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Ressourcen schonen beim Sanieren

Ressourcen schonen beim Sanieren

4. Treffen des NABU-Dialogforums zur energetischen Sanierung

Am 7. Juni 2011 veranstaltete der NABU das vierte Treffen des Dialogforums „Klima- und Ressourcenschutz im Gebäudebestand“. Rund 30 Experten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft waren dazu in die Bundesgeschäftsstelle des NABU gekommen. Das Schwerpunktthema der Sitzung lautete „Gebäudesanierung mit Blick auf Stoffströme und Lebenszyklus-Bilanz“.

Dialogforum Juni 2011

Welche Dämmstoffe sind energie- und ressourcenschonend? Darum ging es beim Dialogforum.


NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller eröffnete die Sitzung und begrüßte die Gäste. Er wies auf den Bezug zu den aktuellen energiepolitischen Beschlüssen der Bundesregierung hin: Das Erdgas, das durch energetische Sanierung nicht mehr zum Heizen gebraucht werde, könne im Übergang von Kohle und Atom zu erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung genutzt werden. Und die CO2-Emissionen, die im Stromsektor durch den beschleunigten Atomausstieg womöglich vorübergehend steigen, könnten und müssten im Wärmesektor eingespart werden.

Der Bundesgeschäftsführer des NABU erläuterte kurz, was seit der letzten Sitzung des Dialogforums geschehen war. Das dritte Treffen des Dialogforums am 17. März hatte sich dem Thema „Gute Information und Beratung zur energetischen Sanierung“ gewidmet. Kurz danach sei ein weiteres Netzwerk und Internetportal zertifizierter Energieberater ins Leben gerufen worden, dessen Kriterien jedoch leider nicht mit existierenden Portalen wie www.energieberater-2020.de kompatibel seien. Dies zeige, dass der – auf der Sitzung identifizierte – Bedarf nach einheitlichen und überregional verfügbaren Orientierungsinformationen wie Checklisten für Beratungsgespräche und eben qualitätsgesicherte Anbieterlisten aktuell bleibe. Der NABU dränge – als Konsequenz aus der vergangenen Sitzung – bei der aktuellen Novellierung der EU-Richtlinie für Energieeffizienz darauf, dass jegliche darin vorgesehenen Listen von Beratern bzw. Anbietern qualitätsgesichert sind.

Dialogforum Juni 2011

Am Rande des Treffens ergaben sich zahlreiche angeregte Gespräche.

Leif Miller betonte, dass der Fokus der heutigen Sitzung nicht auf den Energieeinspareffekten von Sanierungsmaßnahmen liege. Vielmehr gehe es um eine Gesamt-Ökobilanz von Sanierungsstrategien. Dabei würden aus pragmatischen Gründen vorrangig die Dämmung der Gebäudehülle betrachtet, auch wenn bei der energetischen Sanierung selbstverständlich auch die Modernisierung der Anlagentechnik relevant sei.

Der Moderator der Veranstaltung, Dr. Frank Claus von IKU – Die Dialoggestalter, erläuterte im Anschluss den Programmablauf des Abends und bat dann Reinhard Kaiser vom Bundesumweltministerium um eine Einführung in das Themenfeld „Ressourcenschutz bei der energetischen Sanierung“. Zunächst machte Reinhard Kaiser deutlich, dass Baumaterialien sowohl beim Ressourceneinsatz als auch beim Abfallanfall den Löwenanteil ausmachten. Die Stoff- und Energieströme gelte es transparent zu machen. Prinzipiell gebe es, so Kaiser, keine richtigen oder falschen Bau- und Dämmstoffe, es komme auf den richtigen Einsatz an. Dementsprechend könne auch keine Empfehlung für den einen, in jedem Anwendungsfall optimalen Dämmstoff ausgesprochen werden. Was es brauche, seien Benchmarks und einfach verfügbare Übersichten, die dem Verbraucher klare Hinweise geben, welche Dämmstoffe jeweils die optimale Gesamt-Ökobilanz aufweisen. Schließlich mangele es nicht an Fachkenntnissen und guten Beispielen – sondern an deren Zugänglichkeit und Anwendung in der Praxis.

