Archiv Naturschutz heuteSchick und umweltverträglich Die Textilindustrie zählt zu den weltgrößten Umweltverschmutzern. Dabei gibt es als Alternative inzwischen biologisch angebaute Baumwolle, umweltverträgliche Textilfarben und ökologische Produktionsmethoden. Und: Öko-Textilien können sich wirklich sehen lassen. von Marianne Wollenweber Öko-Gütesiegel: Vielfalt der Etiketten * Baumwolle: Anbau mit hohem Gifteinsatz * Bio-Baumwolle: Modellprojekte vor dem Durchbruch * Hanf-Kleidung: Stoffe zum Träumen * Chemie in der Kleidung * Textildruck: Natürlich bunt * Textilienversand: Öko-Mode aus dem Katalog * Otto Versand: Den Faktor Ökologie stärken * Bettwäsche: Bio-Laken aus dem Schwarzwald * Verbraucher-Adressen * Literatur zum Thema Öko-Gütesiegel: Vielfalt der Etiketten Gegen alle Trends zu mehr Plastik und Kunststoff hat sich heute ein vielfältiger und leider auch unüberschaubarer Markt für Öko-Textilien entwickelt, die mit verschiedensten Produktsiegeln ausgezeichnet sind, um umwelt- und gesundheitsbewusste Käufer zu locken. Von der Designerklamotte bis zur Versandhausware werden schätzungsweise 200 Kollektionen mit speziellen Öko-Siegeln als Öko-" oder Naturtextilien" ausgezeichnet. Die meisten dieser Kennzeichen sind allerdings Eigenkreationen der Hersteller. Kunden sollten deshalb nicht alles glauben, was Werbung und Etiketten versprechen. Textilien müssen Etiketten erhalten, die Auskunft über die prozentuale Zusammensetzung des verarbeiteten Materials geben. Hinzu kommen meist Pflegeanleitungen. Doch schon das scheinbar harmlose Schildchen für 100 Prozent Baumwolle", das fast jedes T-Shirt ziert, darf selbst zu 30 Prozent aus allen möglichen Bestandteilen - von der Kunstfaser bis zum Farbstoff - bestehen. Ausgezeichnet werden muss auch nur der Stoff, nicht jedoch die verwendeten Garne, Knöpfe und anderes. Den höchsten Bekanntheitsgrad hat innerhalb von nur fünf Jahren das von unabhängigen europäischen Textil-Forschungsinstituten entwickelte Umweltzeichen Öko-Tex-Standard 100 erreicht. Dieses Zertifikat wird aufgrund der Schadstoffüberprüfung des fertigen Kleidungsstücks vergeben, eine Bewertung der Herstellungsmethoden oder der Entsorgungsmöglichkeiten findet nicht statt. Ständige interne Qualitätssicherung und eine externe Überprüfung durch verschiedene Forschungsinstitute stellen sicher, dass die Kriterien des Zertifikats auch dauerhaft eingehalten werden. Rund 800 Firmen in Deutschland haben ihre Produkte bisher zertifizieren lassen. Die deutsche Textilindustrie kann sich im Umwelt- und Gesundheitsschutz im internationalen Vergleich sehen lassen," meint Jutta Knels, die Leiterin der Öko-Tex-Zertifizierungsstelle in Eschborn. Bei uns arbeiten immer mehr Firmen nach dem Öko-Tex-Standard. Doch die umfangreichen Prüfungen kosten Zeit und Geld." Die Textil-Ingenieurin kann die Bedenken mancher Firmen verstehen, die sich im schnelllebigen Modegeschäft gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt behaupten müssen: Die Zertifizierung einer Produktgruppe kostet 1300 Mark Lizenzgebühren. Der umfassende Prüfaufwand ist für manche Kleidungsfirmen ein Hemmnis, ihr gesamtes Sortiment nach dem Standard herzustellen. Es müssen nämlich alle Bestandteile und Ausgangsmaterialien eines Produktes überprüft werden." Inzwischen ist der Öko-Tex-Standard 100" mit dem Blauen Engel" vergleichbar, der ebenfalls die Funktion hat, Vorreiter