NABU.de Themen Energie Atomkraft Boom bei Ökostromanbietern
Steigendes Wechselfieber in Deutschland
Atomdesaster in Krümmel und Brunsbüttel zeigt Folgen
Die Nachfrage nach Ökostrom steigt.
18. Juli 2007: Das Atomdesaster in Krümmel und Brunsbüttel zeigt Folgen. Der Stromanbieterwechsel in Deutschland wird endlich Alltag. Unter dem Eindruck der Reaktorhavarien in Krümmel und Brunsbüttel verliert vor allem der Vattenfall-Konzern immer mehr Kunden an Ökostrom-Anbieter. Der Zulauf dort erreicht in diesen Tagen Rekordwerte. Auch provozierende Preiserhöhungen und die Ankündigung der Konzerne, trotz des sich beschleunigenden Klimawandels eine neue Generation Kohlendioxid-intensiver Kohlekraftwerke zu bauen, heizt das Wechselfieber in Deutschland an. Darauf hat die Initiative "Atomausstieg selber machen", ein Bündnis aus Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-AKW-Initiativen hingewiesen und die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, jetzt über den massenhaften Wechsel zu Ökostromanbietern unmittelbar Einfluss auf die Geschäftspolitik der Stromkonzerne zu nehmen.
Störfall in Krümmel bleibt nicht ohne Folgen.
"Unser Ziel ist es, jetzt über die Macht der Stromverbraucher den Ausstieg aus der Atomenergie und den Einstieg in eine umwelt- und klimaverträgliche Energiezukunft zu beschleunigen. Die Abkehr von den Monopolkonzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW darf nicht bei den privaten Haushalten stehen bleiben. Sie muss Behörden, Gewerbetreibende und Unternehmen erfassen. Sie alle sind direkt oder über Stadtwerke, an denen die großen Vier Beteiligungen halten, Kunden der großen Vier; sie alle müssen es nicht bleiben."
Alle vier von dem Aktionsbündnis empfohlenen Ökostromanbieter verzeichnen in jüngster Zeit Rekordzuwächse bei der Kundenentwicklung. Die Öko-Energiesparte Greenpeace energy der Hamburger Umweltaktivisten freut sich über steigenden Zulauf. "Wir verzeichnen ein deutlich erhöhtes Vertragsaufkommen in den Versorgungsgebieten von Vattenfall. Dieser Skandal ist für viele Verbraucher der Anlass, mit Ihrem Wechsel zu Ökostrom endlich aktiv etwas gegen Atomkraft zu unternehmen" sagt Robert Werner, Vorstand von Greenpeace energy. "Der letzte Monat war der stärkste seit Gründung des Unternehmens, im laufenden Monat Juli registrieren wir noch einmal 50 Prizent mehr Neukunden als in den Vormonaten", erklärt Ursula Sladek, Geschäftsführerin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS). "Wir erleben einen richtigen Vattenfall-Boom", freut sich auch ihr Kollege Oliver Hummel, Geschäftsführer von der Düsseldorfer Naturstrom AG. "Zu Lichtblick haben in den letzten Wochen dreimal so viele Neukunden gewechselt wie üblich. Der Monat Juni 2007 war bei der Kundenentwicklung der beste der Firmengeschichte. Wir haben mehr als 20.000 Neukunden hinzugewonnen", bestätigt auch Lichtblick-Prokurist Gero Lücking.
Seit die Atomkraftdiskussion in Deutschland wegen der Ereignisse in den norddeutschen Meilern Krümmel und Brunsbüttel erneut hochkocht, wächst auch das Interesse an der Initiative "Atomausstieg selber machen" selbst rapide. In den letzten Wochen besuchten so viele Menschen die Stromwechsel-Homepage der Initiative wie nie seit dem Start Ende September 2006. Die Initiative ist sich sicher, dass Bevölkerung, Gewerbe, Unternehmen, Kirchen und auch öffentliche Einrichtungen jetzt realen Einfluss auf die Konzernpolitik gewinnen können, wenn der Stromanbieterwechsel hin zu ökologischen Angeboten zum Massenphänomen wird. Der wichtigste Wert eines Energieversorgungsunternehmens seien nicht Kraftwerke oder Infrastruktur, sondern die Stromabnehmer. "Wenn der Kundenstamm wegen des wachsenden Katastrophenrisikos alternder Atomkraftwerke bröckelt, dann wird der endgültige Atomausstieg näher rücken. Vattenfall ist der Anfang. Vattenfall ist überall!", schließt die Erklärung der Stromwechsel-Initiative.
