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Naturschutz
heute Ausgabe 3/99 vom 6. August 1999
Bücher
Wölfe:
Der letzte Wolf im Odenwald sowie Wolf unter Wölfen * Naturschutzgeschichte:
Kurt und Erna Kretschmann sowie Naturschutz in der DDR * Kulturlandschaftsführer
Lüneburger Heide, Wendland und Nationalpark Mittleres Elbtal sowie Nordwestdeutsches
Tiefland zwischen Ems und Weser * CD-ROM Rote Listen
* Der Wanderfalke in Deutschland * Kurz
vorgestellt: Lebendige Elbe, Gochsheim und seine Trockenmauern
Wölfe gestern und heute
Wölfe
gab es im Odenwald schon um das Jahr 1800 nicht mehr. Doch noch ein letztes
Mal, im Frühjahr 1864, wird „ein fremdes wildes Thier“ beobachtet, das
in Schafspferchen blutige Spuren hinterlässt. Nach langer vergeblicher
Verfolgung wird der Wolf alias „Tiger von Miltenberg“ schließlich rund
zwei Jahre später erschossen. Dieter Röckel hat die Chronik dieser zweijährigen
Hatz akribisch in der Abenteuerlichen Geschichte des letzten Wolfs
im Odenwald rekonstruiert und damit nicht nur eine Regionalgeschichte,
sondern auch einen Beitrag zur Kulturgeschichte geschrieben. Ganz überwiegend
anhand zeitgenössischer Texte und Zeitungsartikel zeigt Röckel die Einstellung
der Menschen zu einem Tier, das einerseits faszinierte, andererseits vor
allem wegen der Bedrohung für die Haustiere gefürchtet wurde.
Ganz anders
ist Werner Freunds Verhältnis zu Wölfen. Seit Jahrzehnten beschäftigt
er sich mit ihnen, lebt als „Ehrenwolf“ in verschiedenen Rudeln und hat
sich längst einen Namen als Verhaltensforscher gemacht. Lebendig beschreibt
Freund seine Erlebnisse, ohne dabei die Wölfe zu vermenschlichen oder
Gefahren im Umgang mit ihnen zu verharmlosen. Breiten Raum in Freunds
Buch Wolf unter Wölfen nimmt das Jagdverhalten der Tiere ein, das
sich schon im Alter von zehn bis zwölf Wochen ausbildet. Aus jeder Zeile
des Buches spricht Freunds Liebe zu den Tieren. Anrührende und informative
Fotos illustrieren die Erfahrungsberichte anschaulich. (elg)
Dieter Röckel:
Die abenteuerliche Geschichte des letzten Wolfs im Odenwald. – 128 Seiten.
34,90 DM. Verlag der Rhein-Neckar-Zeitung 1999. ISBN 3-929295-53-9.
Werner
Freund: Wolf unter Wölfen. – 128 Seiten. 29,90 DM. Naturbuch 1999. ISBN
3-89440-330-6.
Naturschutz-Geschichte
Gerade
85 geworden, kann Kurt Kretschmann auf ein reiches Leben zurückblicken:
Erfinder der Naturschutz-Eule, Gründer der Lehrstätte Müritzhof, Vaterfigur
für ganze Naturschützergenerationen und heute Mitglied des NABU-Ehrenpräsidiums.
Und wo Kurt Kretschmann ist, da ist auch immer Erna Kretschmann (86) an
seiner Seite. Seit mehr als fünfzig Jahren ist Kurt nicht ohne Erna denkbar
und Erna nicht ohne Kurt. Gemeinsam haben sie das Haus der Naturpflege
in Bad Freienwalde aufgebaut und bewohnt, gemeinsam streiten sie für den
Frieden mit der Natur und unter den Menschen.
Ein ausführliches
Porträt der Kretschmanns ist nun als Buch erschienen. In Form eines Interviews
spannt Ein Leben in Harmonie den Bogen von den Schrecken des Nationalsozialismus
über den Aufbau des Naturschutzes in der DDR bis hin zur Gegenwart. Ein
zweiter Teil präsentiert Texte von Kurt und Erna zum „Naturschutz vor
der eigenen Haustür“. Zahlreiche Fotos sowie Beiträge von Michael Succow,
Matthias Platzeck, Hermann Behrens, Lebrecht Jeschke und Reimar Gilsenbach
vervollständigen das Porträt zweier Menschen, die nie viel Aufhebens um
sich selbst machten – und auch deshalb ein solches Buch besonders verdient
haben.
Noch weiter
gespannt ist das zweibändige Naturschutz in den neuen Bundesländern,
aber natürlich kommen auch hier die Kretschmanns vor. Der Titel ist etwas
irreführend, denn es handelt sich um eine umfassende Geschichte des Naturschutzes
in der DDR, eben bevor daraus die neuen Bundesländer wurden.
