NABU.de Themen Gentechnik Forschung Keine Gesprächsgrundlage am Runden Tisch

Kein Gehör am Runden Tisch

Kein Gehör am Runden Tisch

Bundesforschungsministerium verweigert ernsthaften Dialog zur Gentechnikforschung

Annette Schavan verteidigt einseitige Forschung.

Annette Schavan befürwortet einseitige Forschung.

07. Juli 2010 - Anlässlich des vierten Runden Tisches zur Pflanzengenetik am 7. Juli kritisieren NABU und der Deutsche Naturschutzring (DNR), dass sich das Bundesforschungsministerium einem ernsthaften Dialog mit der kritischen Zivilgesellschaft zum Thema Gentechnikforschung verweigert.

Die Umweltverbände DNR und NABU, der ökologische Lebensmittelverband BÖLW und der Wissenschaftler-Verband VDW hatten Bundesforschungsministerin Schavan bereits im September letzten Jahres ihre Anforderungen an eine ökologische Risikoforschung vorgelegt. Zu diesem Neun-Punkte-Katalog lag am dritten Runden Tisch eine Stellungnahme vor, in der das Ministerium all jene Forschungsansätze der Umweltverbände zurückweist, die sich mit den Risiken für Mensch und Natur auseinandersetzen. „Die Verbände haben ihre Forderungen wissenschaftlich begründet und hinterlegt. Dagegen setzt Bundesforschungsministerin Schavan Behauptungen, die mit keiner einzigen Quelle belegt werden”, sagte DNR-Vizepräsident und NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

3. Runder Tisch Genforschung

3. Runder Tisch Pflanzengenetik

So heißt es in der Stellungnahme, es sei nicht Aufgabe des Staates „die Nützlichkeit oder Erwünschtheit gefahrlosen gesellschaftlichen Handelns, wie die Erforschung und die Nutzung der Grünen Gentechnik, zu bewerten“. Laut Artikel 20a des Grundgesetzes ist es jedoch sogar Pflicht des Staates, die Allgemeinheit vor nicht vertretbaren Risiken und Gefahren zu schützen.

Des Weiteren geht aus der Stellungnahme hervor, das Ministerium könne die langfristigen und großflächigen Folgen des Anbaus gentechnisch veränderter Organismen (GVO) nicht erforschen, da es dazu keine methodischen Ansätze gäbe. „Diese Behauptung ist besonders dreist, da das Bundesforschungsministerium selbst den Verbund GenEERA gefördert hat, der zur großflächigen Verbreitung von genetisch verändertem Raps Modelle und Berechnungen entwickelt“, erklärte NABU-Gentechnikexpertin Steffi Ober. Nachdem das Projekt ausgelaufen sei, hätte das Ministerium einen Antrag auf Weiterführung dieser Forschungen abgelehnt.

Maiszünsler

Maiszünsler an Maispflanze

Eine weitere Behauptung sei, dass jeder GVO (gentechnisch veränderter Organismus) bei seiner Zulassung in Brüssel vollumfänglich geprüft sei. „Dies behauptet nicht einmal mehr die Europäische Zulassungskommission EFSA. Es ist fachlich unsinnig, da sich die Wissenschaft weiterentwickelt und neue Risiken und Erkenntnisse nie ausgeschlossen werden können“, so Ober. Zudem hätte laut Bundesforschungsministerium Gen-Mais keine Auswirkungen auf heimische Schmetterlinge. Einer aktuellen Untersuchung zufolge kann diese Behauptung jedoch nicht belegt werden, da die wenigen Studien hierzu kaum belastbar seien und die meisten Daten aus den USA stammten.

„Das Papier ist inhaltlich und formal vollkommen inakzeptabel“, so DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen. Statt sich wissenschaftlich mit dem Für und Wider der Argumente auseinanderzusetzen, bügele das BMBF alles ab oder antworte auf wichtige Punkte gar nicht. „Diese Form der Auseinandersetzung ist nicht wissenschaftsbasiert und ein deutliches Zeichen dafür, dass Frau Schavan nicht an einem ernsthaften Dialog interessiert ist. Wir sehen nach dieser Antwort keine Gesprächsgrundlage mehr“, so Röscheisen abschließend. Der DNR werde unter diesen Vorzeichen zukünftig nicht mehr am Runden Tisch teilnehmen.

Anmerkungen des BMBF zum Neun-Punkte-Papier der Umweltverbände (PDF)
Reaktion auf die BMBF-Anmerkungen zum Neun-Punkte-Papier (PDF)
Risiken der Agro-Gentechnik, Erläuterungen zum 9-Punkte-Katalog für eine ökologische Risikoforschung (PDF)

Für Rückfragen:

NABU-Gentechnikexpertin Dr. Steffi Ober
Tel. 0172-5254198

DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen
Tel. 0228-359005

Mehr zum Thema

Gentechnik gegen den Hunger/ NABU-StellungnahmeAgrarforschung in Industriehand

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereitet derzeit neue Agrarforschungsprogramme in Höhe von über 100 Millionen Euro vor. Bedacht werden allerdings vorwiegend Industrieinteressen, gesellschaftliche und ökologische Ansprüche werden weitestgehend ignoriert. mehr Mehr

Mitglied werden

 

NABU Regional

NABU Regional Schleswig-Holstein Hamburg Mecklenburg-Vorpommern Berlin Brandenburg Sachsen Sachsen-Anhalt Thüringen Bremen Nordrhein-Westfalen Hessen Saarland Baden-Württemberg Bayern Rheinland-Pfalz Niedersachsen
Niedersachsen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Baden-Württemberg
Bayern
Schleswig-Holstein
Hamburg
Berlin
Mecklenburg-Vorpommern
Brandenburg
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Hessen

Zentren
Schutzgebiete
Gruppen

 

Service

E-Cards

Versenden Sie ganz persönliche Naturgrüße an Freunde und Bekannte

NABU E-Cards

Podcasts

Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.

NABU Podcast zum Hören

NABU-Newsletter

Jeden Freitag neu - mit Terminen und Nachrichten aus Ihrer Region.

NABU-Desktopvorlagen

Verbandsnetz

Das gemeinsame Netzwerk für alle Aktiven in NABU, NAJU und LBV

NABU-Verbandsnetz

 

Naturschutzmacher

Naturschutzmacher (11)

Wir sind für den NABU aktiv. Mehr

 

Download

Faltblatt Agrogentechnik und Biodiversität

Broschüre zu Agrogentechnik und Biodiversität Mehr

 

Ökotextilien

Oekomode

Der NABU gibt Tipps für den Kauf von Mode ohne Gentechnik. Mehr