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Weiterhin giftige Zeiten in Deutschland
Pestizide in 54,1 Prozent aller untersuchten Lebensmittel gefunden
Wie die EU jetzt veröffentlicht, enthielten mehr als die Hälfte der im Jahr 2002 von deutschen Lebensmittelämtern untersuchten Obst-, Gemüse- und Getreideproben Pestizidrückstände. Oft waren es gleich mehrere verschiedene Gifte pro Frucht und in knapp 9 Prozent der Fälle wurden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. Hoffnung, dass die Situation sich inzwischen verbessert hat, macht Brüssel nicht: Seit 1996 ist der Anteil der kontaminierten Proben ständig gestiegen.
Insgesamt waren 44 Prozent der europaweit untersuchten 46.000 Proben mit Pflanzenschutzmitteln belastet. In Deutschland allein wurden 7035 Proben untersucht, davon zeigten 54,1 Prozent Rückstände, die in Nahrungsmitteln eigentlich nichts verloren hätten. Nur in den Niederlanden und in Österreich waren die Zahlen ähnlich schlecht. Importware schnitt dabei deutlich schlechter ab als inländische Ware. So waren 56 Prozent der Inlandsprodukte rückstandsfrei, aber nur knapp 37 Prozent der importierten Früchte. Grenzwertverletzungen wurden bei 5 Prozent der einheimischen Produkte und bei 12 Prozent der Importe festgestellt.
"Die Menschen fallen nicht gleich tot um, dafür ist die Belastung aber schleichend", kommentierte der Toxikologe Hermann Kruse von der Uni Kiel die gefundenen Rückstände gegenüber der Berliner tageszeitung (taz). Dabei gelingt es den Kontrolleuren bisher allerdings nicht, die ganze Wahrheit abzubilden. Untersucht werden nämlich gerade mal die Hälfte der 800 derzeit zugelassenen Wirkstoffe, so die taz weiter. Weitgehend unerforscht ist zudem, wie die unterschiedlichen Gifte im Zusammenspiel wirken. Der Giftcocktail wird immer bunter. In 20,7 Prozent der Proben kamen mehrere Giftstoffe vor (1999 waren es noch 14 Prozent), jede zwanzigste Probe enthielt vier und mehr verschiedene Pestizide - bei Getreide vor allem Insektengifte, bei Obst und Gemüse gegen Pilze eingesetzte Gifte.
Um den die eigene Giftbelastung so klein wie möglich zu halten, bleiben dem Verbraucher zwei Möglichkeiten: möglichst immer saisonale Produkte kaufen - also keine Erdbeeren im Januar und Tomaten im November - und dabei auf die Herkunft achten. Grundsätzlich ist heimische Ware vorzuziehen, gerne von vor Ort, das minimiert auch umweltschädlichen Transport. Und wer ganz sicher gehen will, kauft Bioware. Obst, Gemüse und Getreide aus Ökoanbau ist so gut wie giftfrei - soweit es die Grundbelastung der Umwelt zulässt. Zudem ist im Ökolandbau das Kontrollnetz besonders dicht. Neben den staatlichen Kontrollen und denen der Ökoanbauverbände untersuchen auch die Naturkosthändler die Ökoware regelmäßig. (elg)
Mehr zum Thema:
"Bittere Früchtchen", Artikel aus der tageszeitung vom 3. August 2004.
"Annual EU-wide Pesticide Residues Monitoring Reports". Übersichtsseite mit den jährlichen Berichten zum PDF-Download.
"Überwachung von Pestizidrückständen in Erzeugnissen pflanzlichen Ursprungs". Fünfseitige Zusammenfassung des Reports in deutsch (PDF).
BNN-Pressemitteilung "Bestnoten für Obst und Gemüse aus Bioanbau" (PDF).
Beitrag erstellt am 3. August 2004.

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