zu belohnen und so Entwicklungen anzustoßen. Sobald die Bedingungen des Umweltengels dann zum Standard geworden sind, können die Kriterien verschärft werden, um so immer umweltfreundlicheren Produkten eine immer größere Verbreitung zu verschaffen. Wer es ökologisch ganz genau nimmt, sollte sich an das Umweltzeichen des Arbeitskreises Naturtextil e.V. (AKN) halten, zu dem sich bisher 16 Unternehmen zusammengeschlossen haben. Dieses Öko-Siegel dürfen nämlich nur solche Produkte tragen, die garantiert aus Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung stammen, denen bei der Veredelung keine synthetischen Farbstoffe zugesetzt wurden, die weder chemisch aufgewertet sind noch Schadstoffe enthalten. Produkte mit dem Siegel des AKN müssen sogar biologisch abbaubar sein. Darüber hinaus sind sie nach den Bedingungen der Charta für den fairen Handel mit Kleidung gefertigt, die seit 1995 für gesetzliche Mindestlöhne, ein Verbot der Kinderarbeit und soziale Bedingungen für alle Herstellungsstufen steht. Jutta Knels von der Eschborner Öko-Tex-Zertifizierungsstelle bewertet solche Entwicklungen positiv: Die Umweltbewegung hat einiges angestoßen und beispielsweise mit der Wiederentdeckung der Hanffaser sogar neue Märkte geschaffen." Allerdings: Nicht nur bei den Naturfasern gibt es eine Entwicklung zu umweltfreundlicheren Produktions- und Verarbeitungsbedingungen, sondern auch bei den Chemiefasern. Auch Konzepte zum Recycling der schwer verrottbaren Chemiefasern, wie sie die Firma Gore praktiziert, sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jutta Knels: Man muss sich vor Augen halten, dass heute fünfzig Prozent der Faserproduktion auf Synthetiks beruht, die übrigens gerade von Allergieanfälligen oft bevorzugt werden. Die Entwicklung zu mehr Naturfasern und zu weniger Chemie muss langsam laufen. Es wäre katastrophal, von heut auf morgen auf Synthetiks zu verzichten und beispielsweise die Baumwollproduktion zu verdoppeln. Ökologisch wäre das der Kollaps." Einen guten Überblick zu den derzeitigen Textil-Siegeln gibt die vom Hessischen Umweltministerium herausgegebene Broschüre Wie viel Chemie braucht die Mode?". Kostenloser Bezug beim HMU, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 31 09, 65201 Wiesbaden. Baumwolle: Anbau mit hohem Gifteinsatz Bei der Produktion der Naturstoffe Baumwolle, Wolle, Lein und Seide werden vielfach Pflanzenschutzmittel, vor allem Insektizide eingesetzt. Besonders gravierend ist dies bei Baumwolle, die weltweit auf einer Fläche von 33 Millionen Hektar (zum Vergleich: die Gesamtfläche der BRD beträgt 36 Millionen Hektar) überwiegend intensiv in großen Monokulturen angebaut wird, sehr frostempfindlich und sehr anfällig gegen Schädlinge ist. Bereits das Baumwoll-Saatgut wird mit Quecksilberverbindungen gebeizt oder mit Pilzbekämpfungsmitteln behandelt. Später werden die Baumwollpflanzen bis zu 14-mal pro Ernte mit Pestiziden besprüht. Bei einem Anteil von 2,4 Prozent der weltweiten Ackerfläche verbraucht der Baumwollanbau mindestens ein Zehntel der weltweit angewandten Pestizide. Um eine maschinelle Ernte zu ermöglichen, müssen die erntereifen Kapseln mit Entlaubungsmitteln zum Welken und Abfallen gebracht werden. Hinzu kommt gerade beim Baumwollanbau in Monokulturen ein hoher Düngereinsatz, große Bodenauslaugung und Grundwasserbelastung. Nach Berechnungen des Wuppertal Instituts werden