Naturschutz heute – Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


NABU vor Ort

Mühlenberger Loch: Das endgültige Aus * Landschaftsführer: Modellprojekt Alb-Guide * Euregio-Naturpunkt: Grenzen überschreiten * Westerwald: Dialog mit Forst und Jagd * Niedersachsen: Elster und Krähe unter Beschuss * Radtouren: Mit dem NABU unterwegs * Neues Infomaterial * Kurz gemeldet: Preisträger "Goldene Natur" - NSG-Erweiterung am Federsee


Landschaftsführer: Modellprojekt Alb-Guide

Der NABU Baden-Württemberg geht neue Wege, um die Ziele der Landwirtschaftskampagne weiter zu verfolgen und für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu werben. Auf der Mittleren Schwäbischen Alb, wo 1999 bereits erfolgreich die ÖkoRegio-Tour eröffnet wurde, sollen nun ausgebildete Kulturlandschaftsführer, so genannte Alb-Guides, persönlich bei Gästen und Einheimischen die NABU-Ziele unterstützen. Das heißt: Werbung machen für ökologisch und regional produzierte landwirtschaftliche Erzeugnisse und erklären, wie wichtig umweltverträgliche Landwirtschaft und Naturschutz sind, um eine intakte Kulturlandschaft zu erhalten.

Gemeinsam mit der Volkshochschule Münsingen bietet der NABU einen zweisemestrigen Ausbildungskurs zum Alb-Guide an. Zum Grundkurs im Wintersemester 2000 traten gleich 58 künftige Guides an. Rund ein Drittel hat inzwischen auch schon den anschließenden Aufbaukurs absolviert. Die Alb-Guides sind Teil des NABU-Projektes "Arbeitsplätze durch Naturschutz" auf der Mittleren Schwäbischen Alb, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Das Ganze wird nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt, sondern mit Spaß und ganz persönlicher Handschrift des jeweiligen Alb-Guides. Jeder Alb-Guide hat sich eine individuelle Rad- und Wandertour in der Region einfallen lassen und lädt nun zum Mitmachen ein. Das komplette Angebot mit momentan 22 verschiedenen geführten Touren ist in einem Programmheft zusammengefasst, das beim NABU Baden-Württemberg angefordert werden kann unter Tel. 07 11-9 66 72-12 oder nabu@nabu-bw.de. Info und Anmledung auch unter www.alb-guide.de. (erz)


Mühlenberger Loch: Das endgültige Aus

Mitte Mai hat das Bundesverfassungsgericht den vom "Verein zum Schutz des Mühlenberger Loches" und dem "Verein Hamburgs Elbregion" gestellten Eilantrag auf sofortigen Baustopp für die Airbus-Erweiterung abgewiesen. Damit gibt es für die Naturschutzverbände nun keinerlei juristische Mittel mehr, die Zerstörung des größten europäischen Süßwasserwatts noch aufzuhalten (siehe NH 1.01, S. 24-35). "Wenn selbst die höchsten deutschen Richter keinerlei Respekt vor europäischem Recht haben, wer dann?", fragt sich der Hamburger NABU-Geschäftsführer Stephan Zirpel verbittert. Das Karlsruher Urteil ist ein schlimmes Zeichen für den europäischen Naturschutz insgesamt, ist es doch geradezu eine Einladung zur Zerstörung selbst ökologisch wertvollster Gebiete, selbst wenn sie wie das Mühlenberger Loch nach EU-Recht streng geschützt sind.

Nach wie vor steht zwar noch das Hauptsacheverfahren vor den Hamburgischen Verwaltungsgerichten aus, in dem über die Rechtmäßigkeit des Eingriffs entschieden werden muss. Dies kann jedoch Jahre dauern, und selbst wenn der - nach bisheriger Erfahrung sehr unwahrscheinliche - Fall eintreten sollte, dass die Richter das Vorhaben für unrechtmäßig erklären sollten, wäre das Mühlenberger Loch bis dahin längst unwiederbringlich zerstört. (uw)


Euregio-Naturpunkt: Grenzen überschreiten

Mitte Mai gründete der NABU Nordrhein-Westfalen im Kreis Heinsberg seine dritte Naturschutzstation. Wie die Stationen in Münster und Kranenburg leistet die "NABU-Naturschutzstation Euregio-Naturpunkt" neben den klassischen Aufgaben wie Betreuung und Entwicklung von Biotopen auch Öffentlichkeitsarbeit und betreut Umweltbildungsprojekte.

