Naturschutz
heute Hintergrund zu Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001
Von Windkraft bis
zu Pflanzenschutzmitteln
Kurzmeldungen
zu umweltpolitischen Themen
Offshore-Windkraft:
Alte Fehler vermeiden * Einwendung gegen Atommüll-Zwischenlager
* Atomkonsens unbefriedigend * Aktivere
Rolle Deutschlands beim internationalen Artenschutz * Vogelwelt
reagiert auf Klimawandel * TPT-haltige Pflanzenschutzmittel
verbieten * Pfand für Getränkeverpackungen
muss kommen * Gefährdete Tiere und Pflanzen gehören
nicht ins Urlaubsgepäck * Ökosteuer weiterentwickeln
* Einheitliches Ökosiegel für Lebensmittel
Weitere tagesaktuelle
Meldungen auf www.NABU.de
Offshore-Windkraft:
Alte Fehler vermeiden
Update:
Ausführlicher Beitrag zum Thema in der Ausgabe von Oktober 2001
plus weitere Hintergrundinfos...
Der NABU hat vor
zu großer Euphorie bei der Errichtung von Offshore-Windkraftanlagen
gewarnt. Zwar sind die Potenziale für die Windkraftnutzung im Meer
erheblich, besondere Sorgfalt bei der Standortsuche ist jedoch unabdingbar.
Bei aller Unterstützung der Klimaschutzziele sieht der NABU sein
Aufgabe nicht darin "die ambitionierten Pläne der Bundesregierung
zu bejubeln und unkritisch zu unterstützen", stellte NABU-Energieexperte
Frank Musiol bei einem Fachkongress in Berlin klar. "Dafür
gibt es zu viele gebrannte Kinder in unseren Reihen, die bei der Entwicklung
der Windenergienutzung an Land zusehen mussten, wie durch eine unzureichende
übergeordnete Planung an vielen Stellen vor allem Vogelrast- und
-brutgebiete zerstört oder in ihrer Funktion zumindest stark beeinträchtigt
wurden."
Der NABU begrüßt daher, dass sich das Bundesumweltministerium
bereits darauf festgelegt hat, die so genannten Important Bird Areas
von Windparks frei zu halten. Diese sind auch für den NABU Tabu-Zonen.
"Wir wollen nicht verhindern, sondern wir wollen lenken, damit
Klimaschutz und Naturschutz nicht zu Widersprüchen werden",
so Musiol. Aus Sicht des NABU ist es unrealistisch, unter Naturschutzaspekten
sorgfältig geplante und über die Pilotphase hinausgehende
Offshore-Windparks vor 2007 ans Netz zu nehmen.
Einwendung
gegen Atommüll-Zwischenlager
Der NABU hat beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter
Einwendungen gegen insgesamt sechs geplante dezentrale Atommüll-Zwischenlager
eingereicht. Nach Auffassung des NABU sind die an den Atomkraftwerksstandorten
Biblis, Unterweser, Grohnde, Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf
geplanten Anlagen nicht mit dem zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft
vereinbarten Atomausstieg vereinbar. Zwar ist die Einrichtung der Standortzwischenlager
Bestandteil des sogenannten Atomkonsenses, doch die Kraftwerksbetreiber
langen bei den beantragten Lagerkapazitäten so kräftig zu,
dass sie damit ihre Reaktoren auch noch bis ins Jahr 2040 betreiben
könnten. [Mehr...]
Atomkonsens
unbefriedigend
Der NABU sieht in der Unterzeichnung des Atomkonsenses Mitte Juni nur
einen kleinen Schritt in Richtung Atomausstieg. "Es ist längst
nichts besiegelt und die Gefahren durch Atomkraftwerke, Transporte und
Atommüll sind jetzt um nichts geringer als vor dem Konsens",
so NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Nach Auffassung des NABU sind
viel zu langen Restlaufzeiten der Reaktoren vereinbart worden. Der NABU
weiß durchaus zu würdigen, dass die Bundesregierung sich
mit den Stromkonzernen auf ein Auslaufen der Atomenergie verständigt
hat, doch der Preis dafür ist sehr hoch. Die Zeit wäre jetzt
reif dafür, den Atomstrom endlich, mit seinen wahren Kosten zu
belasten und damit die andauernde Subventionierung der gefährlichsten
aller Stromerzeugungen zu beenden. Gerade diesen Weg, der das Ende der
Atomenergie enorm beschleunigen würde, hat sich die Bundesregierung
mit dem Konsens jedoch weitgehend versperrt. Der NABU sieht hier wichtigen
Korrekturbedarf für die nächste Legislaturperiode. [Mehr...]