Dialogforum Juni 2011

Die Sitzung bot zahlreiche Gelegenheiten für fachlichen Austausch und Kontakte.

Anschließend stellten sich Dagmar Fritz-Kramer von der Firma Baufritz und Prof. Hans-Volker Huth vom Steinbeis Forschungszentrum für umweltbewusstes Bauen und Baustoffe einem Zwiegespräch zu „Zielkonflikten beim Dämmen zwischen Wirksamkeit und Ressourcenverbrauch“. Beide waren sich weitgehend einig darin, dass Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zahlreiche Vorteile aufweisen. So ist hier der Energieaufwand bei Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung (der so genannte graue Energieverbrauch) meist deutlich geringer als bei konventionellen Dämmstoffen auf Basis von mineralischen Rohstoffen oder Erdöl. Auch die Gesundheitsverträglichkeit und Wiederverwertbarkeit sei besser. Trotzdem hätten Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen nur einen Marktanteil von fünf Prozent, da sie teurer, weniger verfügbar und weniger bekannt seien als herkömmliche Dämmstoffe, erläuterte Prof. Hans-Volker Huth. Zudem gebe es in puncto Druckfestigkeit und Brandschutz Einschränkungen in bestimmten Einsatzfeldern wie die Perimeterdämmung gegen das Erdreich oder die Fassadendämmung im Hochbau. Deshalb sei auf absehbare Zeit mehr als 20 Prozent Marktanteil für „Öko-Dämmstoffe“ nicht denkbar. Ein gesellschaftlicher Umstieg auf 100 Prozent Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sei völlig unrealistisch – nicht zuletzt weil dann massive Nutzungskonkurrenzen und Verfügbarkeitsprobleme zu erwarten seien. Mit Blick auf die konventionellen Dämmstoffe gehe es daher nicht um eine komplette Substitution, sondern um deren Optimierung in Bezug auf den grauen Energieaufwand sowie intelligente Baukonstruktionen, so Dagmar Fritz-Kramer.

Der dritte Input für die Diskussion kam von Michael Heide, Geschäftsführer der Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe zu den Leitfragen „Was geschieht am Ende des Lebenszyklus? Welche Dämmstoffe können wie weiterverwendet werden?“ Zentrale Aussage seines Vortrags war: Die Wiederverwertbarkeit jedes Dämmstoffs hängt von zahlreichen Variablen wie Art des Bauteils (Außenwand, Trennwand, Dach), Form der Verwendung (Matten, Platten, Schüttung) oder Art der Befestigung (lose, mechanisch, verklebt) ab. Wärmedämm-Verbundsysteme seien beispielsweise besonders aufwändig zu erfassen und zu recyclen. Pauschale Aussagen wie „alle Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen sind leicht wiederverwertbar“ gingen an der differenzierten Realität des Dämmstoffeinsatzes vorbei. Wichtig sei daher nicht nur der jeweils optimale Dämmstoffeinsatz, sondern auch Baukonstruktionen, die die Wiederverwertbarkeit fördern. Generell gelte: Was über thermische Verwertung hinausgeht, ist derzeit meist technisch anspruchsvoll, energieintensiv und teuer. Daher sei auch die Verbrennung eine akzeptable Option, so Michael Heide.

Nach einem Imbiss bat Dr. Frank Claus die Anwesenden, fünf zentrale Thesen der bisherigen Beiträge zu bewerten. Mithilfe einer elektronischen Abstimmung konnte so schnell ein Stimmungsbild sichtbar gemacht und weiterer Diskussionsbedarf identifiziert werden. Das Ergebnis ist im dem pdf-Dokument unten zu sehen.

