Naturschutz
heute Ausgabe 4/00 vom 22. November 2000
Buchbesprechungen
Fledermäuse * Riesenkraken und Tigerwölfe
* Seeungeheuer * Tierfindlinge * Menschen,
Tiere, Phantasien...
* Vögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens
Fledermäuse
satt
Fledermäuse
jagen mit einer genialen Echoortung. Wie dies funktioniert, wo und wie
man Fledermäuse beobachten kann, wie sie leben und sich fortpflanzen,
wie man die heimischen Arten auseinder hält und was sich zum Schutz
der Fledermäuse tun lässt, beschreiben Björn Siemers
und Dietmar Nill in ihrem Praxisbuch Fledermäuse. Faszination
und jahrelange Erfahrung im Umgang mit Fledermäusen kennzeichnen
dieses Buch - und ganz besonders Dietmar Nills brillante Lichtschrankenaufnahmen
fliegender und jagender Fledermäuse. Eine "Fledermausgalerie"
stellt die Arten ausführlich vor, Experteninterviews, viele praktische
Tipps und ein ausführlicher Adressteil runden dieses ebenso nützliche
wie betrachtenswerte Buch ab.
Björn Siemers & Dietmar Nill: Fledermäuse. Das Praxisbuch.
- 128 Seiten. 24,90 Mark. BLV 2000. ISBN 3-405-15930-X.
Mysteriöse
Tiere
Viele glauben, dass es in unserer modernen Welt keine Entdeckungen mehr
geben kann. Doch existieren Riesenkraken, Affenmenschen, Tigerwölfe,
Onzakatzen und andere fabelhafte Wesen wirklich nur in unserer Phantasie?
Nein, sagen die Kryptozoologen und machen sich auf die abenteuerliche
Suche nach diesen mysteriösen Tieren. In Riesenkraken und Tigerwölfe
erzählt Lothar Frenz von ihren rästelhaftesten Fällen
und sensationellsten Entdeckungen. Moderne Erkenntnisse der Genforschung
stehen hier neben antiken Sagen und Legenden - spannend erzählte
Neuigkeiten aus einer Welt, in der immer noch "Wunder" möglich
sind.
Lothar Frenz: Riesenkraken und Tigerwölfe. Auf der Spur mysteriöser
Tiere. - 255 Seiten. 29,80 Mark. Rowohlt Berlin 2000. ISBN 3-87134-390-0.
Tolle
Seeungeheuer
Das kann nur ein Verriss werden. Ein unsägliches Cover. Ein Buchtitel
zum Kopfschütteln, Schulterzucken und Weglegen. Innen ein paar
holzschnittartige Schwarz-Weiß-Zeichnungen und schummerige Fotos.
Ein Schriftsatz wie in einem altbackenen Lehrbuch, etwa frühe 60er
Jahre. Und so etwas noch besprechen? Und dann an einem verregneten Sonntag
festgelesen.
Begeistert
von der Recherche des Autors, der anscheinend ALLE alten Quellen ausgegraben
hat. Und sie sortiert (Seeschlangen, Seejungfrauen, Kraken, Wale, ....)
und mit dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis - das Buch erschien
im amerikanischen Original 1994 - vergleicht. Der kulturelle Reflexionen,
von alten Jonas-im-Walfischmaul-Plastiken über Jules Verne und
seine Verfilmungen in den fünfziger/sechziger Jahren über
den "Weißen Hai" bis zur Werbung für Nissin-Nudeln
in Japan im Jahr 1993 teils ironisch kommentiert. Der aber auch viel
Verständnis für alte Missverständnisse zeigt: Wenn sich
ein vielleicht eindreiviertel Meter großer Affe auf zwanzig Meter
langen Booten auf's offene Meer hinaus wagt, dann darf er auch Angst
haben vor Geschöpfen, die größer sind als sein Schiff,
die womöglich ein zwei Meter breites Maul haben - auch wenn sie
damit eigentlich nur Plankton fressen. "Zuerst ist da ein unbekanntes
Meeresgeschöpf, unbeschrieben und ohne Namen - und furchterregend,
weil wir nicht wissen, was es ist. Dann taucht es auf aus den Nebeln
der Mythologie und nimmt physische Gestalt an, die es uns identifizieren
und katalogisieren lässt. Wenn wir soweit sind, können wir
es jagen - als Nahrung oder zum Vergnügen oder als sportliche Trophäe"
so beschreibt der Autor die typischen Stadien für ein Seeungeheuer.
