Hintergrundinfo zu Naturschutz heute – Ausgabe 4/99 vom 5. November 1999


Ausbildung zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger (GNL)
Investition in die Zukunft mit Zukunft?

Ein Erfahrungsbericht von Ulrich Kastler, stellvertretend für die Absolventen der bundesweit ersten GNL-Ausbildung:

Augsburg am 30 September 1999. Geschafft, einer der ersten vierzehn staatlich geprüften Natur- und Landschaftspfleger in Deutschland zu sein, das macht schon etwas stolz. Auch wenn die Aussichten, den täglichen Broterwerb damit zu bestreiten, momentan nicht zu rosig sind. Bayern Landwirtschaftsminister Josef Miller betonte in seiner Rede anlässlich der Zeugnis- und Urkundenverleihung denn auch stark das notwendige Eigenengagement der Absolventen. Auf dem Stellenmarkt müsse sich das neue Berufsbild erst etablieren, so Miller.

Die eine Hälfte der Kursteilnehmer streben mit dem Abschluss ein zweites Standbein zum bestehenden Betrieb oder Gewerbe an. Die andere Hälfte der im Arbeits- oder Angestelltenverhältnis stehenden Teilnehmer möchte damit ihr Wissen abrunden oder die Grundlage für eine spätere Selbständigkeit schaffen.

Nun ist, wer in Natur- und Landschaftspflege arbeitet, ohnehin nicht auf Rosen gebettet - und Durchhaltevermögen war auch während der Ausbildung gefragt. Sechzehn Wochen Schulbank im zurückliegenden Jahr, das bedeutete: lange Anreisen, finanzielle Schwierigkeiten, berufliche und private Doppelbelastung, auch mal schlechtes Wetter bei Exkursionen, außerdem trockene Gesetzestexte und kiloweise Papierverbrauch. Es bedeutete aber auch das Kennenlernen von Regionen und Menschen, einzigartige Naturräume bewusst zu erleben sowie Standpunkte und Sichtweisen der anderen "grünen Berufe" verstehen zu lernen.

Besonders positiv haben alle Teilnehmer den Bereich Umweltbildung, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit an der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Laufen bewertet. Diese Wochen trugen sehr zur Persönlichkeitsbildung jedes Einzelnen, aber auch zum "Wir-Gefühl" des Kurses bei. Aber auch allen anderen Referenten sei noch einmal gedankt für den meist gelungenen Drahtseilakt zwischen Möglichem und Machbarem, da Stoffumfang und Zeitrahmen oft miteinander kollidierten.

Aufgrund der unterschiedlichen beruflichen Vorbildung und Tätigkeiten der Teilnehmer gab es ebenso unterschiedliche Reaktionen auf die einzelnen Unterrichtseinheiten. Von "kalter Kaffee" bis "das schaffe ich nie" war alles zu hören. Aber auch hier gilt das alte schwäbische Sprichwort: "Man geht nie dümmer nach Hause, als man fortgegangen ist". Dies galt gleichermaßen für die Kursteilnehmer wie für die Referenten und die Organisatoren dieses ersten Lehrgangs. Zusammenfassend auf den Punkt gebracht: Eine lohnende Weiterbildung, interessant, vielseitig, praxisorientiert und bis auf ein paar Kinderkrankheiten gut organisiert.

Adresse des Autors: Ulrich Kastler, Sontheimer Straße 3, 89431 Bächlingen/Brenz, Fax 07325-919614.

Artikel "Mit Brief und Siegel"


Hintergrundinfo zu Naturschutz heute, Ausgabe 4/99 vom 5. November 1999

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