in einigen Teilen der Welt mehr als 40.000 Liter Wasser benötigt, um ein Kilo Baumwolle zu gewinnen. Dieser extrem hohe Wasserbedarf hat weitreichende ökologische und soziale Folgen. Die Bewässerung führt in bestimmten Klimazonen nicht nur zur Bodenerosion, sondern auch zur Versalzung der Böden. In einigen Ländern", stellt eine Studie des Umweltbundesamtes fest, wird Baumwolle auf 40 bis 50 Prozent der Landwirtschaftsflächen angebaut. Die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln müssen diese Länder dann oft über hohe Importe decken." Bio-Baumwolle: Modellprojekte vor dem Durchbruch Die gute Nachricht erstaunt: Baumwolle aus ökologischem Anbau steht vor dem Sprung aus der Nische in den Massenmarkt. Nach Erfahrungen von Agrarexperten der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) ist Bio-Baumwolle kaum teurer als konventionelle Ware. Sie muss allerdings in großen Mengen produziert und professionell vermarktet werden. Wenn es gelänge, den biologischen Anbau von Baumwolle für einen Massenmarkt zu betreiben, würde die Umwelt durch den Verzicht auf Pestizide und Entlaubungsmittel enorm entlastet, die Bauern sparten Geld für Chemie. Außerdem würden Arbeitsplätze in großem Umfang geschaffen, denn gepflückt wird von Hand. Inzwischen gibt es Modellprojekte, die beweisen, dass nachhaltige Entwicklung" kein Schlagwort bleiben muss. So betreut das GTZ-Unternehmen Protrade" ein Öko-Baumwollprojekt in Tansania vom Anbau bis zur Vermarktung. 1997 beteiligten sich über 130 Familien an dem Projekt und erzeugten 165 Tonnen ökologisch zertifizierte Baumwollfaser und 340 Tonnen Baumwollsaat. Jetzt kommt es darauf an, Käufer für die Öko-Baumwolle zu finden. Und hier ist das Projekt beispielhaft für die Zukunft: Die Katholische Landjugend-Bewegung (KLJB) unterstützt die Öko-Bauern in Tansania mit der Kampagne öko-fair tragen - Kleidung für eine nachhaltige Zukunft". Die Baumwolle aus Tansania wird von Partnerfirmen der KLJB in Kenia unter fairen Bedingungen weiterverarbeitet. Dort entstehen T-Shirts, die man in Deutschland bei der KLJB bestellen kann. Für jedes verkaufte T-Shirt fließt eine Mark in einen Sozialfonds für die kenianischen Nähereien, über dessen Verwaltung die Arbeitnehmerinnen selbst entscheiden. Denn Kleidung ist mehr als eine Frage des Geschmacks", heißt es auch in einem Faltblatt der Kampagne für saubere Kleidung, in der sich die Christliche Initiative Romero, das DGB Nord-Süd Netz, die Initiative Südwind und andere Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen haben. Sie kämpfen vor allem für menschenwürdige Bedingungen bei der Textilherstellung in den Ländern der sogenannten Dritten Welt. Dort sind Kinderarbeit, Gewerkschaftsverbot und unmenschlich langen Arbeitszeiten noch immer keine Seltenheit. Und manches Schnäppchen, das wir erfreut nach Hause tragen, würde uns kaum noch Spaß machen, wenn wir wüssten, mit wessen Not es erkauft wurde. Weitere Informationen: Protrade/GTZ, Ernst Sykora, Dag-Hammarskjöld-Weg 1-5, 65760 Eschborn, Tel. 06196-793163, Fax 06196-797414; Kampagne für saubere Kleidung, Südwind e.V., Lindenstraße 58-60, 53721 Siegburg, Tel. 02241-53617, Fax 02241-51308; öko-fair tragen, KLJB, Drachenfelsstraße 23, 53604 Bad Honnef-Rhöndorf, Tel. 02224-9465-0, Fax -44. Hanf-Kleidung: Stoffe zum Träumen Der Schlabberlook ist out, Hanfmode ist schick geworden", sagt die Inhaberin eines