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Alte Sorten sollen wegen Gen-Weizen umziehen
Seehofer-Behörde setzt voll auf Täter-Schutz
Alte Kulturpflanzensorten sollen wegen Gen-Weizen umziehen
Weizen
15. März 2007 Die Genbank für Kulturpflanzen im sachsen-anhaltinischen Gatersleben ist eine der größten ihrer Art weltweit. Hier werden die Samen von rund 150.000 alten und neuen Kulturpflanzen-Sorten für die Nachwelt erhalten. Um die Keimfähigkeit zu bewahren, müssen viele dieser Sorten - unter anderem Weizen aller Art - regelmäßig immer wieder auf speziellen Vemehrungsäckern ausgesät werden, so dass frisches Saatgut geerntet werden kann.
Nu hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) den Eigentümer der Genbank, das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), aufgefordert, die Vermehrungsflächen zu verlagern. Grund: Das BVL hatte bereits im November einen Freisetzungsversuch von gentechnisch verändertem Weizen in unmittelbarer Nähe zu den Vermehrungsfläche genehmigt. Und nun bekommt man doch langsam kalte Füße. Die Gefahr von "Auskreuzungen" der Gen-Pflanzen in die alten Weizensorten sei halt nicht vollständig auszuschließen, so ein BVL-Sprecher.
Weizenblütenstand
"Die Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer unterstellte Behörde widerspricht sich selbst und liefert damit einen absurden Schildbürgerstreich", kommentiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke die Umzugsaufforderung. Erst genehmigt man den Anbau von genmanipulierten Pflanzen, um dann zu betonen, dass man das Risiko durch die Gen-Pflanzen für nicht beherrschbar hält. Sollen also demnächst alle Bauern umziehen, wenn das BVL eine Freisetzung von Gen-Pflanzen in der Nähe ihrer Felder genehmigt? "Minister Seehofer muss diesem Treiben rasch Einhalt gebieten und sich endlich für einen glaubwürdigen Schutz von Natur und Verbrauchern vor der Agro-Gentechnik einsetzen", so Tschimpke weiter.
Der NABU hatten den Anbau des Gen-Weizens am Standort Gatersleben von Anfang an kritisiert. Nicht nur Hamster und Mäuse können zwischen den verschiedenen Kulturen hin- und herwandern, sondern es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass der Gen-Weizen in die alte Sorten der Genbank einkreuzt. Obwohl rund 30.000 Einwendungen von Bürgern, Verbänden und Lebensmittelhändlern gegen den Anbau des genmanipulierten Weizen an das BVL übergeben worden sind, hatte die Behörde dem riskanten Vorhaben zugestimmt.
Für Rückfragen:
Dr. Steffi Ober
NABU-Gentechnikexpertin
Tel. 01 77-3 02 77 18
Weitere Infos zum Genweizenanbau in Gatersleben

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