Naturschutz
heute Ausgabe 4/01 vom 26. Oktober 2001
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Reiher und Delfine
Ein NABU-Projekt an den Mahakam-Seen im Osten Borneos.
von Susanne Schwarz
Der
Zufall führte Christian Gönner 1988 erstmals vom heimischen
Bodensee an die Mahakam-Seen im fernen Indonesien. Die faszinierende
Vogelwelt und die freundliche Atmosphäre in den angrenzenden Dayak-Dörfern
ließen den NABU-Mann seither immer wieder an die Seen zurückkehren.
Gönners zahlreiche Studien belegen die Besonderheit dieses Gebietes,
und die Mitwirkung am Erhalt dieses Lebensraumes wurde ihm zur Herzensangelegenheit.
Die Mahakam-Seen liegen in einer weiten Ebene im Osten der Insel Borneo.
Mit 750.000 Quadratkilometern ist Borneo die drittgrößte
Insel der Welt und gut doppelt so groß wie Deutschland. Immer
wieder versuchte Christian Gönner, indonesische und internationale
Naturschutzorganisationen für die Seen zu interessieren. Im Sommer
1999 schließlich nahm Wetlands
International die Mahakam-Seen in ihr Indonesienprogramm auf. Ein
Jahr später wurde die Seenplatte in das weltweite "Living
Lakes"-Netz des Global Nature Fund eingebunden. Mit beiden
Umweltorganisationen arbeitet der NABU Überlingen inzwischen eng
zusammen. Anfang des Jahres veranstalteten sie gemeinsam eine Ausstellung
sowie mehrere Vorträge, um so Fördergelder für weitere
Maßnahmen vor Ort zu sammeln.
Teppiche
aus Wasserhyazinthen
Mit den umgebenden Sümpfen bildet die Seenplatte eine natürliche
Regulierungszone für den Mahakam, den mit 650 Kilometern längsten
Fluss der Provinz Ost-Kalimantan. Je nach Jahreszeit bieten die Seen
ein völlig unterschiedliches Bild: weite Wasserflächen, kaum
durchdringbare Teppiche aus flutenden Gräsern und Wasserhyazinthen,
oder aber krustige Erdschollen, durch die sich in der Trockenzeit nur
noch ein dünnes Rinnsal zieht. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe
von zwei bis sechs Metern trocknen die Seen alle paar Jahre fast vollständig
aus. Während der Regenzeit hingegen erstrecken sie sich über
eine Fläche von bis zu 60.000 Hektar.
Die schier endlosen Sümpfe bieten Pracht- und Purpurreihern ideale
Brutbedingungen und auch mehrere Schildkröten- sowie zwei Krokodilarten
fühlen sich hier zu Hause. Von August bis Oktober besuchen Tausende
Weißbart-Seeschwalben die dann freiliegenden Schlickflächen.
Unter den Watvögeln befinden sich mehr als 5000 Bruchwasserläufer
sowie Rotkehl- und Langzehenstrandläufer, Großer Knutt, Pazifischer
Goldregenpfeifer oder auch der seltene Isabellbrachvogel. In den Sumpfwäldern
der näheren Umgebung lebt eine größere Population der
nur auf Borneo vorkommenden Nasenaffen, während sich in den beiden
nördlichen Seen noch der seltene Irrawaddy-Delfin
tummelt.
Irrawaddys
im Mangrovensumpf
Verglichen mit anderen Delfinen ist der Irrawaddy ein langsamer Schwimmer,
er erinnert etwas an den arktischen Belugawal. Der Irrawaddy lebt in
Süß-, Brack- und Küstengewässern vom Golf von Bengalen
über Australien bis nach Südchina. Trotz dieses großen
Verbreitungsgebietes gilt er heute als vom Aussterben bedroht. Genaue
Bestandszahlen gibt es leider nicht, denn die trüben, krokodil-
und moskitoreichen Mangroven erschweren biologische Untersuchungen.
Fest steht aber, dass dem Irradwaddy Nahrungsmangel durch Überfischung
ebenso zu schaffen macht wie die Gewässerverschmutzung durch Pestizide
und andere Gifte sowie die zunehmende Verbauung der Küstenbereiche.
Der Fischreichtum der Seen ernährt nicht nur Delfine und Scharen
von Wasservögeln, sondern auch einige tausend Fischerfamilien,
die teils in Pfahlbauten, teils in schwimmenden Häusern leben.
Pro Jahr werden bis zu 30.000 Tonnen Fisch aus den Mahakam-Seen gefangen.
Ein Großteil davon wird getrocknet und auf den Märkten der
indonesischen H
auptinsel
Java verkauft.
Bislang stehen die Seen trotz ihrer herausragenden ökologischen
Bedeutung unter keinerlei staatlichen Schutz. Landumwandlungen sind
in großem Stil geplant. Dazu gehört die Rodung der angrenzenden
Wälder zum Anbau von Plantagenholz und Ölpalmen sowie der
Abbau von Steinkohle. Aber auch Eingriffe am Oberlauf des Mahakam-Flusses
gefährden die Seen. Als Folge des jahrzehntelangen Raubbaus am
Regenwald schwankt der Wasserstand mittlerweile wesentlich häufiger
und schneller. Goldwäscher verseuchen das Wasser mit Quecksilber,
das selbst noch im Unterlauf nachweisbar ist.
Störche
und Krokodile kartieren
Für den Schutz des Mahakam und der Irrawaddy-Delfine kämpfen
auch zwei kleine einheimische Naturschutzgruppen. Gemeinsam mit ihnen
wird der NABU mehrere Exkursionen in die Sumpfwälder durchführen,
die vor den weltweit Schlagzeilen machenden, verheerenden Waldbränden
von 1998 eine der weltgrößten Brutkolonien des gefährdeten
Malaienstorchs beherbergten. Neben der Suche nach dessen - hoffentlich
- neuen Brutplätzen soll zudem das Vorkommen der beiden Krokodilarten
kartiert werden.
Im
Anschluss an die Untersuchungen soll ein Planungsworkshop folgen, um
ein Schutzkonzept zu erarbeiten. Dabei ist zunächst an ein Netz
kleinerer, individuell finanzierbarer Projekte gedacht. Deren Gesamtwirkung
soll durch Beteiligung lokaler Naturschutzgruppen sowie der örtlichen
Bevölkerung dauerhaft gesichert werden. Um die Schutzbemühungen
auch in die staatliche Raumplanung mit einfließen zu lassen, wird
ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit auf der Politikberatung liegen.
Vom fernen Bodensee wird der NABU Überlingen die Schutzbemühungen
mit Spendenaktionen, Informationsveranstaltungen und internationalen
Kontakten unterstützen.
Kontakt: NABU Überlingen,
Mühlenstraße 4, 88662 Überlingen, Info@NABU-Ueberlingen.de.
Naturschutz
heute,
Ausgabe 4/01 vom 26. Oktober 2001
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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