Zahlreiche Autoren
beschreiben unter anderem die Anfangsjahre nach 1945, die Entwicklung
des ehrenamtlichen Naturschutzes und die Arbeit der verschiedenen Fachausschüsse
auf DDR- und auf Bezirksebene. Gleiches gilt für den wissenschaftlichen
und amtlichen Naturschutz. Der zweite Band schließlich stellt die Entwicklung
der Naturschutzgebiete und von Schutzstrategien vor, ein Schwerpunkt ist
der Entstehung des DDR-Nationalparkprogrammes gewidmet. Insgesamt ein
auch von Wessis mit viel Gewinn zu lesendes Werk. (elg)
Marion Schulz
(Bearb.): Ein Leben in Harmonie. Kurt und Erna Kretschmann - für den Schutz
und die Bewahrung der Natur. – 132 Seiten. Direktbezug für 20 Mark incl.
Versandkosten beim NABU Natur Shop, Calenberger Straße 24, 30169 Hannover,
Fax 0511-91105-40.
Institut
für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung (Hg.) (1998): Naturschutz
in den neuen Bundesländern – Ein Rückblick. – 2 Halbbände, 717 Seiten.
39,90 DM. BdWi 1998. ISBN 3-924684-60-X.
Kulturlandschaften
Mit
zwei vielversprechenden Bänden über die Lüneburger Heide und das Nordwestdeutsche
Tiefland startet im Ulmer Verlag eine neue Reihe „Kulturlandschaftsführer“.
Beide Bände aus der Feder des Geobotanikprofessors Richard Pott erläutern
zunächst ausführlich, wie sich die Landschaften unter dem Einfluss der
Eiszeiten geformt und dann durch die Einflussnahme des Menschen zu Kulturlandschaften
verändert haben.
Die zweite Hälfte
der Bücher ist dann konkreten Exkursionstipps gewidmet. Auch hier wird
der Leser reichlich mit kulturellen, bodenkundlichen, geologischen und
biologischen Informationen versorgt. Geschickt fügt Pott die Erkenntnisse
ganz unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen zu einem ganzheitlichen
Landschaftsbild zusammen. So ermöglicht er ein vertieftes Verständnis
der vielfach vernetzten Prozesse, die das Landschaftsgefüge entstehen
ließen und auch künftig beeinflussen werden. Aufbau und Nutzung der Moore
und der Heiden werden ebenso geschildert wie die historische Entwicklung
des Bauernstandes und der Landwirtschaft oder die jüngsten archäologischen
Erkenntnisse zur Varusschlacht im Teutoburger Wald. (elg)
Richard Pott:
Lüneburger Heide, Wendland und Nationalpark Mittleres Elbtal. – 256 Seiten.
39,80 DM. Ulmer 1999. ISBN 3-8001-35159.
Richard
Pott: Nordwestdeutsches Tiefland zwischen Ems und Weser. – 256 Seiten.
39,80 DM. Ulmer 1999. ISBN 3-8001-35183.
Rote
Listen auf CD-ROM
Rote
Listen sind ein wichtiges Naturschutzinstrument, doch inzwischen gibt
es von der Kreis- bis zur EU-Ebene so viele verschiedene Listen, dass
man kaum mehr durchfindet. Das soll sich nun ändern, denn die „Liste der
Listen“ ist da, wie sie der „Spiegel“ nannte. Auf CD-ROM versammelt stellt
das größte digitale Nachschlagewerk über Tiere, Pflanzen, Pflanzengesellschaften
und Biotoptypen in Mitteleuropa mehr als eine Million Datensätze zur Verfügung.
Drei Jahre lang waren rund 50 Studenten und Schüler in Gaggenau bei Karlsruhe
damit beschäftigt, alles im Computer zu erfassen und zu korrigieren. Die
Informationen wurden rund 2000 aktuellen und historischen Roten Listen
entnommen.
Genauso wichtig
war die anschließende Überarbeitung der Daten, an der 25 Spezialisten
einzelner Pflanzen- und Tiergruppen beteiligt waren. Ziel war es, die
Vergleichbarkeit der Daten herzustellen und diese gelungene Normierung
von Namen und Gefährdungskategorien kann gar nicht hoch genug eingeschätzt
werden. Alleine 1800 unterschiedliche Symbole zur Gefährdungseinstufung
mussten zusammengefasst werden.