Naturwarenladens in Berlin, der Hochburg für Hanfmode. Noch sind Hosen, Hemden und Schuhe aus Hanf zwar Nischenprodukte und die Käufer im Hanfladen sind überwiegend Ökos", aber der Trend geht hin zum edleren Design. Es war ein langer Weg seit 1850, als der Bayer Levi Strauss seine erste Jeans aus Hanf zusammennietete. Die Hose musste den starken Beanspruchungen der kalifornischen Goldwäscher standhalten, die oft den ganzen Tag knietief im Wasser standen. Deshalb kam kein anderes Material für ihre Bekleidung in Frage als der strapazierfähige Hanf, mit dem schon Kolumbus nach Amerika gekommen sein soll - als Segeltuch. Heutzutage hört Hanfmode nicht mehr bei Jeans und Hemd auf. Von Jackets, auch in Fischgrätmuster, bis hin zu Kleidern und Taschen reicht die Palette. Selbst Dessous werden aus dem wieder entdeckten Stoff gewoben. Wenn Ökologie und Umweltschutz ein große Rolle spielen sollen, ist Hanf erste Wahl beim Kleiderkauf. Grund ist die Widerstandskraft der Hanfpflanze, die gut ohne Pestizide, Dünger und tropische Sonne auskommt und selbst auf brandenburgischen Sandböden bestens gedeiht. Damit spielt auch der Transportweg kaum eine Rolle in der Öko-Bilanz. Wer sich für Hanfmode interessiert, findet in jeder größeren Stadt einen Naturwarenladen mit Hanfkleidung oder bestellt den Versandkatalog des größten deutschen Hanfversands: HanfHaus GmbH, Waldemerstraße 33, 10999 Berlin, Tel. 030-6167640, Fax 030-61609841. Auch im Internet ist Hanfkleidung zu bewundern unter www.hanfhaus.de/ oder im virtuellen Hanfmuseum www.dhm.de/museen/hanf/. Chemie in der Kleidung Bis vor zwanzig Jahren interessierten sich lediglich ein paar engagierte Arbeitsschützer und Öko-Bewegte für die Umweltfreundlichkeit von Bekleidung. Am Anfang waren besonders junge Eltern glücklich, für allergieanfällige Babys und Kleinkinder Alternativen zur in der Regel stark chemisch behandelten konventionellen Bekleidung und Wäsche zu finden. Dass sich schließlich die Umweltbewegung auch der Textilfrage annahm, kam nicht von ungefähr. Denn der ausufernde Klamottenkonsum und der rasante Wechsel der Moden haben für Umwelt und menschliche Gesundheit verheerende Folgen. Egal ob Natur- oder Chemiefaser: die Produktion von Textilien ist mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. So wird der überwiegende Teil der heutzutage verarbeiteten Baumwolle in riesigen Monokulturen unter hohem Einsatz von Chemikalien erzeugt. Synthetikfasern werden unter hohem Energieverbrauch aus Erdöl hergestellt, dabei werden Luft und Wasser durch Schadstoffe belastet. Auch beim Bleichen und Färben der Fasern, bei der Veredlung und Weiterverarbeitung der Stoffe werden die verschiedensten Chemikalien verwendet, darunter Schwermetalle, Formaldehyd und viele Chlorverbindungen. Die ökologisch engagierte Textilherstellerin Britta Steilmann bringt das Problem ihrer Branche auf den Punkt: Die Textilindustrie ist der zweitgrößte Umweltverschmutzer der Welt". Und nicht nur die Umwelt leidet, sondern auch unsere Gesundheit. Immerhin ist Bekleidung eine hautnahe Angelegenheit. Allergien, die teilweise nachweislich auf das Konto von Schadstoffrückständen in der Bekleidung gehen, haben in Deutschland wie in allen Industriestaaten drastisch zugenommen. Durch Körperwärme, Talg und Schweiß gelangen Schadstoffe und Allergene durch die Haut oder werden eingeatmet. Besonders gefährdet sind Kinder durch die