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Naturschutz
in Rheinland-Pfalz Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001
Ungewisse
Zukunft für die Luchse im Pfälzerwald
Luchse, die größten
Beutegreifer im Pfälzerwald, sind mit einer Schulterhöhe von
50 bis 70 Zentimetern und einem Gewicht von 17 bis 25 Kilogramm nicht
gerade unscheinbar und dank eindeutiger Merkmale wie Stummelschwanz, Pinselohren
und Backenbart auch kaum mit anderen einheimischen Tieren zu verwechseln.
Aufgrund ihrer großen Reviere, ihrer Angewohnheit, Menschen aus
dem Weg zu gehen und ihrer guten Tarnung werden die imposanten Tiere jedoch
nur sehr selten entdeckt.
Im Pfälzerwald, wo der Luchs seit den frühen 1980er Jahren wieder
heimisch ist, richtete die Forstverwaltung 1998 ein Meldenetz für
Hinweise auf Luchse ein. Im Jahr 2000 wurden zwischen Kaiserslautern,
Wachenheim, Eppenbrunn und Bad Bergzabern 16 glaubwürdige Hinweise
auf Luchse registriert. Dabei handelte es sich um 12 Sichtbeobachtungen
von bis zu 15 Minuten Dauer und vier Nachweise von Ranzrufen. Auch aus
2001 liegen mehrere Meldungen vor. H. Müller-Stieß von Öko-Log
Freilandforschung in Zweibrücken, der die Luchshinweise auswertet,
schätzt das Vorkommen im Pfälzerwald zur Zeit auf drei bis vier
Tiere. Auch aus anderen Regionen von Rheinland-Pfalz gibt es einzelne
Hinweise auf Luchse. Dennoch ist die Anzahl der Tiere viel zu gering,
um von einer überlebensfähigen Population sprechen zu können.
Leider konnte bisher auch keine erfolgreiche Fortpflanzung nachgewiesen
werden.
Lebensraumvernetzung
Voraussetzung für ein langfristiges Überleben der Luchse im
Pfälzerwald und in den Nordvogesen ist eine Verbindung zur benachbarten
Luchspopulation in den französischen Mittel- und Südvogesen.
Diese Verbindung wird jedoch bei Saverne durch die Schnellstraßen
A 34 und N 4, durch den Rhein-Marne-Kanal und in Zukunft auch durch den
Bau der TGV-Eisenbahnstrecke Paris-Straßburg erschwert. Bisher konnte
noch keine Abwanderung von Luchsen aus den Mittelvogesen in die Nordvogesen
dokumentiert werden. Deshalb wird von den Umweltministerien beiderseits
der Grenze eine Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Lebensraumvernetzung,
zum Beispiel durch den Bau von weiteren Grünbrücken, angestrebt.
Eine Expertenanhörung im Ministerium für Umwelt und Forsten
(MUF) in Mainz erörterte im März 2001 konkrete Maßnahmen
zum Erhalt des kleinen Inselvorkommens. Von Seiten des Naturparks Nordvogesen
war der Vorschlag gekommen, die im Pfälzerwald und in den Nordvogesen
ansässigen Luchse einzufangen und mit Halsbandsendern zu versehen,
um die weitere Entwicklung des kleinen Vorkommens beobachten zu können.
Vom Referat Biotop- und Artenschutz des MUF und vom Büro Öko-Log
Freilandforschung wurde angeregt, stattdessen über zusätzliche
Aussetzungen von Luchsen zur Stützung des rheinland-pfälzischen
Vorkommens nachzudenken. Wissenschaftlich begleitete Aussetzungen von
wenigen Tieren (mit einem Sender versehen) könnten den Luchs vor
dem erneuten Aussterben in Rheinland-Pfalz bewahren. Das grenzüberschreitende
Biosphärenreservat Pfälzerwald - Nordvogesen könnte so
zum Verbindungsglied zwischen der Vogesenpopulation, dem bereits zaghaft
wiederbesiedelten Schwarzwald und den potenziellen Luchsgebieten wie der
Saar-Hunsrück-Region werden.