Das vom Bundesamt
für Naturschutz unterstützte Werk ist eine echte Pionierleistung. Dabei
ist es unerheblich, ob die Suche mit einem deutschen oder wissenschaftlichen
Namen erfolgt. Da das Programm beides kennt, ist es gleichermaßen für
den „normalen“ Naturfreund als auch den Spezialisten in einem Planungsbüro,
Institut oder einer Umweltbehörde von praktischem Nutzen. Die CD-ROM bietet
vielfältige Abfrage- und Auswertungsmöglichkeiten, darunter eine umfangreiche
Literaturdatenbank. Auch kann man eigene Artenlisten importieren, verglichen
und anschließend mit den neuen Informationen wieder exportieren. Ergänzt
wird die Datensammlung durch zahlreiche Fachaufsätze. (elg)
Christian
Köppel et al. (Hg.): Rote Listen. – CD-ROM. 148 DM. Nur im Direktvertrieb
erhältlich: Verlag für interaktive Medien, Orchideenweg 12, 76571 Gaggenau,
Tel. 07225-79137, Fax -79132.
Der
persönliche Buchtipp
von
NABU-Ehrenpräsident Prof. Dr. Claus König
Kaum einer
Greifvogelart wurde soviel Beachtung, wie dem Wanderfalken, dem Symbolvogel
der Falkner und meistgehassten „Feind“ der Taubenzüchter. Offensichtlich
geht auch die gesamte Diskussion um den Schutz dieses imposanten Greifvogels
auf jene Ursprünge zurück. Dazu kam noch die Belastung der Umwelt durch
Biozide, deren Einfluss auf die Fortpflanzung der Wanderfalken unter verschiedenen
Aspekten diskutiert wurde.
Als Mitte der
sechziger Jahre die Forderung nach einem umfassenden Schutz aller Greifvögel
immer lauter wurde, fand sich eine Gruppe von Naturschützern zusammen
und gründete die „Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz“, eine Facharbeitsgruppe
im DBV, dem heutigen NABU. Der Autor des nun erschienenen Buches Der
Wanderfalke in Deutschland stammt aus diesem Kreis. Seit Jahrzehnten
befasst sich Dieter Rockenbauch mit der Biologie und dem Schutz des Wanderfalkens.
Die Ergebnisse
werden in dem nun ersten vorliegenden Band der insgesamt zweibändigen
Monographie in allgemeinverständlicher Form präsentiert. Schwerpunkt bildet
die ausführliche Darstellung der Verbreitung und der Bestandsentwicklung
des Wanderfalken in den letzten hundert Jahren im deutschsprachigen Raum
und den angrenzenden Gebieten. Weitere Kapitel widmen sich Rückgangsursachen
und Gefährdungsfaktoren sowie Maßnahmen zum Schutz des Wanderfalken in
Deutschland. Auch Entstehung und Arbeitsweise der verschiedenen Schutzorganisationen
werden ausführlich behandelt.
Dieses äußerst
informative Buch gehört nicht nur in die Hand eines jeden ernsthaften
Artenschützers, sondern trägt auch wesentlich zum Verständnis sinnvollen
Artenschutzes bei, der ohne gesicherte wissenschaftliche Grundlagen nicht
möglich ist. Deshalb wünsche ich dem wohlgelungenen ersten Band eine möglichst
weite Verbreitung.
Dieter Rockenbauch:
Der Wanderfalke in Deutschland und den umliegenden Gebieten. Band 1 Verbreitung,
Bestand, Gefährdung und Schutz. – 555 Seiten. 88 DM. Hölzinger 1998. ISBN
3-89104-604-9.
Kurz
vorgestellt
Gerhard Thielcke: Lebendige Elbe. – 192 Seiten. 48 Mark. Stadler 1999.
ISBN 3-7977-0453-4. In seinem großformatigen Bildband unternimmt der
Vorsitzende der Deutschen Umwelthilfe und BUND-Mitgründer Thielcke eine
faszinierende Reise durch die Natur- und Kulturlandschaft Elbe von der
Quelle im Riesengebirge bis zur Mündung in die Nordsee. Das Buch ist dreisprachig
deutsch, englisch und tschechisch.
Dieter Hassler
& Karl-Heinz Glaser (Hg.): Gochsheim und seine Trockenmauern: Steine,
Hitze, Hungerkünstler. – 64 Seiten. 14,80 Mark. Verlag Regionalkultur
1997. Bezug beim LNV-Arbeitskreis Karlsruhe, c/o Dieter Hassler, Untere
Hofstatt 1, 76703 Kraichtal. Ein naturkundlich wie auch kulturhistorisch
faszinierendes Porträt des Lebensraums Trockenmauer mit einer detaillierten
Beschreibung der modellhaften Sanierung historischer Trockenmauern im
Kraichgaustädtchen Gochsheim.
Naturschutz
heute, Ausgabe
3/99 vom 6. August 1999
Inhaltsverzeichnis Ausgabe
3/99
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
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