Aktivere
Rolle Deutschlands beim internationalen Artenschutz
Anlässlich der 25-jährigen Mitgliedschaft Deutschlands beim
Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) hat der NABU die Bundesregierung
aufgefordert, endlich eine Führungsrolle im internationalen Artenschutz
zu übernehmen. Die Regierung solle dem illegalen Handel mit bedrohten
Arten durch eine aktivere Gestaltung dieses wichtigen Abkommens einen
Riegel vorschieben. Dafür, dass Deutschland mit rund einer Million
Schweizer Franken den drittgrößten Betrag im Rahmen des Abkommens
zahlt, spielt es bei politischen Auseinandersetzungen innerhalb dieser
Gruppe von über 150 Nationen eine bedauernswert kleine Rolle. An
die Gerichte appellierte der NABU, bei Verstößen gegen den
Artenschutz den vom Gesetzgeber formulierten Rahmen in vollem Maße
auszuschöpfen. Es handelt sich schließlich nicht um Kavaliersdelikte.
[Mehr...]
[zusätzliches
Hintergrundinfo...]
Vogelwelt
reagiert auf Klimawandel
Nach Ansicht des NABU sind die veränderten Verhaltensweisen vieler
Vogelarten ein Beleg für den aktuellen Klimawandel. "Während
sich Klimaexperten noch uneins sind, wohin die Reise geht, haben etliche
Vogelarten bereits auf die zunehmende Erwärmung unseres Klimas
reagiert", erklärte NABU-Vogelschutzexperte Dr. Markus Nipkow
anlässlich der Bonner Klimakonferenz. So belegen Langzeitstudien
aus verschiedenen Ländern Europas, dass viele Arten ihre Brutzeit
vorverlegt haben. In England etwa brütet schon jede dritte Vogelart
früher als noch vor wenigen Jahren - durchschnittlich um etwa neun
Tage. In Deutschland haben beispielsweise Kraniche in diesem Jahr
so früh gebrütet wie nie zuvor, so Nipkow weiter. Allerdings
ist nicht jede Art so anpassungsfähig. Buchstäblich auf der
Strecke bleiben vor allem Zugvögel, deren Zugverhalten genetisch
stärker fixiert ist. [Mehr...]
TPT-haltige
Pflanzenschutzmittel verbieten
Der NABU fordert von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und
Forstwirtschaft ein Verbot von Triphenylzinn-(TPT)-haltigen Pflanzenschutzmitteln.
In einem Brief an den Präsident der Biologischen Bundesanstalt,
Prof. Fred Klingauf, verwies NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd
Billen auf aktuelle Untersuchungen des Niedersächsischen Landesamtes
für Ökologie und Studien zur Auswirkung von TPT auf das menschliche
Hormonsystem, mit denen die Gefährdungen durch TPT für Umwelt
und Gesundheit eindrucksvoll belegt werden.
TPT gehört zur Gruppe der Organozinnverbindungen und ist in Deutschland
als Pestizid für die Anwendung im Kartoffelanbau zugelassen. Jährlich
werden davon über 60 Tonnen gegen Kraut- und Knollenfäule
auf die Äcker gespritzt. TPT reichert sich im Organismus an, beeinträchtigt
bereits in kleinsten Mengen die Fortpflanzungsfähigkeit von Gewässerorganismen
und schädigt nach neuen Erkenntnissen der Universität Bonn
auch das menschliche Hormonsystem. Süßwasserfische in Deutschland
sind massiv mit TPT belastet, so ist etwa bei Aalen und Hechten aus
der niedersächsischen Aller eine bis zu sechsfache Überschreitung
des zulässigen TPT-Höchstwerts festgestellt worden. [Mehr...]
Pfand
für Getränkeverpackungen muss kommen
Nach der Ablehnung des geplanten Pfands im Bundesrat hat der NABU Bundesumweltminister
Trittin aufgefordert, umgehend die Ergebnisse der Nacherhebung in Sachen
Mehrweganteile bekannt zu geben und die geltende Verpackungsverordnung
umzusetzen. "Dann wird den Verbraucherinnen und Verbrauchern immerhin
deutlich, welche Abfüller sich ökologisch verantwortlich verhalten
und welche nicht", so NABU-Präsident Flasbarth.. Nach geltendem
Recht wäre auf Bierdosen ein Pfand zu zahlen, auf Coladosen derzeit
nicht. Wenn die Landesregierungen schon beim Schutz des Mehrwegs versagt
hätten, sollten sie diese Differenzierung nun wenigstens den Verbraucherinnen
und Verbrauchern offensiv erläutern. Flasbarth warnte die Länderchefs
vor einer weiteren Verzögerungstaktik bei der Mehrwegförderung:
"Ein umweltpolitisches Eigentor ist genug." [Mehr...]
