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Agrarforschung in Industriehand

Agrarforschung in Industriehand

Stellungnahme zur deutschen Agrarforschung

08. Juni 2010 - Angesichts der großen Herausforderungen wie Klimawandel, Welternährung und Verlust der biologischen Vielfalt ist eine Praxisänderung in der Landwirtschaft dringend erforderlich. Doch finden bisherige Lösungsvorschläge oftmals kein Gehör. Anlässlich des Runden Tisches Pflanzengenetik erfolgt eine Bestandsaufnahme der Agrar- und Pflanzenforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). NABU, Deutscher Naturschutzring (DNR), Bund Ökologischer Lebensmittelgemeinschaft (BÖLW) und Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) beziehen Stellung.

Baumwollerntemaschine

Baumwollernte in Afrika: Unser westlicher Lebensstil beeinflusst maßgeblich die Landnutzung in anderen Teilen der Welt.

Landnutzung muss verschiedensten Anforderungen gerecht werden

Die Position der Verbände nimmt Stellung zu der Frage, wie eine Agrar- und Nutzpflanzenforschung ausgerichtet sein sollte, die zu einer natur- und sozialverträglichen sowie standortgerechten Landnutzung beiträgt und gleichzeitig den gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen an landwirtschaftliche Produktion gerecht wird. Trotz des politischen Ziels, den Hunger in der Welt zu bekämpfen und 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, sind wir weit davon entfernt. Auch reichen die vorgestellten Lösungsansätze bei weitem nicht aus. Vielmehr werden grundsätzliche Konflikte um Lebensstil und Landnutzung, die aus der steigenden Weltbevölkerung, Klimawandel, Ressourcenknappheit und ungebremsten Energiehunger entstehen, weitestgehend verschleiert.

Die derzeitige Forschungspraxis begünstigt die Industrie

Das BMBF bereitet derzeit neue Agrarforschungsprogramme mit einem Budget von weit über 100 Millionen Euro vor. Es setzt dabei auf Vorschläge des industrienahen BioÖkonomierats der von Industrieinteressen (RWE, BASF, Dow Chemical) dominiert wird und die Gentechnik favorisiert. Ressourcenschonende, nachhaltige Technologien und Forschungsansätze des Ökologischen Landbaus werden dabei verdrängt und deren Innovationspotential nicht berücksichtigt. Dabei sind es systemische Ansätze, die die komplexen Probleme der Landwirtschaft weit effizienter lösen würden, als einseitig technologieorientierte Ansätze, die zumeist eine Reihe neuer Probleme verursachen.

„Business as usual" ist keine Option

Bohnen

Forschung bei der Pflanzenzüchtung kann einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten.

Es fehlt in Deutschland ein ressort- und institutionenübergreifendes Konzept einer systemischen Agrarforschung, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte für Forschung und Entwicklung der Landwirtschaft und Landnutzung zusammendenkt. Wichtig dafür wären neue Strukturen sowohl in der Entwicklung und Ausschreibung der Förderprogramme als auch auf Seiten der Wissenschaft, die dazu mit ihren Kompetenznetzwerken beitragen müsste.

Wohl wissend und auch durchaus schätzend, dass das BMBF eine anwendungsorientierte Forschung fördert, die einen konkreten Praxisbezug hat, sieht der NABU doch einen Mangel in diesem Ansatz, wenn der Praxisbezug des Forschungsministeriums sich vorwiegend auf Industriekooperationen reduziert.

Gerade die Züchtungsforschung für den Ökolandbau und für Arten und Sorten mit geringerer Industrierelevanz und Flächeninanspruchnahme, sowie Forschung für integrierte Systeme von Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Tierhaltung oder für Lebensstilwandel erfährt in der Praxis des BMBF eine zu geringe Beachtung.

Gesamte Stellungnahme zum Download

Stellungnahme zur Bestandsaufnahme der Agrar- und Pflanzenforschung des BMBF (PDF)

Einzelpräsentationen

Agrogentechnik & Forschung I - Bestandsaufnahme (PDF)

Agrogentechnik & Forschung II - Ökologische Sicherheitsforschung (PDF)

Agrogentechnik & Forschung III - Politische Steuerung (PDF)

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