und Öffentlichkeit zugänglich zu machen und ein effektives Monitoring einzurichten. Grundsteine für die Entwicklung eines Netzwerk von Schutzgebietsbetreuern für einzelne Gebiete konnte AOS bereits legen.
Um auf die Bedeutung des Vogelschutzes in Aserbaidschan aufmerksam machen und dessen Akzeptanz zu fördern, bietet AOS Informationsveranstaltungen, Workshops in Schulen oder Exkursionen an. Der NABU steht seit Jahren bei der jährlichen Kampagne „Vogel des Jahres“ beratend zur Seite.
Seit 2008 ist der Themenbereich des Schutzes von Vögeln vor den Gefahren durch Energiefreileitungen mit in die Arbeit aufgenommen worden. Zusätzlich wird an der Erfassung der Weißstorchvorkommen gearbeitet, um den weißen Fleck auf der Karte des internationalen Zensus zu schließen.
Hyrkanische Wälder
Hyrkan Nationalpark – Erhalt einzigartiger Urwälder
Im Südosten Aserbaidschans, beherbergt das Talysh-Gebirge Vorkommen weltweit letzter Urwaldgebiete sommergrüner Breitlaubwälder. Erst vor wenigen Jahren wurde hier ein Nationalpark eingerichtet, um diesen außergewöhnlichen Naturraum zu bewahren. Bei der Ausweisung und Erweiterung des Schutzgebietes hat der NABU das Ministerium für Ökologie und Natürliche Ressourcen und die Nationalparkverwaltung beraten.
Von Anfang an wurde der Aufbau des Nationalparks Hyrkan durch den NABU begleitet. Schwerpunkte bildeten Initialmaßnahmen wie der Ausbau der Infrastruktur der Verwaltung und die Schulung des Personals. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Ursula Merz wurden Ranger mit einem Fahrzeug, Pferden und Uniformen ausgestattet. Diese ermöglichen es ihnen, Überwachungsaufgaben wahrnehmen zu können. Auch der Bau eines Naturlehrpfades wurde gefördert. Hier können sich Besucher des Parks über den wertvollen Naturraum informieren. Für den jungen Nationalpark ist die Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung sehr wichtig. Dazu wurden Runde Tische und Umweltbildungsveranstaltungen in Schulen in der Umgebung des Schutzgebietes durchgeführt. Für Frauengruppen wurden Workshops angeboten, in denen alternative Einkommensmöglichkeiten durch die Entwicklung eines sanften Tourismus in der Region erarbeitet wurden.
Diese einzigartigen Wälder gilt es dauerhaft als Erbe der Menschheit zu schützen, denn sie sind eine Schatztruhe seltener und teilweise nur hier vorkommender Arten, viele von ihnen haben nur hier als voreiszeitliche Relikte überdauert. NABU unterstützt die Nominierung des Gebietes als UNESCO Weltnaturerbe. Um die Vielfalt der hyrkanischen Wälder in ihrer Gesamtheit darzustellen, ist hierfür eine Nominierung verschiedener Cluster der beiden Länder Aserbaidschan und Iran notwendig.
Das Land
Aserbaidschan liegt im Kaukasus und grenzt an die russische Republik Dagestan, an Georgien, Armenien und den Iran. In der Autonomen Republik Nachitschewan, die eine Exklave darstellt, besitzt Aserbaidschan eine elf Kilometer lange Grenze mit der Türkei.
Hochweide
Die geographische Lage ist geprägt vom Kaspischen Meer und dem Kaukasus-Gebirge. Auf dem relativ kleinen Territorium, das etwa mit der Größe Österreichs zu vergleichen ist, hat sich eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaftstypen herausgebildet. Diese sind der Schlüssel zu einer äußerst reichen Artenvielfalt.
Durch die Berghänge des Großen Kaukasus streifen beeindruckende Säugetiere wie Braunbär, Wolf, Kaukasischer Steinbock, auch Tur genannt. In den Steppen des Tieflandes lebt eine der letzten Restpopulationen der Kropfgazelle im Südkaukasus. Mit den hyrkanischen Wäldern hat das Land Anteil an einem wertvollen Urwaldgebiet sommergrüner Laubwälder in Eurasien. Sie bilden eines der letzten Rückzugsräume für den stark bedrohten Kaukasus-Leopard.
Aserbaidschan ist ein überregional bedeutendes Durchzugs- und Rastgebiet für zahlreiche zum Teil hoch gefährdete wandernde Vogelarten in Eurasien. Seen, Sümpfe und Küstengewässer bieten ideale Rast- und Überwinterungsmöglichkeiten für mehrere Millionen Vögel. Hier finden sich in den Wintermonaten beträchtliche Zahlen weltweit bedrohter Vogelarten.
Bedrohung für die Natur
Der Druck auf die natürlichen Schätze des Landes hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Zwar verzeichnet Aserbaidschan eine rasante wirtschaftliche Entwicklung, doch besonders die Landbevölkerung in den abgelegenen Gebieten bleibt von diesem Aufschwung abgeschnitten.
Ölfelder bei Baku
Die Menschen in der Umgebung von Schutzgebieten sind durch ihre schlechte wirtschaftliche Lage häufig auf eine nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen angewiesen. Überweidung durch Nutztiere und illegaler Holzeinschlag schädigen die empfindliche Fauna und Flora des Kaukasus. Daraus resultieren nicht nur Artenverlust sondern auch Bodenerosion und –degradation. Diese wiederum nehmen den Bewohnern der Bergregionen die Lebensgrundlage. Ungehemmter Wilderei fallen seltene Säugetiere wie der Leopard oder der Bezaarbock zum Opfer und auch in den Feuchtgebieten des Landes wird nahezu ungehemmt Jagd auf Enten und Gänse gemacht.
Nur die Einbindung der Lokalbevölkerung in nachhaltige Wirtschaftsweisen kann eine Lösung für diesen Konflikt darstellen.
Ansprechpartner
Vitalij Kovalev
Stellvertretender Leiter Fachbereich Internationales
Tel. + 49 (0)30.28 49 84-17 01
Email: Vitalij.Kovalev@NABU.de
Weitere Informationen
Vogelzugcamp am Kaspischen Meer

Länderinfo
Aserbaidschan: Lage im östlichen Kaukasus am Kaspischen Meer; 8,2 Mio. Einwohner, Hauptstadt Baku
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