rund 7000 verschiedenen Chemikalien, die in unterschiedlichen Zusammensetzungen in Textilien nachgewiesen werden konnten, darunter auch Formaldehyd, Pentachlorphenol (PCP) und Schwermetallverbindungen. In Windeln und Importware wurden noch vor zwei Jahren die in Deutschland inzwischen verbotenen Azo-Farbstoffe gefunden, die als krebserregend gelten. Textildruck: Natürlich bunt Beim Textildruck entstehen in der Regel hohe Umweltbelastungen. So werden die hochkonzentrierten, überschüssig angesetzten Farbpasten meist mit dem Reinigungswasser über das Abwasser entsorgt. Doch es geht auch beim Textildruck ohne Chemie. Das Kölner Katalyse Institut und die Sehestedter Naturfarben GmbH haben in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekt umweltfreundliche Textildruckpasten auf der Basis nachwachsender Rohstoffe und umwelt- und gesundheitsverträglicher Naturstoffe entwickelt. Durch den Einsatz von Chitosan, das aus Krabbenschalen gewonnen wird, ist es möglich, eine Druckpaste herzustellen, die absolut frei von Lösemitteln ist, und bei deren Produktion kein Sondermüll entsteht. In ersten Druck- und Verarbeitungstests konnten die Druckfarben problemlos im Siebdruckverfahren eingesetzt werden, wobei in den Abläufen und in der technischen Qualität kein Unterschied zu bekannten synthetischen Druckfarben besteht. Auch entstehen nach Aussage des Katalyse Instituts keine problematischen oder gar giftigen Abwässer. Die neuen Druckfarben sind schwermetallfrei und enthalten weder Chlor- noch Flourverbindungen. Farbreste können aus dem Abwasser filtriert und nach Trocknung kompostiert werden. Auch Licht- und Waschechtheit sollen den heutigen Ansprüchen der Verbraucher entsprechen. Der Mehrpreis für das umweltfreundliche Bedrucken liegt nach ersten Berechnungen zwischen fünf und zehn Prozent. Weitere Informationen: Sehestedter Naturfarben, Adolf Riedl, Alter Fährweg 7, 24814 Sehestedt, Tel. 04357-1049; Katalyse Institut für angewandte Umweltforschung, Frank Waskow, Remigiusstraße 21, 50937 Köln, Tel. 0221-9440480. Textilienversand: Öko-Mode aus dem Katalog Bereits Mitte der siebziger Jahre gründete der Öko-Pionier Heinz Hess seine Firma, als sich die Szene" für gesunde Kleidung zu interessieren begann. Zunächst vertrieb Hess Kleidung aus Naturfasern: Kinder- und Babysachen und gesunde, aber biedere Damenbekleidung. Mitte der achtziger Jahre begann man, die chemische Ausrüstung der Produkte unter die Lupe zu nehmen. Gleichzeitig mit dem Verzicht auf Formaldehyd, Mottenschutz und Kunstharze wurde die Kleidung tragbarer. Die ersten Jeans und Wollmäntel der etwas edleren Ausführung schlichen sich in die Kollektionen, es kam Farbe ins Spiel. Zu Beginn der neunziger Jahre nahm sich Hess die gesamte Kette von der Erzeugung der Rohstoffe über die Veredlung der Stoffe bis zur Verarbeitung vor. Heute kann sich jeder Kunde im Katalog bei jedem einzelnen Kleidungsstück darüber informieren, wo die Fasern der Produkte herkommen, ob sie aus kontrolliert biologischem oder konventionellem Anbau stammen, ob und wie sie gebleicht sind, ob sie gefärbt sind, ob synthetische Farbstoffe benutzt, ob, wie und wo eine chemische Aufwertung des Kleidungsstücks vorgenommen wurde. Auf langlebige Klassiker wie Schurwoll-Pullover oder Leinenkleider wird sogar eine Produktgarantie von drei Jahren gegeben. Die Kollektionen stehen der konventionellen Mode weder in der