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Umgang mit Wühlmäusen

Schutz für Rosen und Obstgehölze

Es gibt Gartenbewohner, mit denen auch der verständnisvollste Naturgärtner keinen Frieden schließen kann. Wühl- oder Schermäuse gehören zweifellos in diese Kategorie. Sie fressen vor allem die Wurzeln von Gemüsepflanzen und von Obstbäumen und nagen Rinden an. Die sicherste biologische Bekämpfung der Plage garantiert eine aufmerksame Katze. Wo diese nicht wacht, kann man versuchen, die Wühlmäuse mit Duftpflanzen wie Kaiserkronen, Knoblauch oder Steinklee zu vertreiben. Denkbar ist auch eine Ablenkungsfütterung mit Topinambur.

Auf eine andere Abwehrtechnik setzt Peter Überall mit seinem "überall wühlmaus-stop". Das sind vorkonfektionierte Schutzkörbe aus feuerverzinktem Maschendraht, die der geplagte Gartenbesitzer ohne Werkzeug mit wenigen Handgriffen zu zylindrischen Pflanzkörben aufrichten kann. Die Körbe in drei Größen für Zwiebelgewächse, Rosen und Obstgehölze kosten zwischen 4,95 und 6,95 Euro plus Mehrwertsteuer und Versand. Info: Peter Überall, Umgehungsstraße 77, 71144 Steinenbronn, Fax 0 71 57-7 29 05, peter.ueberall@gmx.de, www.wuehlmaus-stop.de.

Willkommene Queckenvertilger

Auch Mäuse im Garten haben eine differenzierte Betrachtung verdient

Bei unseren Hinweisen zum Schutz vor Wühlmäusen haben wir die Naturliebe der NABU-Mitglieder offensichtlich unterschätzt. Leonhard Kasek aus dem sächsischen Miltitz zum Beispiel plädiert für einen deutlich entspannteren Umgang mit den Nagern:

"Reflexartig und undifferenziert werden Mäuse im Garten verteufelt. Selbst Schnecken wird gelegentlich noch zugestanden, dass sie sich bei der Zersetzung abgestorbener Pflanzen auch nützlich machen. Mit Mäusen könne selbst der verständnisvollste Naturgärtner keinen Frieden schließen. Doch ich kann!

Unser Garten am Haus, etwa 600 Quadratmeter groß, wird von zwei Mäusearten bewohnt, der übel beleumdeten Großen Schermaus, auch Wühlratte genannt, und der weithin unbekannten Brandmaus. Der Schaden, den die Schermäuse bei uns angerichtet haben, hielt sich in engen Grenzen. Voriges Jahr sind ihnen etwa ein Dutzend Tulpenzwiebeln, einige Lilien und einige Pastinaken zum Opfer gefallen. Die neu gepflanzten Lilien habe ich mit Knoblauch umpflanzt, seither fehlt keine. Dafür habe ich in mehreren Vorratslagern der Wühlratten zu meiner Freude reichlich Quecken entdeckt. Als Queckenvertilger sind mir die Schermäuse nicht unwillkommen. An Rosen oder Obstbäumen habe ich noch keine Spuren ihrer Nagezähne gefunden. Dafür haben die Schermäuse auf unserer Blumenwiese richtige Wechsel angelegt. Im Morgengrauen fressen sie dort leidenschaftlich gern Klee und Kräuter und da es davon bei uns reichlich gibt, scheren sie sich um Rinde und Wurzeln bisher nicht.

Manchmal kann man sie im Sommer früh morgens beobachten, wenn noch alles schläft. Es sind schöne Tiere mit seidig-grau schimmerndem Fell. Dass es ihnen nicht zu gut geht, dafür sorgen andere Gartenbewohner. Unter einem Steinhaufen zum Beispiel wohnt ein Mauswiesel. Und da wir keinen Zaun haben, sondern Hecken aus Rosen und heimischen Wildsträuchern, kommen auch regelmäßig Fuchs, Iltis, Hermelin und Steinmarder vorbei.

Unter der Erde macht den Schermäusen der Maulwurf zu schaffen. Er räumt zielgerichtet die Nester aus und frisst die Jungen. Entgegen mancher Lehrbuchmeinung meiden die Schermäuse das Maulwurfrevier in unserem Garten. Wo der Maulwurf aktiv war, haben wir jedenfalls keine Fraßspuren der Schermäuse gefunden. In vielen Gärten können die Wühlratten einfach deshalb keine größeren Schäden anrichten, weil es nur wenig gibt, was sie fressen können. So viel Gemüse wie wir bauen hier in der Gegend jedenfalls nur noch wenige an und Blumenzwiebeln lassen sich leicht schützen. Wurzeln und Baumrinde sind Notnahrung im Winter, die nur gefressen wird, wenn es nichts anderes gibt. In einem richtigen Naturgarten, dürfte das nur in extrem strengen Wintern passieren und die hatten wir zumindest im hier im Leipziger Land schon sehr lange nicht mehr.

Unsere zweite Mausart, die Brandmaus, ist ausgesprochen nützlich. Entdeckt haben wir das per Zufall. Eines Tages sah ich im Wintergarten eine Brandmaus zwischen den Kübelpflanzen herumklettern. Der Fußboden ist nicht versiegelt. Wir haben nur Steinplatten auf der Erde ausgelegt. Das hatten die Brandmäuse genutzt und ihre Gänge in den Wintergarten ausgedehnt. Zu meiner Überraschung haben sie von unseren Pflanzen nur einige sehr scharfe Peperoni gefressen, auch eine Sache, die sie laut Lehrbuch nicht tun sollten. Ansonsten haben die geschickten Kletterer die Blätter abgesucht, Blattläuse und andere Plagegeister gefressen und deren süße Ausscheidungen abgeleckt. Im Freien jagen sie neben Insekten auch Schnecken. Die Pastinake, die ihnen gelegentlich zum Opfer fällt, sei ihnen verziehen. Schneckenprobleme hatten wir in den letzten Jahren keine, obwohl die Kleingärtner hier in der Umgebung über eine Schneckenplage stöhnten. Die kleinen Brandmäuse haben neben Erdkröten, Spitzmäusen und Igel dazu beigetragen, dass unser Gemüse weitgehend auf unsere Teller gekommen ist.

Noch vor 50 Jahren ist der Sperling als angeblicher Schädling unerbittlich verfolgt worden. Inzwischen hat es der Sperling vom Ungeziefer zum Vogel des Jahres gebracht. Wir sollten das zum Anlass nehmen, auch unser Verhältnis zu Mäusen im Garten zu überdenken."

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