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Trickserei mit schwäbischem Atomstrom
EnBW-Konzern will Laufzeitverlängerung für Risiko-Reaktor Neckarwestheim 1
Auch Baden-Württembergs Regierungschef Oettinger hält nicht viel vom Atomausstieg.
Der NABU wirft dem den Atomkraftwerksbetreiber EnBW Trickserei beim Atomausstieg vor. Mit dem Antrag auf Laufzeitverlängerung für den 30 Jahre alten Risiko-Reaktor Neckarwestheim 1 wird nun nach RWE bereits der zweite deutsche Atomkonzern wortbrüchig. EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON hatten im Sommer 2000 gemeinsam mit der rot-grünen Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie ausgehandelt. "Jetzt wollen EnBW & Co. plötzlich von dieser Vereinbarung nichts mehr wissen", kritisierte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Das Geschacher der Stromkonzerne um Restlaufzeiten auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung sei unerträglich.
EnBW beantragt, Block 1 statt Ende des Jahres 2008 erst 2017 vom Netz gehen zu lassen. Dafür soll Block 2 ebenfalls den Betrieb 2017 einstellen, vier Jahre früher als bisher geplant. Der Konzern spekuliert offensichtlich darauf, dass nach 2009 eine schwarz-gelbe Bundesregierung die Rolle der Atomenergie wieder neu bewertet. "Das Festhalten an der Atomenergie ermöglicht den Konzernen das Aufschieben teurer Ersatzinvestitionen und erhöht stattdessen die Gewinne", so Miller.
Zuerst versuchte RWE beim AKW Biblis (im Bild) aus dem Atomkonsens auszuscheren, nun folgt EnBW mit Neckarwestheim.
Dabei ist es nach Ansicht des NABU ausgesprochen scheinheilig, die Laufzeitverlängerung mit Klimaschutz zu begründen. Atomenergie kann bis 2020 bereits durch Effizienzmaßnahmen bei der Stromerzeugung und -verwendung sowie den Ausbau Erneuerbarer Energien ersetzt werden. Das profitable Festhalten an Atomenergie führt lediglich dazu, dass die Konzerne weiter in fossile Energieträger investieren und damit steigende Kohlendioxid-Emissionen verursachen.
EnBW-Chef Claassen spricht sich zwar gerne für den Ausbau der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien aus. Tatsache ist, dass der aktuelle Anteil von 15,9 Prozent Erneuerbarer Energien an der gesamten Strombereitstellung des Konzerns der überwiegende Teil - nämlich elf Gesamtprozent - aus großen, alten Wasserkraftwerken stammt. EnBW verdient sein Geld hauptsächlich mit Atomstrom. Hauptaktionär ist der französische Staatskonzern Electricité de France (EdF), einer der größten Atomstromproduzenten der Welt. Über die EnBW-Tochter Yello Strom wird versucht, Atomstrom in Deutschland als "gelb, gut und günstig" zu vermarkten.
Der NABU fordert Bundesumweltminister Gabriel auf, gegenüber EnBW und der Atomlobby standhaft zu bleiben. Miller: "Neckarwestheim 1 muss wie vereinbart 2009 vom Netz. Vom eingeschlagenen Pfad - weg von risikoträchtigen und umweltgefährdenden hin zu Erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz - darf es keinen Weg zurück geben."
Für Rückfragen:
Carsten Wachholz
NABU-Energieexperte
Tel. 030-28 49 84-16 17
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NABU-Hintergrundinfo zu Block Neckarwestheim 1 (139 KB)
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Beitrag erstellt am 21. Dezember 2006.

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