Auf der Grundlage dieses Stimmungsbildes eröffnete Dr. Frank Claus die abschließende Talkrunde. Gäste waren Heidrun Bluhm MdB, bau- und wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Klaus Zahn, Architekt, Auditor und Baubiologe sowie Ulf Sieberg, Referent für Energieeffizienz und Gebäudesanierung beim NABU-Bundesverband. Die Bundestagsabgeordnete Heidrun Bluhm MdB nutzte die Gelegenheit, die anwesenden Experten zu befragen. Unter anderem wollte sie wissen, wie die für 2012 angekündigte Verschärfung der Sanierungsvorgaben in der EnEV zu bewerten sei. Klaus Zahn plädierte für ein langsameres Tempo bei der Anhebung von Energieeffizienzstandards, um keine baubiologisch bedenklichen Dämmstoffe einsetzen zu müssen. Stattdessen solle man warten, bis geeignete technische Lösungen breiter verfügbar seien. Ulf Sieberg plädierte für einen ehrgeizigen Sanierungsfahrplan, der vom Ziel her gedacht ist: eine fast vollständige Vermeidung der Treibhausgasemissionen aus dem Gebäudesektor bis 2050. Dabei zudem die umfassende Umweltbilanz von Dämmstoffen und Sanierungsmaßnahmen zu berücksichtigen, sei die große Herausforderung. In der Plenumsdiskussion wurde immer wieder die Forderung geäußert, die Nutzerperspektive einzunehmen und individuelle, flexible Sanierungslösungen zu ermöglichen. Denn wann beispielsweise ein Ersatzneubau besser geeignet sei als eine Komplettsanierung im Bestand, lasse sich nie pauschal beantworten. Das hänge von Aspekten wie Materialströme, Ästhetik, Gesundheitsschutz, Wohnkomfort und natürlich Energieeffizienz ab.

Elmar Große Ruse vom NABU fasste zum Abschluss zusammen, was der NABU aus der Sitzung mitnehme: Energieeffizienz müsse zwar das zentrale – dürfe aber nicht das einzige Kriterium bei der Bewertung von Sanierungsmaßnahmen sein. Wie darüber hinausgehende Kriterien wie Gesundheitsschutz, Ressourcenverbrauch bei der Herstellung oder Wiederverwertbarkeit zusätzlich zu berücksichtigen seien, bleibe jedoch noch unbeantwortet. Hier sehe der NABU weiteren Diskussionsbedarf, inwiefern sich ergänzende Förderkriterien oder -zuschüsse, ordnungsrechtliche Vorgaben oder Anstrengungen bei Forschung und Ausbildung eigneten, Sanierungsmaßnahmen so zu steuern, dass die Gesamt-Öko-Bilanz optimiert wird. Elmar Große Ruse wies auf die nächste Sitzung des Dialogforums am 26.10. hin, bei der es um Eckpfeiler einer Gesamtstrategie für die energetische Gebäudesanierung gehen solle: Wie müssen finanzielle Förderinstrumente, ordnungsrechtliche Vorgaben und Beratungsangebote mit einander kombiniert werden, um Klima- und Ressourcenschutz im Gebäudebestand zu maximieren?

Elmar Große Ruse dankte den Gästen zum Abschluss für die engagierte Beteiligung und lud zu einem Ausklang bei Getränken und Gesprächen ein.

Weitere Informationen:

NABU-Dialogforum „Klima- und Ressourcenschutz im Gebäudebestand“ - Thesen
Was geschieht am Ende des Lebenszyklus? Welche Dämmstoffe können wie weiterverwendet werden? - Dipl.-Ing. Michael Heide Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V.
Um was geht es bei der Gebäudesanierung – aus Sicht der Ressourceneffizienz? - Reinhard Kaiser Leiter der Unterabteilung WA III: Ökologische Ressourceneffizienz, Bodenschutz
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