Gefährdete
Tiere und Pflanzen gehören nicht ins Urlaubsgepäck
Urlauber, die sich exotische Andenken wie Krokodilledertaschen, ausgestopfte
Tiere oder Korallenschmuck mit nach Hause nehmen wollen, erleben am
Zollschalter oftmals ihr blaues Wunder. Denn der Handel mit vielen gefährdeten
Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA)
geschützt sind, ist verboten und wird mit Geldstrafen geahndet.
"Mitleidskäufe beim Straßenhändler helfen keinem
bedrohten Tier, sie führen vielmehr zu weiteren Fängen wildlebender
Tiere." erklärt NABU-Präsident Jochen Flasbarth. "Der
internationale Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen ist eine
der Hauptursachen für den drastischen Rückgang vieler wildlebender
Arten", betont Flasbarth. Jedes Jahr werden durchschnittlich rund
40.000 Affen, über eine Million Orchideen, vier Millionen Vögel,
zehn Millionen Reptilienhäute, fünfzehn Millionen Pelze kommerziell
gehandelt.
[Mehr...]
Ökosteuer
weiterentwickeln
Der NABU setzt sich für eine Weiterentwicklung der erfolgreichen
Ökologischen Steuerreform ein. "Die Kosten der Umweltbelastung
werden immer noch bei weitem nicht durch die Ökosteuer gedeckt",
erklärte NABU-Präsident Flasbarth. Der NABU befürwortet
die von den Grünen vorgeschlagenen Eckpunkte für die künftige
Entwicklung der Reform. Es ist sinnvoll, die pauschalen Steuerminderungen
für die Wirtschaft schrittweise abzubauen, regenerative Energieträger
von der Ökosteuer zu befreien und für die Bahn einen halben
Mehrwertsteuersatz anzustreben.
Positiv wertete Flasbarth auch die Beibehaltung der Aufkommensneutralität:
"Es geht nicht darum, den Bürgern das Geld aus der Tasche
zu ziehen, sondern vielmehr darum, dumme Steuern durch klügere
Steuern zu ersetzen." Allerdings soll die Rückführung
der Ökosteuereinnahmen nach 2003 nicht mehr über die Senkung
der Sozialversicherungsbeiträge erfolgen. Mit den Energiesteuereinnahmen
darf keinesfalls der Reformbedarf beim Soziaversicherungssystem verkleistert
werden. Der NABU hält eine direkte Rückerstattung über
die Senkung der Einkommens- und Unternehmenssteuer für den besseren
Weg. [Mehr...]
[zusätzliches
Hintergrundinfo...]
Einheitliches
Ökosiegel für Lebensmittel
Der NABU hat die Entscheidung von Verbraucherministerin Künast
zur Einführung eines einheitlichen, staatlichen Zeichens für
ökologische Produkte als wichtiges Signal begrüßt. "Mit
dieser Entscheidung ist ein wichtiges Etappenziel erreicht, um dem Ökolandbau
endlich zum Durchbruch zu verhelfen", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer
Gerd Billen. Die Einführung des Ökozeichens sollte mit einer
umfangreichen Image- und Marketingkampagne für Ökoprodukte
verbunden werden. "Wir brauchen eine breit angelegte Kampagne für
Ökoprodukte, die einen gesellschaftlichen Aufbruch signalisiert
und damit ein wichtiges Signal in Landwirtschaft und Handel aussendet",
so Billen weiter. Eine solche Kampagne muss mit einem zweistelligen
Millionenbetrag pro Jahr gefördert werden und soll alle relevanten
Interessensvertretungen berücksichtigen. Hierzu gehört auch
der Lebensmitteleinzelhandel, der seine zögerliche Haltung aufgeben
und in das Zeichen investieren muss. [Mehr...]
[zusätzliches
Hintergrundinfo...]
Naturschutz
heute,
Hintergrund zu Ausgabe 3/01 vom 27. Juli 2001
Naturschutz
heute ist das Mitgliedermagazin des 1899 gegründeten Naturschutzbundes
Deutschland (NABU). Mehr über den NABU und seine Aktivitäten
unter www.NABU.de.
Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 3/01 * Themenübersicht
Archiv Naturschutz heute * Home