Eine Besonderheit der Einrichtung wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Euregio sein. "Für einen Landkreis, der auf über 70 Kilometern Länge an die Niederlande grenzt, ist das besonders wichtig", betont Stationsleiter Michael Straube. Landesumweltministerin Bärbel Höhn freute sich: "Hier soll gezeigt werden, dass Grenzen keine unabänderliche Bedeutung mehr haben." Die Station folge damit Wegen, die die Natur schon immer eingeschlagen habe und die nie durch Grenzen bestimmt worden seien.

Mit dem Konzept der Naturschutzstationen will der NABU in NRW regionale Präsenz demonstrieren. Getragen wird die Station von Landes- und Kreisverband sowie von drei engagierten Ortsgruppen. Bei der Wahl des zukünftigen Stationsgebäudes wollen die Aktiven insbesondere die Möglichkeit eines Informationszentrums beachten.

Info: NABU-Naturschutzstation Euregio-Naturpunkt, Herrschaftliche Heide 6, 41849 Wassenberg, Tel. 0 24 32-93 92 50, Fax 0 24 32-93 92 52, naturpunkt@nabu-heinsberg.de. (tw)


Westerwald: Dialog mit Forst und Jagd

Ob Rabenvogeljagd oder Rehwilddichte: Der Kontakt mit Jägern erschöpfte sich auch für Mario Brenner vom NABU Gebhardshainer Land im Westerwald meist in kontroversen, oft verbittert geführten Diskussionen. Inzwischen aber hat sich das Dank einer konkreten Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jagdpächter geändert. Dieser war an den NABU herangetreten mit der Bitte, ihn doch bei der Planung zur ökologischen Aufwertung einer bisher intensiv genutzten Grünlandfläche zu unterstützen. Zusammen mit dem Förster einigte man sich auf ein Maßnahmenpaket und bald darauf wurde eine Teilfläche mit Laubgehölzen bepflanzt. Später legten NABU und Jägerschaft auf einem weiteren Teil gemeinsam eine Obstwiese an und im unteren Hangbereich wurden Tümpel vergrößert. Die Restfläche wird extensiv bewirtschaftet.

Inzwischen konnte die NABU nahebei eine kleine Feuchtwiese kaufen und zusammen mit einer Fichtenparzelle in einem Bachtal, die nun gerodet und bachbegleitet mit Erlen bepflanzt werden soll, entsteht Stück für Stück ein lokaler Biotopverbund. Finanziert werden die Maßnahmen unter anderem über ein Öko-Konto, das die Kommune auf Anregung des NABU eingerichtet hat.
Die kontroversen Meinungen zu Jagd- und Naturschutzfragen sind damit nicht ad acta gelegt, aber im konkreten Fall haben beide Seiten zueinander gefunden. "Ich gehe davon aus, dass eine langjährige fruchtbare Zusammenarbeit vor uns liegt", ist Mario Brenner zuversichtlich. (elg)


Niedersachsen: Elster und Krähe unter Beschuss

Auch in Niedersachsen dürfen Rabenvögel jetzt wieder bejagt werden. Eine entsprechende Regelung enthält das neue Landesjagdgesetz, das Niedersächsische Landtag mit sämtlichen den Stimmen von SPD und CDU beschlossen hat.

Die Aufnahme von Elster und Rabenkrähe in den Katalog der nach Landesrecht jagdbaren Arten war vom zuständigen Landwirtschaftsausschuss eingebracht worden. Der NABU Niedersachsen versuchte bis zur Abstimmung, in Gesprächen und Briefen Abgeordnete von den aus Sicht des Naturschutzes bestehenden Problemen zu überzeugen. Zudem wurde eine Aktion "Keine Rabenvögel ins Jagdgesetz" mit Musterbrief, Hintergrundmaterial an die örtlichen Landtagsabgeordneten für die NABU-Gruppen gestartet. Landesregierung und Landtag legten allerdings mehr Wert auf gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und mochten sich den Forderungen des NABU daher nicht anschließen.

Die Jagd auf Rabenvögel setzt den Schlusspunkt unter ein Gesetz der verpassten Möglichkeiten. Eine Neuorientierung der Jagd am Leitbild einer nachhaltigen, ökologischen Jagdausübung wurde weitgehend verpasst. Unter dem Strich bleibt alles beim Alten - mit Ausnahme weniger positiver Einzelfälle wie dem Verbot der Bleischrotverwendung von Bleischrot an Gewässern und erweiterten Möglichkeiten zur Jagdruhe in Naturschutzgebieten. (ut)


Radtouren: Mit dem NABU unterwegs

Die NABU-Umweltpyramide Bremervörde veranstaltet im Sommerhalbjahr außergewöhnliche Fahrradtouren durch Moor- und Geestlandschaften. Unterwegs gibt es nicht nur wunderschöne Natur zu entdecken, sondern auch kulturelle Schätze wie Jahrhunderte alte Kirchen oder interessante Museen. Kombinationsmöglichkeiten, wie "Pedal und Paddel" oder "Rad und Moorexpress" eröffnen spannende Wege. Gruppen ab acht Personen können diese Touren buchen. Außerdem gibt es feste Termine für Einzelanmeldungen. Die nächsten Angebote: am 19. August "Landschaft zwischen Mooren, Mühlen und Heide" und am 16. September "Auf stillen Wegen". Direkt am Bahnhof gibt es den Fahrradverleih der NABU-Umweltpyramide. Für Übernachtungen stehen Hotels und Pensionen zur Verfügung. Info: Tel. 0 47 61-7 13 30, NABU-Umweltpyramide@t-online.de.

