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Armenien
Armenien
Vielfältiges Engagement
Seit 2001 berät und unterstützt der NABU das armenische Naturschutzministerium. Während in den ersten Jahren die Unterstützung bei der Umsetzung internationaler Naturschutzkonventionen im Vordergrund stand, konnte 2006 die Zusammenarbeit mit der Durchführung gemeinsamer Projekte erweitert werden. Im März 2007 unterzeichnete der NABU zusammen mit dem armenischen Ministerium für Naturschutz einen Kooperationsvertrag, der die Zusammenarbeit bei Projekten zum Schutz der Biodiversität Armeniens vorsieht.
NABU engagiert sich vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Naturschutz und Naturressourcen Republik Armenien und dem Armenischen Vogelschutzbund (ASPB – Armenien Society for the Protection of Birds).
Im Programm zum Schutz des armenischen Mufflons konnte bisher ein Aktionsplan zu dessen Schutz erstellt und Anti-Wilderer-Einheiten aufgebaut, ausgebildet und technisch ausgestattet werden.
Für das Projekt: Schutz der Steppenseen und Feuchtgebiete in der Arax-Niederung, konnte bisher ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt werden, der durch Nachfolgeprojekte umgesetzt wird.
Im Ökotourismusprojekt im Nationalpark Dilijan soll der Ausbau eines Wander- und Wegenetzes sowie die Erstellung von zwei Naturerlebniswegen 2008 fertiggestellt werden.
Finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit in Armenien erhalten wir von der Heidehofstiftung, der Michael Otto Stiftung und der Stiftung Ursula Merz.
Schutz der Steppenseen und Feuchtgebiete in der Arax-Niederung
Im Westen, an der Grenze zur Türkei steht der Schutz der Überschwemmungsniederung des Flusses Arax im Vordergrund. Hier befinden sich zahlreiche Seen mit einer Fläche von 10 bis 2000 Hektar Größe und bis zu 2 Meter Tiefe. Obwohl sie seit langer Zeit stark übernutzt werden und zum Teil degradiert sind, bieten sie dennoch stark bedrohten Vogelarten wie Löffler, Braunsichler, Marmelente, Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Austernfischer und die endemische Armenische Möwe die letzten verbliebenen Lebensräume in Armenien. Ebenso sind sie eines der wenigen Überwinterungsgebiete von Schwarz- und Weißstörchen sowie von global bedrohten Arten wie Krauskopfpelikan und Weißkopf-Ruderente in der Region. Im Vordergrund unserer Bemühungen stehen die Regulierung und Stabilisierung des Wasserhaushalts im Projektgebiet, die Verbesserung der Nahrungs- und Nistmöglichkeiten für Wasservögel und die Verbesserung der Umweltbildungsangebote gekoppelt mit dem Aufbau von ökotouristischer Infrastruktur.
Schutz des Armenischen Mufflons
Ein weiteres Projektgebiet umfasst einen geplanten Nationalpark im südlichen Teil Armeniens. Hier setzen sich der NABU und die Partner vor Ort für den Schutz des Armenischen Mufflons ein, das in diesem Gebiet durch Wilderei stark gefährdet ist. Neben dem Vorkommen der Mufflons ist das Gebiet auch wegen seiner hohen Artenvielfalt sehr wertvoll. Zahlreiche Endemiten und Wildarten von Kulturpflanzen, die in ihrer Anzahl einzigartig für Europa sind, zeugen von der Bedeutung dieser Region für die genetische Vielfalt. Das Gebiet verfügt über ein sehr abwechslungsreiches Landschaftsbild. Halbwüsten wechseln sich mit alpinen Ökosystemen ab, die bis in eine Höhe von über 2.200 Meter reichen.
Aufbau eines Modellgebiets für Umweltbildung und Ökotourismus
Die hohe Vielfalt an Ökosystemen im Nationalpark Dilijan mit mesophilen Wälder, vielen Flüssen und Seen und Bergland machen ihn zu einem besonders attraktiven und schützenswerten Gebiet mit einer außergewöhnlich reichen Pflanzen- und Tierwelt. Nennenswert sind vor allem Tertiärrelikte wie beispielsweise die Art Rhododendron caucasicum oder die Eibenwälder. Unter den zahlreichen Tierarten sind weltweit gefährdete Tiere wie Braunbär, Luchs und Wolf zu nennen.
Des Weiteren kann man dort ein dichtes Netz an Kulturdenkmälern vorfinden, welches sich auf die Bestrebungen des Naturschutzbundes und des armenischen Naturschutzministeriums ein Modellgebiet für Ökotourismus und Umweltbildung zu entwickeln positiv auswirkt.
Das Land
Die unabhängige Präsidialrepublik Armenien befindet sich im südlichen Kaukasus zwischen Georgien, Aserbaidschan, Iran, Nachitschewan (autonomes Gebiet zu Aserbaidschan) und der Türkei.
