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Jede zweite Tierart ist gefährdet

Jede zweite Tierart ist gefährdet

Die Roten Liste der gefährdeten Wirbeltierarten wurde veröffentlicht

Wolfsrüde Daubitzer Rudel

Der Wolf wäre ohne konsequenten rechtlichen Schutz vor Verfolgung und ohne den Einsatz des Artenschutzes heute ausgestorben.


06. Oktober 2009 - Anlässlich der Veröffentlichung der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltierarten durch das Bundesamt für Naturschutz fordert der NABU die Bundesregierung zu entschlossenem Handeln gegen das Artensterben auf. „Die Roten Listen sind der wichtigste Indikator für den Zustand der Arten in Deutschland. Fast die Hälfte unserer Wirbeltierarten sind in ihrer Existenz bedroht und bedürfen daher unmittelbarer Hilfe“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Roten Listen beschreiben die Gefährdungssituation der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in unserem Land. Sie werden alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Expertinnen und Experten erarbeitet. Auch viele Ehrenamtliche im NABU haben als Experten die Roten Listen durch zahlreiche Daten unterstützt.

Auf einen Blick
Mauereidechse

Die Bilanz der Naturschützer umfasst die 478 heimischen Arten der Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche, Süßwasserfische und Neunaugen. Von ihnen werden aktuell nun 207 Arten (43 Prozent) in die Gefährdungskategorien der Roten Liste eingestuft. Fast 28 Prozent (132 Arten) sind aktuell bestandsgefährdet. Zusammen mit den bereits verschwundenen 32 Arten droht Deutschland damit der Verlust von einem Drittel seiner terrestrischen Wirbeltierfauna. Weitere 9,2 Prozent (44 Arten) sind auf der Vorwarnliste und bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit, weil bei ihnen die Gefahr besteht, dass sie künftig in eine Gefährdungskategorie gelangen.

„Die kurzfristigen Trends der Roten Liste zeigen, dass effektiver Natur- und Artenschutz dort erfolgreich ist, wo er unmittelbar wirken kann. Seehund, Wolf und Fischotter wären ohne konsequenten rechtlichen Schutz vor Verfolgung und ohne den Einsatz des Artenschutzes heute ausgestorben. Der Schutz von Arten muss daher verstärkt und finanziell solide ausgestattet werden, damit aus den Einzelfällen ein Trend und der weiter drohende Artenverlust verhindert wird“, betonte NABU-Artenschutzexperte Magnus Herrmann.

Trotz regional ermutigender Entwicklungen, etwa bei Mauereidechse und Äskulapnatter, sind die Kriechtiere die in Deutschland am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe. Von den 13 heimischen Arten sind über 60 Prozent bestandsgefährdet, darunter die Sumpfschildkröte und die Würfelnatter. Dies hängt wesentlich mit der Lebensweise der Wärme liebenden Kriechtiere zusammen, denn günstige Ruhe- und Eiablage-Plätze in sonniger Lage sind für sie selten geworden. Deshalb sind Schutzgebiete, in denen es störungsfreie Zonen an Gewässern, auf Felsen oder an Trockenhängen gibt, für Eidechsen und Schlangen besonders wichtig.

Um den Artenverlust zu stoppen, müssen vor allem die Gefährdungsursachen stärker bekämpft werden wie zum Beispiel die Vernichtung wertvoller Lebensräume durch den Umbruch von Grünland zu Äckern. Auch die mangelhafte Betreuung und Pflege bestehender Schutzgebiete trägt bis heute dazu bei, dass vermutlich das Ziel der EU-Staats- und Regierungschefs, das Artensterben bis 2010 zu stoppen, zudem sich auch die Bundeskanzlerin verpflichtet hat, nicht erreicht wird.

Kiebitz

Auch der Kiebitz wird verschwinden, wenn der Naturschutz nicht konsequent verstärkt wird.

Trotz strengen gesetzlichen Schutzes werden Arten wie Feldhamster, Kampfläufer und Kiebitz verschwinden, wenn der Naturschutz nicht konsequent verstärkt wird. Landnutzer und Eigentümer müssen bei dieser Aufgabe eingebunden und unterstützt werden, insbesondere die Landwirtschaft muss sich zu ihrer besonderen Verantwortung für die in der Kulturlandschaft lebenden Pflanzen und Tiere bekennen. Zudem müssen besonders artenreiche Lebensräume wie die Flussauen gesichert werden. Hier liegt noch Potential, wie auch der jetzt veröffentlichte Zustandsbericht der deutschen Auen vor Augen führt.

„Union und FDP müssen jetzt handeln und die Chance nutzen, den Tod auf Raten selbst ehemals häufiger Arten zu verhindern. Wer die Bewahrung der Schöpfung und den Erhalt der Biologischen Vielfalt ernst nimmt muss jetzt aktiv werden. Wir brauchen ein finanziell gut ausgestattetes Bundesprogramm Biologische Vielfalt, das Arten und Lebensräume erhält und damit die Biodiversitätskrise bewältigen kann“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Miller.

Für Rückfragen:
Magnus Wessel
Referent für Natur- und Artenschutz
Tel: 030-284984-1618
mobil 0172-9422694
Magnus.Wessel@NABU.de

Markus Nipkow
Referent für Vogelschutz und Ornithologie
Tel: 030-284284- 1620
Markus.Nipkow@NABU.de

mehr Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz zur Roten Liste

mehr Hintergrundinfos des Bundesamtes für Naturschutz zur Roten Liste (PDF)

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