Wann wechselt Angela Merkel zu Ökostrom?
Kanzlerin kritisiert Griff der Konzerne in die Taschen ihrer Kunden
Atom-Strom wird immer teurer.
4. Juli 2007: Der Rüffel für die Traditionsbataillone der Stromwirtschaft kam ganz zum Schluss des gestrigen Energiegipfels: Dass zum 1. Juli, dem Tag an dem die Aufsicht der Länder über die Strompreise endete, weit über hundert Elektrizitätsversorger ihre Preise angehoben haben, sei ein "Signal, das ich den Verbrauchern nicht gewünscht hätte", schimpfte Angela Merkel.
Die Initiative "Atomausstieg selber machen" nimmt den Hinweis der Kanzlerin als Aufforderung: Unter der Parole "Wer nicht hören will, muss fühlen" ruft der NABU mit weiteren Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-Atomkraft-Initiativen erneut private Stromkunden, Gewerbe und Unternehmen auf, jetzt den Stromkonzernen den Rücken zu kehren. Hierzulande ist niemand gezwungen immer teureren Strom aus Pannenreaktoren wie Brunsbüttel oder Krümmel zu kaufen oder aus Klima killenden Kohlekraftwerken.
"Machen Sie es wie immer mehr Kunden der großen Stromkonzerne - wechseln Sie noch heute zu Ökostrom-Versorgern, die Elektrizität ausschließlich aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse und hocheffizienter Energieumwandlung bereitstellen. Es kostet sie fünf Minuten und immer weniger Geld, weil die Ökostrom-Unternehmen ihre Preise stabil halten", heißt es in einer nach dem Gipfel verbreiteten Erklärung der Initiative.
Keine Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit
Das Aktionsbündnis erinnerte an die wütenden Attacken der Stromkonzerne RWE, E.on, Vattenfall und EnBW gegen den Atomausstieg und jede wirksame Klimaschutzpolitik im Vorfeld des Energiegipfels. Auch während des Treffens hätten die Unternehmen vor allem für die Beibehaltung ihres nicht mehr zeitgemäßen Strommixes aus Kohle und Atom gestritten und alle Versuche einer konsequenten Umsteuerung des Energiesystems in Frage gestellt. Das Kalkül der Atomkraftwerks-Betreiber folge immer wieder kurzsichtigen betriebswirtschaftlichen Erwägungen.
Der Wechsel zu Ökostrom ist für jeden in 5 Minuten möglich.
Mit der erneuten Geheimniskrämerei des Vattenfall-Konzerns nach den Unfällen in Brunsbüttel und Krümmel in der vergangenen Woche setze sich ein altes Muster fort: Zugegeben wird nur, was die Atomaufsichtsbehörde veröffentlicht. Und: Sicherheit geht nicht, wie behauptet, vor Wirtschaftlichkeit. Obwohl die Störung des Kraftwerks Brunsbüttel noch nicht genau geklärt war, fuhr Vattenfall den über 30 Jahre alten Reaktor schon am Wochenende nach dem Vorfall hektisch wieder hoch, um nicht weiter Strom bei der Konkurrenz zukaufen zu müssen.
Wechseln Sie zu Ökostrom
Das Aktionsbündnis "Atomausstieg selber machen" verlangt Vorrang für Sicherheit. Die könne es jedoch erst geben, wenn die Reaktoren endgültig abgeschaltet werden. Massenhaftes Umsteigen der Kunden auf Ökostrom erzeuge den ökonomischen Druck, den die Konzernherren verstehen. "Je mehr Menschen jetzt Vattenfall und Co. den Rücken kehren, desto unmissverständlicher wird das Signal. Das wichtigste Gut der Energieversorger sind nicht ihre Kraftwerke, sondern ihre Kunden. Zeigen Sie auch der Kanzlerin, wie sie ihrem Ärger über die Preispolitik der Konzerne Luft machen kann: Wechseln Sie jetzt zu Ökostrom.