Armenien ist ein durch Gebirge geprägtes Land, nur 10% Armeniens befinden sich unter 1000 m ü. d. Meeresspiegel. Berglandschaften vulkanischen Ursprungs mit hohen Gipfeln wechseln sich mit Hochebenen ab. Im Norden bestimmen die über 3000 m hohen Ausläufer des kleinen Kaukasus das Landschaftsbild. Der höchste Berg ist der erloschene Vulkan Aragac (4090 m ü. d. M.).
Das Land ist reich an Seen, von denen der Sevan-See mit Abstand der bedeutendste ist. Er stellt das größte Süßwasser-Reservoir Armeniens dar und ist zugleich mit 78 km Länge und 56 km Breite der größte alpine See der Erde. Armenien ist durch trockenes Kontinentalklima mit sehr unterschiedlichen Lokalklima gekennzeichnet, die auf die Relieffierung zurückzuführen sind.
Das Landschaftsbild Armeniens ist stark landwirtschaftlich geprägt. 42 Prozent der Landesfläche wird von Anbauflächen eingenommen und 30 Prozent von Weideland. Steppen bedecken zu 17 Prozent und Buchen- und Eichenwälder lediglich 11 Prozent das Land.
Aufgrund der großen Unterschiede im Relief, Klima und den Oberflächenformen, ist die Biodiversität in Armenien sehr hoch und das Vorkommen vieler endemischer, reliktischer und seltener Pflanzen- und Tierarten begünstigt. Die Wälder bestehen trotz der starken Dezimierung ihrer Bestände noch aus ca. 200 Baum- und Straucharten. 3.500 verschiedene Gefäßpflanzen bilden eine Artendichte höherer Pflanzen, die eine der höchsten auf der Welt darstellt. Des Weiteren sind Zehntausende von niedrigeren Pflanzen und Bakterien in Armenien bekannt. Die Fauna Armeniens besteht aus 17.500 Tierarten, davon sind 500 Wirbeltiere.
Von weltweiter Bedeutung ist die Agrobiodiversität Armeniens, die auf eine 5000-jährige landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen ist: Zahlreiche Wildarten von Kulturpflanzen, die in ihrer Anzahl einzigartig für Europa sind, konnten bislang in Armenien erhalten bleiben.
Bedrohung für die Natur
Die problematische innenpolitische und ökonomische Lage Armeniens hatte in den letzten Jahrzehnten gravierende Auswirkungen auf die Umwelt:
Armeniens Steppenregionen sind besonders in den letzten 100 Jahren durch unkontrollierte Beweidung stark degradiert worden. 80-90 Prozent dieses Lebensraums werden landwirtschaftlich genutzt und sind durch unkontrollierte Bewässerung ebenfalls stark geschädigt. Bodenerosion und Versalzung der Böden sind neben der Vernichtung der natürlichen Vegetationsgemeinschaften als Folgen zu nennen.
Die Wälder Armeniens wurden ebenfalls durch anthropogenen Einfluss extrem geschädigt. 1000 v. Chr. waren 35 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt. Aufgrund von Bevölkerungszunahme und damit einhergehender Ausweitung der Weide- und Anbauflächen sowie Rodungen durch die Energieblockade zwischen 1992-1995 schrumpften die Waldgebiete stetig. Der derzeitige Waldanteil beträgt ca. 11 Prozent.
Weitere Umweltprobleme in Armenien sind die schlechte Müllentsorgung, Wasserversorgung und die gravierenden Folgen der Drainage des Sevan-Sees. Während der 40er-Jahre wurde der Sevan-See durch Wasserkraftwerke und Bewässerungssysteme stark geschädigt. Der Seespiegel sank um 19 Meter, was gravierende Folgen für das Ökosystem nach sich zog. Zusätzlich belasteten Schadstoffeinflüsse den See und gefährdeten so das wichtigste Trinkwasserreservoir des Südkaukasus’. Die in den 1950ern begonnen Aktionsprogramme zum Schutz und zur Regeneration des Sees können die Schäden nur sehr langsam wiedergutmachen.
Aufgrund der schlechten sozioökonomischen Situation im Land treten Umweltprobleme oftmals in den Hintergrund. Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Aufgrund der internationalen Bedeutung der Biodiversität Armeniens ist es daher die Aufgabe wirtschaftlich stärkerer Länder sich für den Schutz der Natur in Armenien einzusetzen.
Kontakt
Wenn Sie Fragen zu unseren Aktivitäten in Armenien haben oder unsere Arbeit unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an:
Vitalij Kovalev
Stellvertretender Fachbereichsleiter Internationales
Leiter Kaukasusprogramm
E-Mail: Vitalij.Kovalev@NABU.de

Länderinfo
Armenien: Lage im zentralen Kaukasus; 3,2 Mio. Einwohner; Hauptstadt Jerewan
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