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Adygea/Südrussland

Adygea/Südrussland

Einzigartiger Naturraum im Norden des Kaukasus

Adygea


Engagement des NABU
Der NABU setzt sich seit Anfang der 1990er Jahre für Mensch und Natur im Nordwestkaukasus ein. Das konstante Engagement führte zu einer Reihe von Erfolgen für den Erhalt der Biodiversität im Großen Kaukasus. Das Engagement konzentriert sich auf einen einzigartigen Naturraum im Süden der kleinen Kaukasusrepublik, der 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde.

Kaukasus

Besonders erfolgreich ist das Engagement für den Erhalt des einzigartigen Naturgebietes im nordwestlichen Teil des Großen Kaukasus: So konnten frühzeitig in Kooperation mit Universitäten in Deutschland und der örtlichen Nationalparkverwaltung in Adygea Konzepte zur Etablierung von nachhaltigem Tourismus in der Region erarbeitet werden. Durch die Beteiligung der Bevölkerung wurden zusätzliche Einnahmequellen geschaffen. Gleichzeitig wurden Jugend- und Wissenschaftleraustausche mit der Adygeischen Republik und Praktika für Studenten in Deutschland organisiert.

Im Jahre 1999 wurde der Grundstein für den internationalen Einsatz zu langfristigem Erhalt der Biodiversität im Kaukasus gelegt: Ein ursprüngliches und ökologisch besonders wertvolles Gebiet wurde durch maßgebliche Unterstützung des NABU zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt. Das rund 3000 Quadratkilometer große Weltnaturerbegebiet Westkaukasus ist in seiner alpinen Lage, Größe und Artenvielfalt weltweit einmalig.

Der NABU setzt bei der Arbeit vor Ort Akzente in den folgenden Bereichen:

Lehrpfad

Naturschutz durch nachhaltige Entwicklung
Um eine nachhaltige regionale Entwicklung in Adygea zu fördern, haben wir in Kooperation mit der Grünen Liga Berlin und adygeischen Nichtregierungsorganisationen ein Projekt zur Entwicklung eines Naturparks ins Leben gerufen. Der NABU unterstützt dabei die lokale Bevölkerung auf ihrem Weg, die kostbaren Naturschätze der Region in lokaler Selbstverwaltung zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Um die Akzeptanz bei den verschiedenen Akteuren für dieses Ziel zu erreichen, organisierte der NABU zwei Konferenzen in Adygea zum Thema Ökotourismus.

Naturschutz durch Umweltbildung und Naturerlebnis
Die Naturreichtümer im Nordwestkaukasus können nur langfristig gesichert werden, wenn eine breite Akzeptanz für Naturschutz in der Bevölkerung erreicht wird. Deshalb hat der NABU in Zusammenarbeit mit der lokalen Schutzgebietsverwaltung ein Umweltbildungszentrum im UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus aufgebaut.

Dort können Besucher in einer Ausstellung Neues über das Weltnaturerbegebiet mit seinen beeindruckenden Tieren und Pflanzen erfahren. Um diese Informationen zu ergänzen und interaktiv erlebbar zu machen und um Menschen die attraktive Natur in der Umgebung näher zu bringen, fördert der NABU die Entwicklung und den Bau von Naturerlebnispfaden. Diese Arbeit des NABU wurde von der Ursula Merz Stiftung, der Stiftung für Umweltbildung und Behindertenförderung (Heidehofstiftung) und vom Bundesministerium für Umwelt (BMU) unterstützt.

Kaukasusgipfel mit Bergwisenten

Kaukasusgipfel mit Bergwisenten

Wisentschutzprogramm im UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus
Im Welterbegebiet finden letzten freilebenden Bergwisente, eine Unterart des Europäischen Wisents, einen natürlichen Lebensraum. Der Kaukasische Bergwisent wurde erst vor rund 100 Jahren als eine neue Unterart des Wisents entdeckt. 40 Jahre später war dieser Wisent bereits ausgerottet. Durch ein ausgeklügeltes Rückzüchtungsprogramm konnte 1960 wieder eine Population im Westkaukasus ausgewildert werden. Doch dieser Erfolg wurde durch ungeregelte Jagd in der Umbruchzeit in den 1990er Jahren zunichte gemacht indem der Wisentbestand an seine untere Grenze gedrückt wurde. 80 Prozent der Tiere des Bestandes von 1990 wurden getötet.

Das Überleben der Bergwisente kann allerdings nur langfristig gesichert werden, wenn durch Forschungs- und Monitoringprogramme im Schutzgebiet weitere Erkenntnisse über diese Art gewonnen werden. Deshalb engagiert sich der NABU für die Umsetzung dieser Forschungsprogramme, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Welterbegebietes und der Akademie der Wissenschaften der Russischen Föderation durchgeführt werden. Das Wisentschutzprogramm wird von der Ursula Merz Stiftung gefördert.

Schutz der Nordmannstannenwälder
Die Nordmanntannenwälder haben eine außerordentlich wichtige landschaftsprägende und -schützende Funktion in den Bergen des Nordkaukasus. Sie stellen einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten dar, von denen viele in anderen Regionen sehr bedroht oder sogar schon ausgestorben sind. Der größte Teil der unberührten und unveränderten Nordmanntannenwälder ist in ihrer nordwestlichsten Verbreitung, in der Republik Adygea und Krasnodarer Kraj (Südrussland), erhalten geblieben. Diese Urwälder sind ein wichtiger Teil des Weltnaturerbegebietes Westkaukasus.