Anbieter wechseln bei "www.atomausstieg-selber-machen.de"
Pressemitteilung zum Energiegipfel (2. Juli 2007)
NABU-Kommentar zum Energiegipfel (3. Juli 2007)
Wer nicht hören will muss fühlen
Aktionsbündnis ruft zu massenhaftem Vattenfall-Ausstieg auf
Ökostrom oder Atomstrom - Der Kunde hat es selbst in der Hand.
24. Juni 2007: Eine Woche vor dem Stichtag für kräftige Strompreiserhöhungen provoziert der Vattenfall-Konzern seine Kunden schon wieder: Mit einem weiteren Antrag auf Laufzeit-Verlängerung des über 30 Jahre alten Atomkraftwerks Brunsbüttel will der Konzern das im Atomkonsens vereinbarte Aus für einen der unsichersten Reaktoren in Deutschland doch noch verhindern.
Die am Wochenende bekannt gewordene, beantragte Übertragung von 15 Mrd. Kilowattstunden vom AKW Krümmel auf das AKW Brunsbüttel würde erneut den Sinn der Übertragungsregel im Atomausstiegsgesetz ad absurdum führen. Die sieht die Möglichkeit vor, Stromkontingente von alten und unsicheren Kraftwerken auf neuere, möglicherweise weniger risikoreiche zu übertragen, um so die Gefahr eines schweren Unfalls insgesamt zu verringern. Vattenfall Europe verlangt jetzt genau das Gegenteil: Ein Reaktor (Inbetriebnahme 1977), bei dem nach einer Sicherheitsüberprüfung vor genau sechs (!) Jahren nach dem Eingeständnis der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht "hunderte offener Punkte" festgestellt und bis heute nicht behoben wurden, soll länger laufen als im Atomgesetz vorgesehen. Ein anderer, jüngerer Reaktor (Krümmel, Inbetriebnahme 1983) soll dagegen früher vom Netz.
"Dieser Antrag ist eine Provokation. Vattenfall Europe nimmt für mögliche Sonderprofite durch den Weiterbetrieb abgeschriebener Altreaktoren eine Gefährdung der Sicherheit der Bevölkerung Norddeutschlands und weit darüber hinaus in Kauf", erklärte das Aktionsbündnis "Atomausstieg-selber-machen" und erinnerte daran, dass Vattenfall vor nicht einmal einem Jahr im schwedischen Forsmark verantwortlich war für den schwersten Unfall in einem europäischen Atomkraftwerk seit Tschernobyl.
Unter der Parole "Wer nicht hören will, muss fühlen" fordert das Bündnis aus Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-Atomkraft-Initiativen Vattenfall-Kunden auf, jetzt die in den vergangenen Wochen begonnene Fluchtbewegung weg vom schwedischen Atom- und Braunkohlkonzern hin zu Ökostromunternehmen zu verstärken.
"Hierzulande ist niemand gezwungen, Atomstrom zu kaufen", heißt es in der Erklärung des Aktionsbündnisses weiter. "Machen Sie Atomstrom zu einer immer schwerer verkäuflichen Ware. Machen Sie es wie immer mehr Vattenfall Kunden in jüngster Zeit - wechseln Sie noch heute zu Ökostrom-Versorgern, die Elektrizität ausschließlich aus den erneuerbaren Energien Sonne, Wind, Wasser und Biomasse und hocheffizienter Energieumwandlung bereitstellen. Sie werden sehen: Es kostet sie fünf Minuten und immer weniger Geld, weil die Ökostrom-Unternehmen ihre Preise stabil halten."
Atomausstieg beginnt mit Vattenfall-Ausstieg!
Ökostrom wird immer attraktiver

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