NABU.de Themen Energie Atomkraft 20 Jahre Tschernobyl

Die schlimmste aller Katastrophen

Auch 20 Jahre nach dem Reaktorunfall ist das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl eine tickende Zeitbombe

Tschernobyl

Am Morgen des 26. April 1986 gerät ein Experiment im Block 4 des russischen Atomkraftwerks Tschernobyl außer Kontrolle. Eine erste Explosion schleudert die Tausende Tonnen schwere Platte des Reaktors weg und brennendes radioaktives Material heraus. Eine radioaktive Wolke steigt über tausend Meter hoch in die Atmosphäre und zieht über die westliche Sowjetunion bis nach Skandinavien und Mitteleuropa. Über diese Wolke wird das rund 200fache der Radioaktivität der Atombombe von Hiroshima freigesetzt.

Am gleichen Tag versuchen Feuerwehrleute ohne Schutzkleidung die Brände zu löschen, während in der nahegelegenen Stadt Pripjat das Leben zunächst ganz normal weiter geht. Erst am nächsten Tag wird die Stadt evakuiert. Militärhubschrauber beginnen, Material auf den Reaktor abzuwerfen, das die Kettenreaktionen stoppen und den Strahlungsaustritt eindämmen soll.

Am 28. April wird in der Umgebung des südschwedischen AKW Barsebäck erhöhte Radioaktivität festgestellt. Erst am selben Abend schickt die sowjetische Nachrichtenagentur TASS eine erste Information über den Unfall über den Ticker. Am 30. April wird auch im Raum München erhöhte Radioaktivität festgestellt. Die Wolke ist in Deutschland angekommen.

In den ersten Maitagen beginnen die Evakuierungen innerhalb der 30-Kulimeter-Zone um das Atomkraftwerk Tschernobyl. 116.000 Menschen müssen ihre Wohnungen dauerhaft verlassen. 260.000 Kinder und schwangere Frauen werden während der Sommermonate in andere Gebiete verschickt. Nutz- und Haustiere werden getötet, eine Milliarde Tonnen Erdreich abgetragen und in der Ukraine, Weißrussland und Russland werden 10.000 Quadratkilometer zur Sperrzone erklärt.

Die Folgen
31 Feuerwehrmänner und Mitglieder des AKW-Personals sterben unmittelbar nach dem Unfall. Etwa 800.000 sogenannte Liquidatoren aus Russland, Weißrussland und der Ukraine waren im Einsatz. Allein in der Ukraine sind nach offiziellen Angaben bereits 15.000 von ihnen gestorben. Viele, die noch leben, leiden an Krebs, Blutgefäßschädigungen, Augenerkrankungen. Bei Kindern die damals und in den letzten 20 Jahren geboren wurden, traten Missbildungen, Krebserkrankungen und Immunschwächen auf. Viele wurden tot geboren.

Das wahre Ausmaß der verursachten Krebserkrankungen wird erst in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren absehbar sein, da die meisten Krebsfälle erst in diesem Zeitraum ausbrechen werden. Und die genetischen Schäden werden sogar erst in einigen Generationen zu Tage treten.

Und die Folgen sind auch für die Menschen in der Ukraine und Weißrussland noch immer allgegenwärtig. Die Armut zwingt die Menschen, vor Ort erzeugte und verseuchte Nahrungsmittel zu essen, wodurch sich täglich mehr Radioaktivität im Körper anreichert. Die Absperrungen und Kontrollen der Sperrzone sind lückenhaft - der Schwarzhandel mit verstrahlten Gegenständen aus der verbotenen Zone floriert. Die Deponien für die verstrahlte Erde haben Verbindung zum Grundwasser - und können damit bei Überflutung das Trinkwasser von Millionen Menschen verseuchen. Und schließlich: Der Sarkophag, der Betonmantel um den zerstörten Reaktor ist rissig. Regenwasser dringt ein, Radioaktivität tritt aus. Damit ist Tschernobyl noch heute eine tickende Zeitbombe.

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