Mit der Unterstützung von Heidehofstiftung und Ursula Merz Stiftung werden Grundlagen für ein dauerhaftes Monitoring und den Schutz der Nordmanntannenwälder nicht nur innerhalb des Weltnaturerbegebietes sondern auch in den angrenzenden Nutzwäldern aufgebaut werden. Gleichzeitig werden Maßnahmen für eine nachhaltige Bewirtschaftung dieser Wälder angestoßen und unterstützt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die modellhafte Verknüpfung zwischen Naturschutz, Waldwirtschaft und Tourismus im Projektgebiet. Dadurch kann die ökologische Funktion der Nordmanntannenwälder, ihr ökonomisches Potential und die regionalen Umweltbedingungen erhalten werden.

Neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt und des Biotopverbundes trägt das Projekt zur Klima-Adaptation und Treibhausgasbindung bei, hat Beschäftigungseffekte für die lokale Bevölkerung und hilft, die Herkunft des Saatgutes für die Produktion von Weihnachtsbäumen, auch in Deutschland zu sichern.

Das Land
Die autonome Republik Adygea (von adygeisch Adyge: „die Edlen“) ist eine seit 1991 autonome Republik im südlichen Teil des europäischen Russlands und befindet sich im nordwestlichen Teil des Kaukasus. Der Norden des Landes gehört zur südrussichen Steppe und grenzt bis an den Fluss Kuban sowie die Millionenmetropole Krasnodar. Im Süden der Republik erheben sich die majestätischen Gipfel des Großen Kaukasus, die großflächig durch das UNESCO-Weltnaturerbegebiet Westkaukasus in ihrer Einzigartigkeit und Ursprünglichkeit geschützt sind. Wichtigste Flüsse der Landes sind Belaja und Laba. Die Republik Adygea ist vollständig von der Nachbarregion Krasnodar umgeben.
Landwirtschaft auf den fruchtbaren Schwarzerdeböden der im Norden der Republik gelegene Ebene und lebensmittelverarbeitende Industrie sind die wichtigsten Einkommensquellen der Republik.

Der südlichste Teil des Landes ist durch Mittel- und Hochgebirge geprägt. Die Bergwelt der Adygeischen Republik ist reich an natürlichen Attraktionen, die ein beliebtes Ziel für Touristen darstellen. Die Bergströme zwängen sich durch enge Täler; im Kalkstein des Hochplateaus Lago-Naki verbergen sich unzählige Karsthöhlen; einzigartige Urwälder sowie subalpine und alpine Wiesen bieten Großhirschen, Wisenten, Braunbären, Wölfen und Luchsen einen in Europa und Westasien einmaligen natürlicherhaltenen Lebensraum.

Ein bedeutender, bereits fast verschwundener Bestandteil der Kulturlandschaft stellen die tscherkessischen Gärten dar. Steinerne Zeugen der 6000 Jahre alten Hünengräberkultur können bis heute in den Tälern Adygeas bestaunt werden.

Bedrohung für die Natur
Die ökonomische Lage in Adygea, im Unterschied zu der benachbarten Region Krasnodar, bleibt schwierig. Die im nördlichen Umfeld des Weltnaturerbegebietes lebende Bevölkerung gehört so auch zu den ärmsten der Region und wird derzeit in keine Entwicklungsprogramme integriert, auch nicht im Hinblick auf die Olympische Spiele 2014. Soziale Not, wachsende wirtschaftliche Rückständigkeit, rückläufige Bevölkerungszahlen und ein verstärkter Druck auf die natürlichen Ressourcen sind die Folge.

Der ökonomische und politische Umbruch macht sich vor allem in abgelegenen Siedlungsräumen bemerkbar. Besonders betroffen sind die ohnehin benachteiligten Gebirgsregionen. In einigen Siedlungen beziehen nur 10 bis 30 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ein geregeltes Einkommen, da die Beschäftigungsstrukturen in Forstwirtschaft und Tourismus außerordentlich stark reduziert wurden. Die junge Generation wandert zum großen Teil ab. Andere versuchen, sich ungesetzlich ein Nebeneinkommen etwa durch Wilderei, illegalen Holzeinschlag oder unkontrollierten Tourismus zu schaffen.

Auf der anderen Seite hat in den letzten Jahren eine rege touristische Entwicklung eingesetzt. In den vergangenen Jahren hat sich der Nordwest-Kaukasus einschließlich Schwarzmeerküste von Anapa bis Sotschi zu einem der wichtigsten Urlaubsziele Russlands entwickelt. Diese Tatsache bedeutet eine große wirtschaftliche Chance für die Region, bringt jedoch Probleme mit sich, insbesondere in Naturschutzgebieten.

Kontakt
Wenn Sie fragen zu den Aktivitäten in Adygea haben oder die Arbeit des NABU mit einer Spende unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an:

Vitalij Kovalev
Stellvertretender Fachbereichsleiter Internationales
Leiter Kaukasusprogramm
E-Mail: Vitalij.Kovalev@NABU.de

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