Farbe noch im Schnitt nach. Heute versteht sich der Öko-Pionier als moderner Öko-Dienstleister, der Wert auf seine Unternehmensphilosophie legt. Innovation und nachhaltiges Wirtschaften" heißt das Credo bei Hess. Das Unternehmen sieht sich als Mittler zwischen seinen Lieferanten und seinen Kunden und legt Wert auf Transparenz von der Erzeugung der Rohstoffe bis zum verarbeiteten Produkt. Doch leider hat die Natürliche Kleidung für anspruchsvolle Individualisten" auch ihren Preis, der um einiges über dem Supermarkt-Schnäppchen mit dem Öko-Tex-Standard liegt. Dass das Unternehmen trotzdem floriert, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass mit der Firma auch die Kundschaft älter geworden ist und sich etabliert hat. Nicht wenige Graswurzelrevolutionäre der siebziger Jahre sind heute in Amt und Würden und haben das grobgewebte Gewand mit dem schicken Outfit der neunziger Jahre vertauscht. Adressen für kostenlose Katalogbestellung: Alb Natur, Karlstraße 60, 89150 Laichingen, Tel. 01 80-52 14-512; Hess Natur Textilien, Marie-Curie-Straße 7, 35510 Butzbach, Tel. 01 80-53 56-800; Versandhaus Köppel, Bregenzer Straße 15, 88129 Lindau, Tel. 0 18 05-23 82 39; Waschbär Versand, Abrichstraße 4, 79108 Freiburg, Tel. 01 80-5 39 56. Otto Versand: Den Faktor Ökologie stärken Schon seit den siebziger Jahren wird beim Otto Versand" Umweltschutz groß geschrieben. Was mit dem Einsatz von Recyclingmaterialien bei Versandkartonagen und der Abfalltrennung im Betrieb begann, führte bald zur Auslistung von Echtpelzbekleidung und Tropenholzmöbeln. 1993 gründete Firmenchef Michael Otto eine nach ihm benannte Stiftung für Umweltschutz. Wie nimmt der Hamburger Handelsriese Einfluss auf Umwelt und Gesundheit im Geschäft mit Bekleidung? Naturschutz heute sprach mit Dr. Johannes Merck, dem Leiter der Abteilung Umweltkoordination beim Otto Versand: Herr Merck, der
Handel ist das Verbindungsglied zwischen Herstellern und Verbrauchern.
Welchen Einfluss können Sie als Versandhandel mit ökologischem
Anspruch auf die Produktion und die Produktqualität der Waren in
ihrem Sortiment nehmen? Aber Textilien
legen in der Regel auf ihrem Weg von der Rohfaser zum Verbraucher einen
langen Weg mit vielen Etappen zurück. Und den Waren sieht man doch
nicht an, unter welchen Umweltbedingungen sie produziert wurden oder
ob sogar Kinderarbeit im Spiel ist. Können Sie das kontrollieren? Der Otto Versand
hat eine eigenes Umweltzeichen für eine Kollektion aus Naturfasern
geschaffen. Welche Kriterien muss die Kleidung Ihrer future collection"
erfüllen und wie korrespondiert das mit dem Öko-Tex Standard
100? Kann man mit
umweltverträglichen Textilien in Deutschland Umsätze machen? Wie sehen Sie
Ihre Möglichkeiten, als Handelsunternehmen zur Konkretisierung
des vielzitierten Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen? Weitere Informationen: Otto Versand, Wandsbeker Straße 3-7, 22172 Hamburg, Tel. 040-6461-1372, Fax 040-6461-7198. Bettwäsche: Bio-Laken aus dem Schwarzwald Als Stromrebellen" sind sie bundesweit bekannt, die Einwohner der Schwarzwaldgemeinde Schönau. Aber nicht nur bei der Übernahme ihres Stromnetzes zeigten die Schönauer Flagge. Als Ende 1993 die bekannte Bettwäschefirma Irisette ihre Produktion endgültig einstellte, gingen der Gemeinde 150 Arbeitsplätze verloren. Am Biertisch entstand die Idee, selbst Stoffe herzustellen. Einige arbeitslose