Akzeptanz in der
Bevölkerung
Überlebenswichtig für den großen Beutegreifer ist neben
der Lebensraumvernetzung auch die Akzeptanz durch die Bevölkerung.
In der Schweiz wurde der Luchs in den 1970er Jahren ohne ausreichende
Öffentlichkeitsarbeit wiederangesiedelt mit dem Ergebnis, dass dort
heute trotz großer Rehpopulationen und trotz Entschädigungszahlungen
bei Verlust von Haustieren eine kleine aber aggressive Anti-Luchs-Front
existiert, die mit illegalen Tötungen von Luchsen den Fortbestand
gefährdet. Auch im Pfälzerwald und in den Vogesen kam es in
der Vergangenheit zu Abschüssen von einzelnen Luchsen.
Mit der "Initiative Pro Luchs" (IPL) gibt es einen Zusammenschluss
verschiedener am Thema Luchs interessierter Gruppen. Das gemeinsame Anliegen
soll durch eine einheitliche Vorgehensweise optimiert werden; vor allem
kümmert sie sich darum, die Öffentlichkeit sachlich über
den Luchs zu informieren und sie für den Schutz zu gewinnen. Beim
letzten Treffen der IPL im April wurden Ziele, Zielgruppen und Taktiken
für eine effektive Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet. Als wichtige
Zielgruppen gelten unter anderem Jäger und Förster, Waldbesucher
und Schulen. Das Ministerium für Umwelt und Forsten hat bereits die
Erstellung einer Ausstellung, eines Posters und eines Aufklebers finanziert;
bald wird die IPL auch im Internet präsent sein.
Die Universität Kaiserslautern beteiligt sich auch an der Initiative.
So wurden im Rahmen des Projekts "Der Luchs im Biosphärenreservat
Pfälzerwald - Nordvogesen", angesiedelt in der Abteilung Ökologie
im Fachbereich Biologie unter Leitung von PD Dr. H.-W. Helb, bereits Artikel
in verschiedenen Fachzeitschriften und eine Posterausstellung erstellt,
die zuletzt auf der Landesgartenschau in Kaiserslautern (2000) und auf
dem Rheinland-Pfalz-Tag in Landau (2001) präsentiert wurde. In Zusammenarbeit
mit dem Pädagogischen Zentrum Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach werden
zur Zeit Projekte entwickelt, um auch Schülern, den Naturschützern
von morgen, das Thema Luchs sachgerecht näher zu bringen.
Luchse waren jahrtausendelang Teil unserer heimischen Tierwelt und gefährden
keine anderen Arten in ihrem Bestand. Für Menschen sind Luchse ungefährlich,
selbst wenn man sich ihren Jungen versehentlich nähert. Der Pfälzerwald
und die Nordvogesen bieten alles, was der Luchs zum Leben braucht: Große,
deckungsreiche Landschaften mit einem ausreichenden Angebot an Beutetieren.
Letztendlich ist für die Zukunft der Luchse jedoch die Duldung durch
uns Menschen entscheidend.
Zum Schluss eine Bitte: Alle Hinweise auf Luchse sind wichtig! Bitte melden
Sie Ihre Beobachtungen an: Ditmar Huckschlag, Mitarbeiter im Luchsberaternetz,
Tel. 0 63 06-91 11 15, 0 63 06-555, Huckschl@rhrk.uni-kl.de.
Mark A. Postel
Universität Kaiserslautern, FB Biologie, Abt. Ökologie
Naturschutz in
Rheinland-Pfalz,
Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001 * Inhaltsverzeichnis
Naturschutz
in Rheinland-Pfalz ist ein Regionalteil von Naturschutz
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(NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de,
zum Landesverband Rheinland-Pfalz unter www.NABU-RLP.de.
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