Archiv Naturschutz heuteÄhnliche Beiträge des Autors zu den Jahresvögeln: Nachtigall (1995), Feldlerche (1998), Goldammer (1999) und Rotmilan (2000) Buntspecht, Vogel
des Jahres 1997 von Karl Wilhelm Beichert
Der Specht
umflog sein Nest mit bangen Schwingen, Aber schon im Mittelalter äußert Albertus Magnus Zweifel an dieser Geschichte, indem er darauf hinweist, dass bisher noch niemand dieses Kraut kenne. Ob es sich um einen Buntspecht handelte, geht aus den Schilderungen Ovids und der anderen Autoren nicht eindeutig hervor: Ovids Beschreibung verrät mehr Phantasie als Artenkenntnis. Aber auch bei den Spechtarten, die Aristoteles um 350 vor Christus in seiner Tiergeschichte aufführt, wird eine genaue Zuordnung zu den uns heute bekannten Spezies von den Gelehrten noch diskutiert. Gesner indes bescheinigt Aristoteles die Kenntnis des Buntspechts. Wie viele Gelehrte vor ihm zeigt sich auch J.A. Naumann in seiner Naturgeschichte der Vögel Deutschlands" (1827-1844) von der Schönheit des Spechts fasziniert: Es sieht herrlich aus, wenn bei heiterem Wetter diese Buntspechte sich von Baum zu Baum jagen, im Sonnenscheine schnell an den Ästen hinauflaufen oder auch an den hohen Spitzen hoher Bäume sich sonnen oder auf einem dürren Zacken, von der Sonne beschienen, ihr sonderbares Schnarren hervorbringen. Sie sind fast immer in Bewegung, dabei sehr hurtig und beleben den Wald, besonders die düsteren Nadelwaldungen, auf eine angenehme Weise." Naumann lobt den Buntspecht, weil er die von Bostrychos (dem Borkenkäfer) befallenen Bäume durch Entrinden kennzeichnet" und durch das Herstellen von Niststätten für andere Höhlenbrüter" Nutzen stiftet. Nützlich war der Buntspecht auch eine für uns heute schwer nachvollziehbare Vorstellung als Fleischlieferant. In Zedlers Lexikon von 1743 heißt es: Das Fleisch der Spechte ist nicht gar zu zarte, sondern etwas zähe, jedoch dabey noch von ziemlichem Geschmacke, sonderlich im Winter, da sie am fettesten sind." Sein Fleisch schmeckt ziemlich gut", heißt es lakonisch bei Buffon, der auch von der Jagd auf Buntspechte berichtet: Im Sommer tödtet man oft zur Zeit der Dürre Buntspechte bey den Morästen, die sich in den Gehölzen befinden und wohin die Vögel zum Trinken kommen. Wenn man ihn auf dem Baum schießt, so fällt er selten bis auf die Erde, wenn noch etwas Leben in ihm ist, denn er hält sich mit seinen Nägeln an den Zweigen fest und man muss ihn oft noch einmahl schießen, wenn er herunter fallen soll." Sehr genau kennt sich Naumann aus: Sein derbes Fleisch behält auch beim Braten etwas von jenem, dem Vogel beiwohnenden, widerlichen Geruch, und ist daher kein sonderliches Essen, doch etwas besser das der flüggen Jungen. Diese werden deshalb in waldigen Gegenden häufig von armen Leuten aufgesucht und verspeist." Weil der Buntspecht sich fast ausschließlich von schädlichen Forstinsekten ernähre, könne er, so Naumann, ein wahrer Erhalter der Wälder" genannt werden. Deshalb sollten die Forstverwaltungen der Jagd auf den Buntspecht auch einen Riegel vorschieben, weil durch sie der Vermehrung eines nützlichen Vogels entgegengearbeitet wird". Das ist der Beginn der Schutzbemühungen um den Buntspecht und seines Lebensraums, die in der Erklärung zum Vogel des Jahres 1997 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden haben. König Picus Die Zurückgewiesene sann daraufhin auf Rache und verwandelte den Spröden: Da hat er Federn an seinem Leibe entdeckt. Empört darüber, dass er plötzlich als neuer Vogel Latiums Wälder bereichert, pickt er wütend mit hartem Schnabel ins Holz, und zornig verwundet er lange Äste." Der Specht war geboren. So jedenfalls erzählt es uns Ovid um Christi Geburt in seinen Metamorphosen (Verwandlungsgeschichten). Der Teufel und
die Spechte Die hartherzige
Bäckersfrau Naturschutz heute, Ausgabe 1/97 vom 4. Januar 1997 Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de. |
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