Naturschutz heute – Ausgabe 4/98 vom 6. November 1998


Steaks von der Elbe
Der NABU startet die Vermarktung von Bio-Fleisch

von Andreas Lindemann, Jürgen Hansen, Dietmar G.W. Königstedt

Mit seiner Kampagne Landschaft schmeckt! strebt der NABU eine Synthese von Landwirtschaft und Naturschutz an. Eine „Naturwirtschaft" soll zu einer langfristig tragfähigen Nutzung der Landschaft führen. Zu den konkreten NABU-Beispielprojekten gehört „Leben an der Elbe", in dem die Bereiche Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft so miteinander verknüpft werden, dass sich wechselseitig Vorteile ergeben.

Leider fehlt vielerorts die Gelegenheit zum Einkauf von Bioprodukten und gerade auch von Bio-Frischfleisch. Dies ist der entscheidende Grund, warum im Rahmen von "Leben an der Elbe" nun ein Frischeversand für Fleisch und Wurstwaren angeboten wird. NABU-Mitglieder können so exklusiv große und kleine Portionen frischen Bio-Fleisches von Rind, Schwein und Schaf sowie Bio-Wurstwaren bestellen. Die Lieferung erfolgt per Post, die Frische der Produkte wird durch eine Spezialverpackung und die Zustellung innerhalb eines Tages garantiert. Das Einführungspaket enthält Bratwurst, Bratenfleisch, Gulasch und Steaks.

Für die Produktion des Biofleisches liefern Bauernhöfe aus der Elbtalaue, die nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus Mutterkuhhaltung betreiben, ihre Tiere in einen norddeutschen Pool unter Regie des AGÖL-Verbandes Biopark. Diese Zusammenführung stellt sicher, dass fortlaufend eine ausreichende Menge Biofleisch gleichbleibender Qualität zur Verfügung steht. Für die Vermarktung ist es entscheidend, dass Kundenwünsche schnell und zuverlässig erfüllt werden, sich keine langen Wartezeiten zwischen Kaufentscheidung und Lieferung des Fleisches ergeben. In der Kooperation mit Biopark kann das NABU-Projekt dies sicherstellen und den NABU-Mitgliedern dieses Angebot über den Postversand erstmalig unterbreiten.

Die Rinder stammen unter anderem vom Betrieb Rosenberg in Groß Banratz und von der Erzeugergemeinschaft Prignitzer Weiderind in Brandenburg. Der Bestand umfasst Kreuzungen verschiedener Rassen wie Gelbvieh, Limousin, Deutsch-Angus und Hereford. Die Tiere werden artgerecht gehalten. Sie leben im Sommerhalbjahr auf der Weide, im Winter in einem Laufstall.

Die Kälber werden mit Muttermilch und im Familienverband groß, so dass sie wieder artgerechtes Sozialverhalten mit Spielen, Rennen und Kräfte messen zeigen. Mit der Muttermilch werden die Kälber mit dem besten Futter versorgt, was zur Verfügung gestellt werden kann. Das Fleisch dieser Kälber ist deshalb ein rundum gesundes und natürliches Nahrungsmittel. Die Kälber werden im Alter von rund neun Monaten geschlachtet, wenn bei den Mutterkühen der nächste Nachwuchs ansteht. Die Firma Thomson aus Schleswig Holstein schlachtet in Kellinghusen und verarbeitet in Bad Bramstedt. Der Transportweg von der Elbe beträgt maximal zwei Stunden.

Wer Ökoprodukte isst, tut nicht nur etwas für sich selbst und seine eigene Gesundheit, sondern auch gleichzeitig etwas für die Natur und den Naturschutz. Gerade die flächenangepasste Viehwirtschaft und der Verzicht auf chemische Hilfsmittel ermöglichen es der Natur, sich zu entfalten. Untersuchungen belegen, dass die Tier und Pflanzenwelt auf ökologisch bewirtschafteten Feldern um ein mehrfaches vielfältiger ist als auf vergleichbaren, konventionell geführten Schlägen.

Neben dem Naturschutz versucht das Projektteam auch möglichst viele Aspekte des Umweltschutzes zu integrieren. Unverzichtbarer wirtschaftlicher Ausgangspunkt ist dabei aber, dass die heute vorhandenen Verpackungsmaschinen für konventionelle Lebensmittel mitgenutzt werden. Nur so ist es möglich, den Endpreis des Produktes Bio-Frischfleisch akzeptabel zu gestalten. Die Entwicklungen neuer Verpackungstechniken ist derzeit noch nicht realisierbar. Dagegen wird das Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel in recycelbaren Schalen angeboten werden. Die Verpackungen im Postversand sollen kostenlos vom Kunden zurückgesandt und wiederverwandt werden.

Ausführliche Informationen zu den Biofleisch-Produkten gibt es bei der Elbtal-Handels GmbH, Auf der Festung 2b, 19030 Dömitz/Elbe, Tel. 03 87 58-263-79, Fax -80.

Naturschutz heute, Ausgabe 4/98 vom 6. November 1998

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