Weberinnen und Weber gründeten auf dem stillgelegten Fabrikgelände die Naturstoffe Schönau GmbH, kurz NASCH genannt, und übernahmen einige Webstühle. Wie schon beim Kauf des Stromnetzes kann auch dieses Projekt auf den Rückhalt der Bevölkerung bauen, die sich in einem Förderverein zusammengeschlossen hat. Mit Bettwäsche aus handgepflückter Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau fand NASCH eine Marktlücke. Die Baumwollfarmer müssen Mitglied der IFOAM (International Federal of Organic Agriculture Movements) sein. NASCH lässt die Rohfaser zusätzlich von einem Schweizer Institut überprüfen. Das Weben und die Ausrüstung erfolgen ohne chemische Hilfsmittel. Die weiße Baumwolle kommt aus der Türkei und Peru, farbig gewachsene Baumwolle aus Texas gibt den Stoffen einen eigenen natürlichen Reiz. Mit mehr als 100 Mark für einen Bettbezug bewegen sich die Produkte preislich im oberen Mittelfeld. Die Stoffe eignen sich auch für Tischwäsche sowie für Damen- und Kinderbekleidung. Ab rund 200 Meter Stoff webt NASCH auch auf Auftrag. Bei uns können Sie sogar Ihr Familienwappen in die Bettwäsche weben lassen", wirbt Herbert Gramsch, Geschäftsführer bei NASCH. Weitere Informationen: Naturstoffe Schönau GmbH, Postfach 48, 79675 Schönau, Tel. und Fax. 0 76 73-17 39. Verbraucher-Adressen Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV), Heilsbachstraße 20 , 53123 Bonn, Tel. 02 28-64 89-0, E-Mail mail@agv.de. Arbeitskreis Naturtextil, Hausmannstraße 1, 70188 Stuttgart, Tel. 07 11-23 27 52. Deutsche Zertifizierungsstelle Öko-Tex, Postfach 53 40, 65728 Eschborn, Tel. 0 61 96-966-230, Fax -226. Die Verbraucherinitiative e.V., Elsenstraße 106, 12435 Berlin, Tel. 030-5 36 07 33, Fax 030-53 60 73 45, E-Mail mail@verbraucher-ini.de. Südwind, Institut für Ökonomie und Ökumene, Lindenstraße 58-60, 53721 Siegburg, Tel. 0 22 41-5 36 17. Umweltbundesamt, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, Tel. 030-89 03-0. Literatur zum Thema BUND: Globus-Themenheft Textil und Bekleidung. Ökologische und soziale Perspektiven vom Rohstoff bis zur Altkleidersammlung. 90 Seiten, 17 Mark. Bezug über den BUND-Leserservice, Postfach 11 18, 74148 Neckarsulm. Rose Haferkamp: Öko-fair tragen. Kleidung für eine nachhaltige Zukunft. 80 Seiten, 10 Mark, Landjugendverlag 1998. ISBN 3-931716-12-0. Wolfgang Hingst & Hanswerner Mackwitz: Reiz-Wäsche. Unsere Kleidung: Mode, Gifte, Öko-Look. 274 Seiten, 34 Mark. Campus 1996. ISBN 3-593-35471-3. (siehe Besprechung in NH 4/97, S. 44) Katalyse Institut: Hanf & Co. Die Renaissance der heimischen Faserstoffe. 224 Seiten, 29,80 Mark. Die Werkstatt 1996. ISBN 3-89533-138-4. Ute Meyer: Farbstoffe aus der Natur. Geschichte und Wiederentdeckung. 159 Seiten, 29,80 Mark. Die Werkstatt 1997. ISBN 3-89533-187-2. Südwind e.V. (Hg.): Kleiderproduktion mit Haken und Ösen. Arbeitsbedingungen in der chinesischen und phillipinischen Bekleidungsindustrie am Beispiel von Zulieferbetreiben deutscher Unternehmen. 146 Seiten, 10 Mark. ISBN 3-929704-11-0. Cornelia Voß: Kann denn Mode öko" sein? Einkaufsleitfaden Naturtextilien. 98 Seiten, 10 Mark (incl. Verzeichnis Einkaufsquellen 15 Mark). Bezug über Wissenschaftsladen Bonn, Buschstraße 85, 53113 Bonn, Tel. 02 28-20 16 10. Naturschutz heute, Ausgabe 3/98 vom 7. August 1998 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. |
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