Zahlreiche naturkundliche Radwanderungen hat auch der NABU Ostfriesland auf der Internationalen Dollard Route im Angebot. Die nächsten Viertagestouren rund um den Dollart an der Nordsee finden vom 10.-13. August und vom 24.-27. August statt. Die Tagesstrecken liegen maximal alle bei bequemen 55 Kilometern. In einer kleinen Gruppe wird die einmalige Flora und Fauna des Gebietes erkundet. Info: Tel. 0 49 42-99 03 94, Kontakt@NABU-Ostfriesland.de


Infomaterial

- Biosphärenreservate sollen sich dadurch auszeichnen, dass sie neben dem Schutz der Natur auch die naturverträgliche Entwicklung der regionalen Wirtschaft fördern. Diesen Grundgedanken hat Markus Rösler mit seiner Doktorarbeit Arbeitsplätze durch Naturschutz vertieft und anhand der Region Mittlere Schwäbische Alb beispielgebend konkretisiert. Auf Basis dieser Arbeit ist ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes, 390 Seiten starkes Buch erschienen, das zum Preis von nur 15 Mark einschließlich Versand bestellt werden kann beim NABU Baden-Württemberg, Tübinger Straße 15, 70178 Stuttgart. Ab 6 Stück vermindert sich der Preis auf 10 Mark, ab 16 Stück auf 5 Mark.

- In unmittelbarer Nachbarschaft zum Industrieraum um Halle hat sich mit dem Unteren Saaletal eine weitgehend unzerschnittene Kulturlandschaft erhalten, der zudem als Wärmeinsel ein besonderer Naturschutzwert zukommt. Die Naturschönheiten sind jedoch unter anderem durch den geplanten Bau der A 143 akut gefährdet. In der Reihe "Calendula" dokumentiert der NABU Halle jetzt die Auseinandersetzungen um die Autobahn und dabei auch das besondere Arten- und Lebensrauminventar des Gebietes. Der 100 Seiten starke Band Landschaften von europäischer Bedeutung im Unteren Saaletal kann gegen Spende bezogen werden bei Calendula, Große Klausstraße 11, 06108 Halle, Tel. 03 45-2 02 16 18.


Kurz gemeldet

- Die Gewinner des vom ZDF und der Fernsehzeitschrift Hörzu ins Leben gerufenen Wettbewerbs "Goldene Natur" sind ermittelt. Vier von den sechs Preisträgern sind NABU-Projekte oder wurden von NABU-Mitgliedern initiiert: So setzt sich Klaus Zeibig aus Wurzen-Dehnitz (Sachsen) seit 50 Jahren für die Betreuung eines Naturschutzgebietes ein; Salome Winkler und ihrem Mann Andreas wird der Preis zugesprochen, weil sie sich für eine naturverträgliche Landwirtschaft mit einer strukturreichen Feldflur im Landkreis Chemnitz stark machen; Klaus Götze vom thüringischen NABU-Kreisverband Saale-Holzland bekommt die Auszeichnung für die Pflege eines ehemaligen Truppenübungsplatzes und Franz Debatin von der NABU-Ortsgruppe Hambrücken wird ausgezeichnet für sein unermüdliches Engagement, das zur Renaturierung der Saalbachniederung geführt hat. Die Preisverleihung findet während einer Live-Sendung von der Berliner Funkausstellung am 26. August ab 13.15 Uhr statt.

- Am Federsee in Oberschwaben, einem der ältesten Keimzellen des NABU-Engagements, wurde ein weiteres, 170 Hektar großes Naturschutzgebiet "Nördliches Federseeried" ausgewiesen. Damit stehen insgesamt 2350 Hektar Federseemoor unter Naturschutz. Außerdem wurde rund um den Federsee ein 16 Kilometer langer Naturlehrpfad eingerichtet, der vor allem per Rad reisenden Naturfreunden die Besonderheiten des größten Moores in Südwestdeutschland zeigt.


Naturschutz heute, Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001


Naturschutz heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten unter www.NABU.de.

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