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Schutz für die wilde Bohne
Schutz für die wilde Bohne
Die Kaffee-Wälder Äthiopiens
Die Berg-Regenwälder im Südwesten sind Äthiopiens grüne Lunge.
Mächtige Baumriesen, ein Durcheinander an Luftwurzeln und faszinierenden Aufsitzerpflanzen, flirrendes Grün - wir befinden uns in den mächtigen Berg-Regenwäldern im Südwesten Äthiopiens, im alten Königreich Kafa. Die Wälder, von deren ursprünglicher Größe heute nur noch ein geringer Rest erhalten ist, bergen eine echte Besonderheit: wildwachsender Kaffee (Coffea arabica), eine genetische Ressource von unschätzbarem Wert. Neun Monate nach der Blüte tragen die Kaffeebäume im Regenwald rote, kirschartige Früchte, die unter dem Fruchtfleisch zwei an der Innenseite abgeflachte Samen tragen, die grünen Kaffeebohnen.
Die undurchdringlichen Wälder in der Ursprungsregion des Kaffees sind Heimat für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten. Auffallend sind die neugierigen schwarz-weißen Colobus-Affen, die in Äthiopien eine eigene Unterart bilden. Löwen, Leoparden, Wildkatzen sowie Buschschweine und Antilopen leben dort, sind aber von zunehmender Rodung, Beweidung und sonstiger Waldnutzung stark bedroht. Das Gebiet beherbergt außerdem mehr als 100 Vogelarten und ist daher als wichtiges Vogelschutzgebiet (IBA) ausgezeichnet. Dennoch fehlen bisher notwendige Forschungserkenntnisse und verlässliche Daten über die Arten und ihren konkreten Bedrohungszustand.
Nutzen und schützen
Ernte der Wildkaffeekirschen
Die Bevölkerung der Kafa-Region nutzt seit Generationen den Wildkaffee in angepassten Sammelsystemen für den eigenen Konsum. Einen überregionalen Markt gab es dafür bisher nicht.
In einem der ärmsten Länder der Welt drängen jedoch, hervorgerufen durch Bevölkerungswachstum und zunehmende Armut, immer mehr Menschen in die Wälder. Gleichzeitig lassen Investoren den urwüchsigen Wald roden, um konventionelle Kaffee- oder Teeplantagen anzulegen.
Qualität sichert höhere Preise
Sonnen-Trocknen der Kaffeekirschen auf Trockengestellen
Zunächst wurde gemeinsam mit der Bevölkerung ein Wald-Management entwickelt. Dazu gehören die Festlegung von Nutzungsrechten und -praktiken, die Entwicklung von Richtlinien zur Entnahme von Waldprodukten sowie der Aufbau eines verantwortlichen Wald-Komitees. Mit einem Zertifizierungssystem soll die Herkunft des Kaffees garantiert und so auch ein höherer Erzeuger-Preis erzielt werden. Die Qualität des Kaffees wurde für die internationale Vermarktung durch Schulung der Kaffeebauern bei Ernte- und Verarbeitungsprozessen verbessert. Inzwischen ist der Kaffee auch in Deutschland erhältlich.
Ein Programm zur Gesundheitsversorgung und Familienplanung verbessert die Lebenssituation der Menschen. So klären Jugendgruppen mit Unterstützung von Geburtshelferinnen und Beratern für Familienplanung ihre Altersgenossen und Gemeindenachbarn über Gesundheit, Verhütung und Aids auf. Die jungen Leute betreuen zudem selbständig eigene Waldparzellen. Der Erlös aus dem Kaffee-Verkauf hilft beim Engagement für die eigene Gemeinde, Aids-Waisen sollen betreut und Wasserquellen gesäubert werden. Der NABU möchte das gut funktionierende Konzept auf Umweltbildung ausdehnen, um möglichst viele Menschen für den Walderhalt zu gewinnen.
Lösungsansatz Biosphärenreservat
Der Projektkoordinator stammt aus Kafa-Region, dem ehemaligen Königreich.
Der NABU setzt sich für die Ausweisung eines UNESCO-Biosphärenreservates vor Ort ein. Auf diese Weise kann der Schutz der Regenwälder mit angepassten Nutzungssystemen sinnvoll verknüpft werden. Entsprechend des Einflusses menschlicher Aktivität ist die Einrichtung einer oder mehrerer streng geschützter Wald-Kernzonen, einer Pflegezone als Übergang und einer Entwicklungszone mit angepasster Nutzung vorgesehen.
In Äthiopien gibt es, anders als in anderen afrikanischen Staaten, noch keine Biosphärenreservate. Erste vorbereitende Schritte mit Regierungsvertretern und Lokalpolitikern sind getan. Der Weg bis zur Umsetzung kann jedoch erfahrungsgemäß voller Hindernisse sein. Ein umfassendes, in Zusammenarbeit mit den Bewohnern vor Ort entwickeltes Konzept ist notwendig, um die Dauerhaftigkeit des Biosphärenreservats zu gewährleisten und die Unterschutzstellung nicht bloß als "Papier-Tiger" enden zu lassen.
Das Vorhaben bedeutet, abgesehen vom Schutz der letzten stark bedrohten Regenwälder, eine große Chance zur sanften Entwicklung der Kafa-Region. Ökotourismus in die Ur-Heimat des Kaffees, Vermarktung regionaler Produkte mit eigenem Label und ein neues Selbstverständnis der Region sind nur einige zukunftsweisende Perspektiven.
Weitere Projektpartner:
Aid by Trade Foundation (AbTF), Deutsche Gesellschaft für Technische Zu-sammenarbeit (GTZ), Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), GEO schützt den Regenwald e.V., Kraft Foods, Original Food, Rotarier Deutsch-land Gemeindienst e.V.
Weitere Projektpartner:
Aid by Trade Foundation (AbTF), Deutsche Gesellschaft für Technische Zu-sammenarbeit (GTZ), Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), GEO schützt den Regenwald e.V., Kraft Foods, Original Food, Rotarier Deutsch-land Gemeindienst e.V.
Für Rückfragen:
Svane Bender-Kaphengst
Leiterin Afrikaprogramm
Tel. 030.28 49 84-1711
E-Mail: Svane.Bender@NABU.de
Meldungen aus Äthiopien
Der Weg zum neuen Kafa-Biosphärenreservat im Hochland Äthiopiens ist kein Katzensprung. Doch lassen sich seit Beginn der Bemühungen im Jahr 2006 zum Schutz der einmaligen Wildkaffee-Wälder immer wieder verheißungsvolle Fortschritte erzielen.
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Mit der Kamera im Kaffee-Wald
Mit dem NABU machte sich der Fotograf Bruno D'Amicis auf die Reise durch den „Nebelwald von Boginda”. Überwältigt war er von den riesigen Bäumen und Farnen, den wilden Flüssen und den unzählige Tierstimmen, die ihn umgaben. Seine Fotos zeigen den ganzen Reichtum einer bedrohten Wildnis.
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Länderinfo
Äthiopien: Das am höchsten gelegene Land in Afrika, 82 Mio. Einwohner, Hauptstadt Addis Abeba.
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