Archiv Naturschutz heute


Insektenanlockung durch Lampen
Tödliches Licht

von Gerhard Bronner


Millionen und Abermillionen Insekten sterben jedes Jahr an Straßenlaternen und Flutlichtanlagen. Doch endlich stellen die erste Kommunen auf insektenfreundlichere Beleuchtung um.

Die Wirkung der nächtlichen „Ausleuchtung" unsere Städte und Gemeinden und der angrenzenden Landschaft auf Insekten – vor allem Nachtschmetterlinge – ist verheerend. Vor allem Leuchten in der Nähe von zu wertvollen Lebensräumen wie Parks oder Bachläufen wirken geradezu als „Insektenstaubsauger". Die angelockten Nachtschmetterlinge verletzen sich an den Lampen oder werden in ihrem Verhalten so gestört, dass ganze Vorkommen in der näheren Umgebung erlöschen können.

Dem kann man jedoch abhelfen, denn nicht jeder Lampentyp lockt gleich viele Insekten an. Die größte Staubsaugerwirkung haben sogenannte Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HQL), während Kompakt-Leuchtstofflampen (Dulux) und Natriumdampf-Hochdrucklampen (NAV) schon deutlich insektenverträglicher sind. Am besten geeignet sind schließlich Natriumdampf-Niederdrucklampen (NA). Das NABU-Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl hat aufgrund eigener Untersuchungen deshalb vorgeschlagen, bei der Straßenbeleuchtung grundsätzlich Natriumdampflampen statt Quecksilberdampflampen zu benutzen. Außerdem sollten geschlossene, „insektendichten" Leuchten angebracht werden, die ihr Licht konzentriert abstrahlen und niedrig installiert sind. Überprüft sollte auch, in welchen Fällen außerörtliche Straßen und Wege wirklich beleuchtet werden müssen.

Donaueschingen geht voran
In Donaueschingen hat man die Empfehlungen nun aufgegriffen, wobei die Beratungen im Gemeinderat zunächst zu ironischen Schlagzeilen führten wie „Donaueschingen wird zur mückenfreundlichen Stadt". Ganz so Revolutionäres wurde freilich nicht beschlossen. Die Umrüstung von Flutlichtanlagen wurde für sinnvoll erachtet, bei der Straßenbeleuchtung konnte man sich aber nicht grundsätzlich zum vermeintlichen „Gelblicht" entschließen. Immerhin werden künftig bei Neuinstallationen und beim Ersatz von alten Straßenleuchten nur geschlossene Lampenformen verwendet und nur solche, die das Licht im wesentlichen nach unten aussenden.

Weiter ging man in der Nachbarstadt Bräunlingen: Dort werden konsequent bei der Straßenbeleuchtung überall nur noch NAV- oder Duluxlampen verwendet. Bestehende Quecksilberdampflampen sollen im Lauf einiger Jahre ausgewechselt werden. Im Vordergrund steht dabei allerdings weniger der Schutz der Insekten, sondern die Energieeinsparung.

Keine Angst vor Falschfarben
Akzeptanzprobleme mit den neuen Lampen gab es nicht. Ohnehin verfälschen nur Natriumdampf-Niederdrucklampen (NA) das Licht so stark, dass keine Farben mehr erkennbar sind. Die bei der Straßenbeleuchtung verwendeten Natriumdampf-Hochdrucklampen (NAV) sind dagegen nicht grell gelb und werden gut akzeptiert. Eine neue Generation der NAV-Lampen soll noch natürlicheres Licht ausstrahlen als die HQL-Lampen. Damit können hoffentlich die noch bestehenden Bedenken in manchen Städten ausgeräumt werden.

In Donaueschingen fragte die Stadt bei allen Sportvereinen nach, ob sie Interesse an einer Umrüstung der Flutlichtanlagen hätten. Bei Verwendung insektenfreundlicher Beleuchtung wurden 20 Prozent Zuschuss in Aussicht gestellt. Als erstes meldete der Fußballclub Pfohren Interesse an: auf seinem Platz hatten Spechte die Holzpfosten der bestehenden Flutlichtanlage angeknabbert, weshalb ohnehin eine Erneuerung fällig wurde.

Spezialfilter für Sportplätze
Problematischer war das „Gelblicht", da man befürchtete, dass die Trikotfarben nicht mehr erkennbar wären. Außerdem schließt die DIN 67526 „Beleuchtung von Sportstätten" den Einsatz von Natriumdampflampen aus. So machte sich der „Vereinstechniker" Karl-Heinz Kornhaas auf die Suche nach anderen Lösungen – und wurde fündig. Die Abteilung Lichttechnik der AEG hatte sich bereits mit der Insektenanlockung auseinandergesetzt und Filter entwickelt, die den kurzwelligen Lichtanteil der Lampen weitgehend herausfiltern. Mit einer Kombination von Blau- und UV-Filter ist es möglich, die Lichtintensität für Insekten auf weniger als ein Drittel zu reduzieren. Das ist zwar noch nicht ganz so günstig wie die Werte von Natriumdampflampen, aber immerhin zusammen mit dem Einsatz der Planflächenstrahler ein akzeptabler Kompromiss.

Inzwischen ist die neue Flutlichtanlage installiert und auf allgemeine Zustimmung gestoßen. Geradezu begeistert war man von den Planflächenstrahlern: Während die Leuchten auf dem benachbarten Sportplatz weit in die Landschaft leuchten und noch vom zehn Kilometer entfernten Fürstenberg aus blendend wirken, bestrahlen die neuen Lampen nur das Spielfeld. Es wird zudem besser und gleichmäßiger ausgeleuchtet.

Auch die Anlieger profitieren
Nutznießer sind nicht zuletzt die Bewohner des angrenzenden Wohngebiets, denen nun nicht mehr das Flutlicht ins Schlafzimmer scheint. Dies entschärft Nachbarschaftskonflikte – im Bereich von Sportanlagen ja durchaus ein bekanntes Problem – und freut Nachtschwärmer, die nachts die Landschaft im Mondlicht vorziehen. Wie geht es weiter? Eine weitere Neuanlage mit derselben Technik ist im Donaueschinger Ortsteil Grüningen bereits ins Auge gefasst. Bei einem Übungsfußballplatz im Hüfinger Ortsteil Mundelfingen wurden Planflächenstrahler und Filter von der Stadt und vom Landratsamt zur Genehmigungsauflage gemacht. Ohnehin ist dort der Standort sehr problematisch: ortsfern mitten in der Landschaft und zudem direkt am Waldrand. Mit der neuen Technik können immerhin die negativen Auswirkungen etwas abgemildert werden.

Insektenfreundliche und lichtemissionsarme Flutlichtanlagen sind also in einigen Kommunen bereits Standard geworden. Um dies auch andernorts zu erreichen, hat der Verfasser dem Badischen Sportbund vorgeschlagen, eine solche Technik zur Bedingung für die Bezuschussung von Flutlichtanlagen zu machen. Der Sportbund schüttet Lottomittel in Form von Investitionszuschüssen an Sportvereine aus. Im Moment wird dieses Anliegen noch geprüft.

Broschüre „Überbelichtet"
Das NABU-Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl hat seine Forschungsergebnisse zum Thema insektenfreundliche Beleuchtung in einer ausführlichen Broschüre unter dem Titel „Überbelichtet" veröffentlicht, die nun in einer überarbeiteten dritten Auflage vorliegt. Bezug gegen fünf Mark in Briefmarken beim NABU Baden-Württemberg, Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart.

Naturschutz heute, Ausgabe 4/96 vom 9. August 1996


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

Themenübersicht Archiv Naturschutz heute * Home