Und deswegen ist dieses Buch auch ein Plädoyer für den Schutz
bedrohter Arten in den Meeren, vom Hai, der seiner wegen seiner Flossen
für die gleichnamige Suppe gnadenlos gejagt wird, bis zur Florida-Seekuh,
die ihren "Lebensraum mit einigen der gierigsten Bodenspekulanten
in der Geschichte der Vereinigten Staaten" teilen muss. Lassen
Sie sich vom Äußeren also nicht abschrecken! (jm)
Richard Ellis: Seeungeheuer. Mythen, Fabeln und Fakten. - 388 Seiten.
58 Mark. Birkhäuser 1999. ISBN 3-7643-5422-4.
Findlinge
aufziehen
Was tun mit gefundenen jungen Wildtieren, mit jungen Vögeln, die
aus dem Nest gefallen sind, mit verletzten Igeln, jungen Mardern, Siebenschläfern
oder Fledermäusen? Kompeteten Rat hierzu gibt Tierfindlinge
von Jürgen Plass. Von der Ernährung über Krankheiten
und Erster Hilfe bis zur Unterbringung und zur späteren Auswilderung
werden alle Aspekte gründlich behandelt. Vor allem aber macht Plass
immer deutlich, wo der helfende Eingriff des Menschen erlaubt oder gar
angebracht ist, wo die Grenzen der Hilfsmöglichkeiten liegen und
wo man die Tiere besser sich selbst überlässt.
Jürgen Plass: Tierfindlinge. Aufzucht, Pflege, Auswilderung.
- 2., erweiterte Auflage. 176 Seiten. 39,90 Mark. Agrarverlag 2000.
ISBN 3-7040-1663-2.
Poetischer
Gegenpol
Ein
Buch voller fotografischer Kunstwerke, ein Plädoyer für Fotografie
in schwarz-weiß und - alles schon mal da gewesen: Abgedruckt im
Öko-Test-Magazin, von 1985 bis 1992. In diesen ersten Jahren nach
seiner Gründung leistete sich das Blatt unter Art-Direktor Christof
Gassner eine ambitionierte und mehrfach preisgekrönte Gestaltung,
eine stilbildende Grafik und die Fotos von Gabriele Lorenzer. Eine volle
opulente Doppelseite vor jedem Test. Als sinnlose Platzverschwendung
verschrien vom Ignorantenchor in Leserbriefen und auf Gesellschafterversammlungen.
Wundervolle Stilleben und ironische Inszenierungen. Die Detailstudie
eines Elefanten-Hinterteils zum Test Körperlotionen. Das Wrack
einer Citroën-Ente zum Test Elektro-Autos. Das Zebra zum Test Haarfärbemittel.
Den Punk auf der Matratze in der Fabrikhalle vor dem Elektro-Heizstrahler
zum Test Raumheizen mit Strom. Den Glatzkopf zum Test Shampoos. Bilder,
die Ruhe und oft Heiterkeit ausstrahlen, poetischer Gegenpol zu den
tristen Testergebnissen. Gegenpol auch zur restlichen Grafik der damaligen
Öko-Test-Hefte, die sich oft rotzfrech auch über die Prosa
der Redaktion hermachte. Schön, dass es diese Bilder jetzt als
Buch gibt. Auf richtig gutem Fotopapier haben sie die Chance, länger
zu überdauern, als auf dem Recyclingpapier der frühen Öko-Test-Ausgaben.
Allerdings, für sich genommen erzählen Gabriele Lorenzers
Bilder halt nur einen Teil der Geschichte... (jm)
Gabriele Lorenzer: Menschen, Tiere, Phantasien... - 128 Seiten. 68
Mark. Umschau/Braus 1999. ISBN 3-8295-6825-8.
Vögel
hochgezoomt
Als 1999 Der neue Kosmos Vogelführer erschien, waren sich
die Fachleute einig: Dieser Vogelführer ist Extraklasse und setzt
Maßstäbe. Die Gesamtdarstellung der Vögel Europas,
Nordafrikas und Vorderasiens stellt 758 beobachtbare Arten ausführlich
vor: alle Brutvögel, aber auch Durchzügler, Irrgäste
und eingebürgerte Arten, abgebildet in allen Kleidern und Unterarten.
Jetzt hat der Verlag das Werk rechtzeitig vor Weihnachten als großformatige
"Liebhaberedition" herausgebracht, was vor allem die brillanten
Zeichnungen nun in all ihren Details voll zur Geltung kommen lässt.
Allerdings ist das Buch nun nicht mehr als Feldführer geeignet
und bei einem Preis von fast 200 Mark wird sich auch so mancher Liebhaber
fragen, ob es die kleine Ausgabe zu 50 Mark nicht auch tut.
Lars Svensson, Peter J. Grant, Killian Mullarney & Dan Zetterström:
Vögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. - 400 Seiten. 198
Mark. Kosmos 2000. ISBN 3-440-08401-9.
Naturschutz heute,
Ausgabe 4/00 vom 22. November 2000
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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