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NABU lehnt weitere Elbvertiefung ab

NABU lehnt weitere Elbvertiefung ab

Fluss droht endgültig zum Wirtschaftskanal zu verkommen

Elbe

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19. März 2007 - Anlässlich des am Mittwoch beginnenden Planfeststellungsverfahrens hat der NABU seine ablehnende Haltung gegenüber der geplanten Elbvertiefung bekräftigt. "Durch die Vertiefung des Elbfahrwassers auf 136 Kilometer Länge wird die Elbe ökologisch weiter zerstört und zu einem Wirtschaftskanal verkommen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Der NABU fordert ein gesamtnorddeutsches Hafen- und Küstenkonzept für Mensch und Natur, das auch den laufend steigenden Meeresspiegel berücksichtigt. Irreparable Schäden für Natur und Umwelt und verstärkte Hochwassergefahren sprechen gegen eine weitere "Fahrrinnenanpassung".

Gemeinsam mit den Vorsitzenden der NABU-Landesverbände Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein übte der NABU-Präsident scharfe Kritik an dem Vorhaben: "Bei einem Elbeausbau werden erneut Millionen von Steuergeldern zu Gunsten der Hamburger Hafenwirtschaft umgeschichtet. Das Ausbaggern der Fahrrinne und die dadurch entstehenden Folgekosten für den Hochwasserschutz bezahlen wir alle gemeinsam." In welchem Ausmaß durch die Elbvertiefung zusätzliches Geld in die Kassen Hamburgs gespült werde bzw. bei Nichtrealisierung Hamburg verloren gehe, sei bislang öffentlich nicht belegt worden. Ohne eine solche Bilanzierung sei die Aussage, der Hamburger Hafen würde dramatisch an Bedeutung verlieren, nicht nachvollziehbar.

Ausbaggerungsarbeiten an der Elbe

Ausbaggerungsarbeiten an der Elbe

Bevor Deutschlands größtes Flussmündungsgebiet mit seinen einzigartigen Naturräumen weiter zerstört wird, forderte der NABU darzulegen, ob das Großprojekt volkswirtschaftlich sinnvoll ist. In einem gesamtnorddeutschen Hafen- und Küstenkonzept müsse geprüft werden, ob sich die volkswirtschaftlichen Interessen der Elbvertiefung nicht auch mit einem Ausbau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven verwirklichen ließen, so Tschimpke.

Hans-Jörg Helm, Vorsitzender des NABU Niedersachsen ergänzte die Kritik: "Der vorgezogene Maßnahmenbeginn im jetzigen Verfahren ignoriert die bisherigen Schäden an den Deichen zwischen Hamburg und Cuxhaven." Nun solle sogar noch 50 Zentimeter tiefer als bisher geplant ausgebaggert werden. "Wir fordern, dass zum Beispiel das Vordeichsgebiet bei Otterndorf bis 500 Meter und die zwei Meter betragenden Abspülungen unter Wasser umgehend zu reparieren sind. Der ökologische Zustand der Elbe von 1998 muss sofort wieder hergestellt werden. Wir haben eine Petition an den Deutschen Bundestag erarbeitet, die heute abgesandt wird. Wir appellieren an alle betroffenen Menschen, sich der Petition anzuschließen und ihre eigenen Argumente hinzuzufügen. Der NABU fordert den Bundestag auf, die Gelder für eine Elbvertiefung nicht freizugeben. Das Land Niedersachsen darf sein Einvernehmen nicht erteilen, denn eine weitere Vertiefung ist nicht genehmigungsfähig", so Helm.

Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein fügte hinzu: "Eine Lösung der ökologischen und ökonomischen Fragen kann nur in einer Gesamtbetrachtung des Unterelberaumes gefunden werden. Hierbei müssen die aktuellen wie die aus früheren Eingriffen resultierenden Probleme ergebnisoffen dargestellt, diskutiert, bewertet und auf dieser Basis notwendige Maßnahmen gebündelt angegangen werden. Der bislang unterbliebene vollständige Ausgleich für frühere Eingriffe ist endlich durchzuführen. Ziel muss es sein, für die Elbe als EU-rechtlich geschütztem Lebensraum einen deutlichen Gewinn an Qualität zu erreichen."

"Auf der Elbinsel Pagensand, unserem ältesten Betreuungsgebiet, können wir sehr gut die Auswirkungen der letzten Elbvertiefung von 1999 beobachten", erläuterte Rolf Bonkwald, Vorsitzender des NABU Hamburg. "Seitdem haben massive Uferabbrüche mit starkem Landverlust auf der Stromseite und auf der anderen Seite der Insel zu einer zunehmenden Verschlickung des Seitenarms geführt." Dies sei auf die erhöhte Strömungsgeschwindigkeit und Änderung des Sedimenttransports infolge der Elbvertiefung von 1999 zurückzuführen. Davon negativ betroffen sind auch die aufgrund ihrer Artenvielfalt ökologisch wertvollen Flachwasserzonen entlang der Elbe. Als Wasserspeicher und Retentionsraum dämpfen sie den Tidenhub. Darüber hinaus verstärkt eine Vergrößerung des Tiefenwasserkörpers das regelmäßig im Sommer auftretende Sauerstoffloch in der Elbe im Westen von Hamburg. Es droht ein vermehrtes Fischsterben.

Der NABU wies abschließend darauf hin, dass die Beweissicherung der letzen Elbvertiefung noch nicht abgeschlossen ist und bis 2014 läuft. Die langfristigen Folgen der Elbvertiefung von 1999 seien noch nicht absehbar. Es habe sich aber gezeigt, dass die Planer nicht die tatsächlichen Folgen abschätzen und vorhersagen konnten. Die Ausmaße der nun geplanten Maßnahmen seien deutlich größer. Statt 14 Millionen Kubikmeter Baggergut sollten nun zwischen 32 bis 40 Millionen Kubikmeter bewegt werden. "Wenn schon das Flusssystem nach dem kleineren Eingriff aus dem Ruder läuft - wie wollen die Planer sicherstellen, dass die Elbe bei der nächsten Vertiefung nicht komplett aus den Fugen gerät?", so die NABU-Repräsentanten abschließend.

Für Rückfragen:
Bernd Quellmalz, NABU Hamburg, Tel. 040-69708912, mobil 0162-3836462
Ulrich Thüre, NABU Niedersachsen, Tel. 0511-9110527
Ingo Ludwichowski, NABU Schleswig-Holstein, Tel. 04321-953073

mehr NABU-Petition zur Elbvertiefung (PDF, 105 KB)

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