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Klimaschutzstrategien im Wärmemarkt
Klimaschutzstrategien im Wärmemarkt
„Schlafender Riese“ im Zentrum des NABUtalks am 11. Februar
16. Februar 2009 - Die Abhängigkeit von unsicheren Erdgasimporten, die aktuelle Wirtschaftskrise und ein sich verschärfender Klimawandel – all diese Probleme hängen auch mit der Frage zusammen, wie effizient wir Wohnungen und Bürogebäude heizen, ob wir unsere Häuser dämmen und auf Erneuerbare Wärmequellen umsteigen. Daher hat der NABU mit rund 50 ausgewählten Vertretern aus Politik, Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien über Potenziale und Strategien für Klimaschutz im Wärmesektor diskutiert.
Der Wärmemarkt wird oft als „schlafender Riese“ bezeichnet, weil das enorme Potenzial für Energieeinsparung und Klimaschutz durch Gebäudedämmung, moderne Heizungssysteme und Erneuerbare Energien bislang kaum genutzt wird. Warum werden die Einsparmöglichkeiten durch Sanierungen im Gebäudebestand bisher nur unzureichend ausgeschöpft? Wie können Fördermaßnahmen und neue Standards besser miteinander verknüpft werden? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des NABUtalk am 11. Februar 2009 in Berlin.
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller begrüßte die Gäste in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund. Dabei stellt er die Frage in den Raum, ob die durchaus begrüßenswerten Investitionen in die energetische Gebäudesanierung im Rahmen des aktuellen Konjunkturpakets ausreichend seien, die Klimaschutzpotenziale im Wärmemarkt zu heben.
Im Anschluss formulierte Carsten Wachholz, NABU-Referent für Energiepolitik und Klimaschutz, die aus NABU-Sicht vier zentralen Strategien für mehr Klimaschutz im Wärmemarkt: Den Heizungsbedarf durch Wärmedämmung verringern, bestehende fossile Heizungstechnik energetisch modernisieren, Erneuerbare Energien wie Solarthermie, Erdwärme und Biomasse verstärkt nutzen sowie Netze für die Nah- und Fernwärmeversorgung ausbauen. Er stellte dabei klar, dass für die verschiedenen Teilsektoren des Wärmemarkts jeweils passgenaue Lösungen identifiziert werden müssten. Der Fokus müsse dabei auf dem Gebäudebestand liegen, der allein zahlenmäßig deutlich bedeutsamer sei als der Neubaubereich. Mit dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) habe der Bundestag neue Rahmenbedingungen im Wärmesektor beschlossen, die ab 2009 in Kraft treten. Dennoch blieben die Herausforderungen immens, um die Klimaschutzpotenziale in der Praxis auch tatsächlich zu erschließen.
Prof. Dr. Manfred Kleemann
Höhere Subventionen für Sanierungsmaßnahmen
Prof. Dr. Manfred Kleemann vom Beratungsbüro für Energieeffizienz und Umweltschutz legte mit seinem Vortrag die Grundlagen für die folgende Diskussion. Er gab einen Überblick zur Bedeutung und Struktur des Wärmemarktes sowie bestehende Einsparpotenziale. Anschließend analysierte er die bisherigen Klimaschutzanstrengungen. Sein Fazit: Das bisherige Modernisierungstempo sei viel zu gering – so würden die Klimaschutzziele nicht erreicht. Haupthemmnisse seien Informations- und Motivationsdefizite sowie wirtschaftliche Gründe. Notwendig seien daher eine deutlich bessere Information der Verbraucher und eine höhere finanzielle Förderung von Sanierungsmaßnahmen.
Ersetzen veralteter Heizungsanlagen oft schnell und kostengünstig möglich
Auf die Frage nach dem am Ende der Wahlperiode zentralen verbleibenden Handlungsbedarf im Wärmemarkt nannte Dr. Maria Flachsbarth MdB, CDU-Vertreterin im Umweltausschuss des Bundestags, das ungelöste Mieter-Vermieter-Dilemma. Man habe noch keine Lösung gefunden, wie Vermieter Investitionen in Heizungssanierung und Wärmedämmung refinanzieren könnten, ohne dass Mieter durch eine Kostenumlage unangemessen belastet würden.
Manfred Greis, Generalbevollmächtigter der Viessmann Werke, erläutert Einsparpotenziale durch den Austausch alter Anlagen.
Manfred Greis, Generalbevollmächtigter der Viessmann Werke, betonte das Klimaschutzpotenzial durch den Austausch existierender fossil befeuerter Heizungsanlagen. In vielen Fällen sei der Ersatz einer veralteten Öl- oder Gasheizung durch eine hocheffiziente moderne Anlage mit Brennwerttechnik –ergänzt durch Solarkollektoren auf dem Dach – die Einsparmaßnahme, die kurzfristig und kostengünstig umsetzbar sei.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke plädierte für einen weiteren Ausbau von Wärmenetzen. In größeren Einheiten könne Energie oft wesentlich effizienter erzeugt und gespeichert werden – zudem ließe sich Wärme aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung und Industrieprozessen effizient nutzen.
Erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen miteinander verknüpfen
Die weitere Diskussion mit den zahlreichen Experten auf dem Podium und im Publikum behandelte v.a. die attraktivere Gestaltung der staatlichen Förderprogramme, eine bessere Information, Beratung und Motivation von Hauseigentümern und Mietern sowie die Frage ordnungsrechtlicher Vorgaben. Hier wurden vor allem die geringen Anforderungen für Bestandsbauten diskutiert. Einige Gäste forderten höhere Effizienzstandards und eine Nutzungspflicht für Erneuerbare Energien auch bei Sanierungen im Gebäudebestand. Andere befürchteten, dass Sanierungsmaßnahmen dadurch noch weiter aufgeschoben würden.
Dr Rips, Präsident des deutschen Mieterbundes, forderte mehr Transparenz über den Wärmebedarf von Wohnungen.
Sowohl im Bestand als auch beim Neubau seien ohnehin nicht das Anforderungsniveau das Problem, sondern die mangelnde Qualität in der Umsetzung und fehlende Kontrollen der Vorgaben.
Der NABU plädierte dafür, auch im Bestand anspruchsvolle Einsparvorgaben zu machen und gleichzeitig eine möglichst flexible, kostengünstige Umsetzung dieser Standards zu ermöglichen. Dabei sollten Effizienzmaßnahmen und der Einsatz Erneuerbarer Energien nicht länger gegeneinander ausgespielt, sondern sinnvoll miteinander verknüpft werden.
Downloads:
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Vortrag NABU-Energieexperte Carsten Wacholz
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Vortrag Dr. Manfred Kleemann vom Beratungsbüro für Energieeffizienz und Umweltschutzmaßnahmen
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Flyer NABUtalk am 11. Februar 2009 in Berlin
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