NABU.de Themen Flüsse Hochwasser

Hochwasserschutz braucht Fläche

Länder setzen zu sehr auf technischen Schutz und Abtrennung der Flüsse

Hochwasser

Genug Platz für Wasser kann die größten Hochwasserwellen abschwächen.

Angesichts der ersten Hochwasser-Warnstufe in Dresden und der Vorhersagen für neue Niederschläge am Wochenende hat der NABU die weiter bestehenden Mängel im Hochwasserschutz an Deutschlands Flüssen kritisiert. "Auch sechs Jahre nach der großen Elbeflut wird vielerorts immer noch zu häufig auf den rein technischen Hochwasserschutz gesetzt. Das Wasser steigt und die dringend notwendigen Rückhalteflächen in der Aue stehen immer noch nicht ausreichend zur Verfügung", bilanzierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke die Hochwasserpolitik vieler Bundesländer.

Mit der Abtrennung großer Flüsse von ihren Auen durch Deiche bleiben die natürlichen Rückhalteräume für Hochwasser größtenteils weiterhin verloren. Damit steigt die Gefahr, dass die Hochwasserwellen der Nebenflüsse mit der Welle des Hauptstroms zusammentreffen und so ein "Jahrhunderthochwasser" im Unterlauf des Flusses entsteht. "Renaturierte Auen sind ein nicht zu unterschätzender Hochwasserschutz für die Menschen an unseren Flüssen. Je größer der Wasserspeicher, desto geringer die Gefahr, dass der Regen zu schnell in die Flüsse gelangt und bedrohliche Hochwasserwellen entstehen", so Tschimpke.

Überschwemmte Auenwiese

Renaturierte Auen sind ein nicht zu unterschätzender Hochwasserschutz.

Laut Bundesumweltministerium sind 80 Prozent unserer Fließgewässer durch Schifffahrt, technischen Hochwasserschutz, Wasserkraft und Landwirtschaft so stark verändert, dass nur noch etwa 15 bis 20 Prozent der natürlichen Auen erhalten geblieben sind. Daher ist es dringender denn je, den ökologischen Umbau unserer Wasserstraßen voranzutreiben. Technischer Schutz wie Flutmauern sind zwar lokal notwendig, die dauerhafte Verbesserung der natürlichen Wasserrückhaltefähigkeit ist jedoch nur durch den Anschluss alter Rückhalteräume sowie durch die ökologische Anpassung der landwirtschaftliche Nutzung in den Flusseinzugsgebieten zu erreichen.

Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dem 2005 erlassenen Bundesgesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes und den Vorgaben der Strategie zur Biologischen Vielfalt, sind nur erste Schritte für einen nachhaltigen Hochwasserschutz getan. "Die Zukunft des Hochwasserschutzes muss in der Ökologisierung der Flüsse und ihrer Einzugsgebiete liegen. Wenn an Flüssen mit öffentlichen Geldern gebaut wird, dann nur im Einklang mit dem vorbeugenden Hochwasserschutz", so der NABU-Präsident.

Für Rückfragen:
Magnus Herrmann
NABU-Wasserexperte
Tel. 030-28 49 84-1618

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Beitrag erstellt am 23. Januar. 2008.

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